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Ich bin demnächst eine elfstellige Nummer. Und das ist keinesfalls eine Reduktion – nein, damit werde ich erweitert. Diese Nummer wird fest mit mir verschweißt. Ob diesen Herbst im Personalausweis (den bei mir zu führen ich ja stets gehalten bin) in fünf Jahren als implantierter RFID-Chip (den meine Katze schon heute hat) oder in zehn Jahren als Tätowierung – jeder weiß bald, wer ich bin und ob ich nichts zu verbergen™ habe. Wieso? Ach natürlich, für eine bessere Steuererfassung. Bis 20 Jahre nach meinem Tod. An der Nummer hängen zwar „nur“ Name, Doktorgrad, Geschlecht, Künstlername und Adresse, aber welches Unternehmen ließe sich denn die Chance entgehen, mit diesen elf unabänderlichen Stellen ihren eigenen Datenbestand zu erweitern und zu verknüpfen? [Foto: alpower (cc)]

So weiß möglicherweise bald 68004932549s Zahnarzt, dass er sich am Vorabend „Hostel“ aus der Videothek ausgeliehen habe und begrüßt ihn mit den Worten „Na, sie haben ja Nerven“.

Im Bewerbungsgespräch wird 7759256562 darauf angesprochen, dass man in früher Jugend mal mit Cannabis polizeilich aufgegriffen worden sei und man auch der Schufa nicht unbekannt sei. Ob man denn wirklich „emotional stabil“ sei und die nötige Konsequenz zu dauernder beruflicher Belastung mitbringe?

Beim kleinen 53297596539 wurde irgendwann mal „ADS“ diagnostiziert, weswegen er 24 Jahre später den Job als Lufthansa-Pilot nicht bekommt.

Die Apothekerin weiß, mit einem Blick auf den Monitor, schon als die Tür sich öffnet und Kundin 20996253411 hereinkommt, dass sie eben beim Arzt war und dass sie eine Creme gegen ihre Geschlechtskrankheit benötigt. Wie praktisch, sie muss das peinliche Aliegen nicht vortragen. Vor der Apothekentür lungern zwei feixende Halbstarke. Mit ihrem von einer russischen Internetseite auf den PDA heruntergeladenen RFID-Cracker haben auch sie das gerade herausgefunden.

Der Bezahlcomputer an der Supermarktkasse registriert, dass bei Kunde 67837403754 dank eines steigenden Tiefkühlkost-Konsums wohl wieder Singleleben herrscht und ändert das Profil dahingehend. Die Marktleiterin sieht beim Durchstöbern der hauseigenen Datenbank, abgeglichen mit Alter, den Daten zu Wohnlage und häufig gekauften Artikeln („Oh, er mag auch Lachs!“) eine potentielle gute Partie und nimmt sich vor, demnächst eine Flirt-Attacke zu starten.


Foto: LexnGer (cc)

Spinnerei? Nun wir werden sehen. Ich frage mich, warum dieses wirklich starke Gesetz unter Ausschluß der Öffentlichkeit beschlossen wurde. Ist doch toll, da kann sich die Regierung auf die Schulter klopfen: Wieder einen Beitrag zur Individualisierung der Menschen geleistet. Hip hip hurra, es wird Sommer und alles ist wunderbar… Ich will nicht unken, aber es gab schon einmal Proteste wegen geringerer Anlässe. Aber es hätte ja auch schlimmer kommen, immerhin bin ich kein Ausländer.

10 Kommentare

  1. Es ist schon seltsam. Eine gute Freundin von mir kann ich auch nicht davon überzeugen, dass ein Überwachungsstaat gegen die Interessen der Überwachten verstößt.
    Wahrscheinlich liegts an Papa, der ist Polizist.

    Wie passt die Zahl zum Recht auf informationelle Selbstbestimmung?

    Al Capone würd sich jedenfalls darüber ärgern, für den war die Steuer ja im wahrsten Sinne ein Genickbruch…

  2. „… warum dieses wirklich starke Gesetz unter Ausschluß der Öffentlichkeit beschlossen wurde.“ – Das Problem ist eben, dass die einstmals „vierte Gewalt im Staate“, die Presse (und sonstige Medien), es anscheinend für wesentlich wichtiger hält/halten, über unsägliche Blondchen und ähnliche Pseudopromis zu berichten als über tatsächlich wichtige Themen.

  3. Wie bei der KFZ-Zulassung gibt es gegen Aufpreis dann sicher eine Wunschnummer. Ich reserviere hiermit schon mal die 12345678910. Wenig beliebt dürften dagegen die 0190er Nummern sein.

  4. habe es heute erst auch über „gulli“ erfahren und musste nicht schlecht staunen, dass diese idee tatsächlich realität wird. den adolf hätte es gefreut…

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  6. Wir werden von der Politik zu dem gemacht, als was sie ihre Bürger betrachtet: Nummern.

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