21 Monate Untersuchungshaft

Achtung, Kalauer: Wenn ein Vorgang in der Justiz in seiner Absurdität an die Handlungen der Filme von David Lynch erinnert, darf man da von Lynchjustiz sprechen?

Spaß beiseite, es kann einem schon Angst und Bang um die deutsche Auslegung des Prinzips Rechtsstaat werden, wenn man den von Marcel Bartels geschilderten Fall liest. Nach 12 Monaten (maximale Dauer der U-Haft, in schweren Fällen) U-Haft wurden gegen einen vorbestraften Mann immer noch keine Beweise für den, ihm vorgeworfenen, Drogenhandel gefunden. Was macht die Staatsanwaltschaft, als der Mann das Vergehen partout nicht gestehen will? Genau, einfach weiter einknasten, den Kerl! Irgendwann wird uns schon noch ein Beweis zufliegen. Seit 21 Monaten sitzt der Verdächtige nun im Gefängnis und die Beschwerden seines Anwalts werden irgendwo im Kompetenzwirrwarr zwischen Kammergericht, Staatsanwaltschaft und Bundesverfassungsgericht.

Ob der Verdächtige nun schuldig ist oder nicht, egal – das ist ein Skandal. Bloß werden ihn die Medien kaum wahrnehmen. Warum? Nun, der Verdächtige trägt einen arabischen Namen. Und so war das Blatt „DER SPIEGEL“, wie zu erwarten, wesentlich schneller in der Verurteilung als die Gerichte: Bereits 2003 stand für den hochseriösen Fernsehableger SPIEGEL TV fest, al-Z. sei „Pate von Berlin“, „Schutzpatron, vermutlich Drogenbaron, Sozialhilfeempfänger und ein Freund großer Worte“. Das klingt ziemlich hart, man ist auch geneigt, dem Bericht zu glauben. Nur… Das war bei Mamoun D. genauso. Und selbst als dieser vor Gericht freigesprochen wurde, hatte der SPIEGEL „keine Probleme“, die vermeintliche Schuld des Mannes auf ihrer 11. September-Doku-DVD ohne Richtigstellung hinausposaunen.

Kleiner Tip für die Ermittler: Beim nächsten Mal gleich den BND kontaktieren. Die leiten den Fall schnell an die Kollegen vom CIA weiter und die kriegen in Nullkommanix ein Geständnis. Ob der Typ nun hier oder da ohne Prozess im Knast sitzt ist doch eh Latte, gell?

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