About Schmidt (and Hitler)

schmidtHelmut Schmidt äußert eine interessante Analogie zu Oskar Lafontaine und pflanzt einen neuen Setzling in das gut bewässerte Beet der albernen Dämonisierungen:

„Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch.“, fügte Schmidt hinzu. Zudem verglich der Sozialdemokrat Lafontaine mit dem französischen Rechtspopulisten Jean Marie Le Pen. „Der eine ist links, der andere ist rechts. Aber vergleichbare Populisten sind Lafontaine und Le Pen schon“, sagte der Alt-Kanzler.

So ein Gehobel gehört sich natürlich im, äh, Feuilleton der Bild am Sonntag. Ich will da jetzt mal gar nicht den Godwin herbeizitieren, das wird ja auch irgendwann langweilig. Nur so viel: Apfelmus hat eine breiige Konsistenz. Durchfall auch. Und nicht nur Hitler hatte einen an der Klatsche. Ex-Kanzler, die sich in den widerlichsten Auswucherungen der deutschen Boulevard-Landschaft zum Leitwolf der Intellektualität hochjazzen lassen, ebenso.

Nachtrag: Chris von F!XMBR setzt das Schmidt-Zitat ins Verhältnis zu einem von vor zehn Jahren. Hm. Was… Geschwätz… gestern…

Foto vom Gemälde: thbl (cc)

7 Kommentare

  1. Der Partei muss der Arsch wahrlich auf Grundeis gehen, wenn der Altkanzler zu solchen blödsinnigen Vergleichen Zuflucht suchen muss.
    Die Linke? Jetzt erst recht!

  2. Pingback: Zitat des Tages | F!XMBR

  3. ja werd ich bei der landtagswahl in bayern auch wählen. nicht dass ich die jetzt total toll finde, aber mei. die anderen sind schlechter.

  4. Ich finde diesen Beitrag nicht allzu gelungen. Eine Person wie Helmut Schmidt beantwortet eine derart große Anzahl an Fragen, dass es unweigerlich hin und wieder zu politisch inkorrekten Vergleichen, wie dem aus der hier nahezu zusammenhanglos zitierten Aussage, kommt. Würde man nun, wie es journlistisch korrekt wäre, der tiefe dieser Gegenüberstellung von Lafontaine und Hitler seitens Schmidt nachgehen, bin ich sicher, dass er sich von den Assoziationen, die über das Thema Redekunst/Populismus hinausgehen, klar distanziert.

    Es lässt sich über seine Motive (Dämonisierung der Linken?) oder über den Inhalt (Vergleich der Redekunst von Hitler und Lafontaine)diskutieren. Tu tust in deinem Beitrag weder das eine noch das andere. Anstatt dessen gibst du dein eigenes Gehobel hinzu.

    @ otti

    Schmidt betrachtet das politische Treiben, meinem Empfinden nach, schon eine ganze Weile nicht mehr so verbissen aus der parteipolitischen Perspektive. Dein Erklärungsversuch halte ich daher für abwegig.

  5. @ people in motion:

    Aus meinem About:

    Ich habe keine journalistischen oder politischen Ambitionen, deswegen bitte ich darum, die Inhalte dieses Blogs auch nicht an solchen Ansprüchen zu messen.

    Ich glaube nicht, dass man Helmut Schmidt hier eine rhetorische Fahrlässigkeit unterstellen kann. Dazu ist er mit Politik und den Mechanismen der Medien zu vertraut. Die Frage ist doch: Was nützt dieser Vergleich? Warum sollte man die oratorische Qualität zweier (bzw. dreier) Personen wie der Genannten überhaupt zueinander ins Verhältnis setzen? Angenommen, man findet Übereinstimmungen, was sagt das aus? Überhaupt nichts, es gibt genug Punkte, an denen sich Oskar Lafontaine und Adolf Hitler unterscheiden. Der ganze Vergleich hat überhaupt keine Legitimation ihn überhaupt anzustellen außer Dämonisierung. Vor allem, wenn man dabei heranzieht, dass es genügend andere Politiker mit charismatischem Auftreten und Redetalent gibt, die in der öffentlichen Wahrnehmung überwiegend positiv rezipiert werden: Barack Obama, um mal nur einen zu nennen. Populismus und Charisma sind, genauer betrachtet, nur Wertungen, die zwangsläufig ideologisch eingefärbt sind, es gibt dafür keine objektiven Kriterien. Wenn Schmidts Kritik wenigstens etwas spezifischer gewesen wäre, etwa indem er gesagt hätte: „Ebenso wie Hitler benutzt Lafontaine das Mittel sozialer Spaltung, indem er ein Feindbild kreiert und der breiten Masse Dinge verspricht, die ohne Nachteile für die Gruppe, die das Feindbild repräsentiert, nicht durchführbar sind“ — dann hätte man darüber diskutieren, veri- oder falsifizieren, über das Geschmäckle, den so ein Vergleich hat, formidabel streiten können oder auch den Vergleich zu Politikern anderer Parteien anstellen können. So aber bleibt nur ein Vergleich ohne Grund und Grundlage und damit höchstens für viele der Eindruck, dass — wenn schon der Schmidt das irgendwie findet — Lafo ein ganz übler Bursche sein muss. Ich sehe da keine andere Intention, ärgere mich aber ehrlich gesagt auch gar nicht groß drüber. Für mich diskreditiert die Aussage sich selbst und ihren Urheber gleich mit, da muss ich gar nicht in die Luft gehen wie ein HB-Männchen. Aber ich befürchte, dass auf einen gewissen Teil der Bürger in diesem Land die kontinuierlich negative Presse (etwa bei Springer, aber eben auch in Spiegel und Zeit), welche an Lafontaine völlig andere Maßstäbe ansetzt als an andere Politiker, einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Meinungsbildung hat.

    Du übersiehst allerdings mindestens 50% des Kritikgehalts in meinem Gehobel komplett. Nämlich dass Schmidt ausgerechnet der „Bild“ ein Interview gibt. Da frage ich mich doch: Hat dieser Mann keine Würde? „Bild“ ist nicht diskutabel, es gibt keinen Grund, mit denen zu reden, vor allem nicht für jemanden der sich als Denker versteht. Nein, nicht einmal Provokation.

  6. Charisma und Redetalent sind letztlich nur Sekundärtugenden. Mit denen könnte man auch ein Kabarett betreiben (frei nach Lafontaine).

  7. Zitat von SebastianCharisma und Redetalent sind letztlich nur Sekundärtugenden. Mit denen könnte man auch ein Kabarett betreiben (frei nach Lafontaine).

    Schön gesagt 🙂
    Und vielleicht damit auch einen Grund für Schmidts Ausfall in der BamS gefunden. Rache für dieses Sekundärtugenden-mit-denen-man-ein-KZ-betreiben-könnte-Zitat von Lafontaine.

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