Allein das Wort schon!

Blogging for DummiesIch blogge, du bloggst, er sie es bloggt. Der Spiegel bringt in seiner neuesten Ausgabe (Seiten 94 und 96, kann man prima im Laden lesen) ein Feature über deutsche Blogger, mutmaßlich für die mit dem Thema weniger vertrauten Leser. Ich freue mich für den Spiegelfechter und die NachDenkSeiten über sicherlich einige tausend Besucher mehr in dieser Woche, finde den Artikel selbst aber fad. Diese mit einer Prise Häme gewürzte ewige Vergleicherei mit den ach so influentiellen US-Blogs sowie der arrogante Grundton, mit dem da mit der Nennung von Jens‘ beruflicher Haupttätigkeit und Wolfgang Liebs in der Tat etwas unglücklichen Nazivergleich versucht wird, deren zum Teil hervorragende Arbeit zu diskreditieren (bei der nebenbei auch schon dem Hamburger Nachrichtenmagazin einige Lapsi nachgewiesen wurden) — ach, das geht mir auf die Nerven. Liebe deutsche Blogger, könntet ihr mir nur dieses eine Mal den Gefallen tun und aus der dort zu Recht kritisierten Spirale der Selbstreferentialität ausbrechen? Aber ich fürchte ja, da wird wieder „unser“ merkwürdiges kollektives Ehrgefühl getriggert und allerorten die wegen ihrer Verstaubtheit heftigst Husten anreizende „Blogs vs. Journalismus“-Diskussion aus der Mottenkiste gekramt. Seufz. (Na gut, ich habe ja mit diesem kleinen Post im Prinzip auch schon mitgemacht…)

Ein bestimmtes Blog wird im Spiegel-Artikel übrigens „Schlamm“ genannt. Eine braune, zähflüssige und übelriechende Brühe also, die manchmal Blasen wirft — das kommt schon hin für PI. [via]

Bild: Somewhat Frank (cc)

18 Kommentare

  1. Sicher nervt der ewige Vergleich mit den US-Bloggern, allerdings würde ich es den Beta-Journalisten (wie sie der Spiegelfechter bezeichnet hat), schon gerne mal zeigen.

    Eine Seite wie Scoop (http://www.scoop08.com/) könnte im Bundestagswahlkampf die deutsche Presselandschaft sicher durcheinander wirbeln.

    Studentische Blogger dürfte es ja genug geben..

  2. Pingback: Der Spiegelfechter

  3. Blogger, Journalisten, journalistische Blogger und bloggende Journalisten und dann noch Leute, die einfach so ins Internet schreiben und meinen, sich verteidigen zu müssen, weil sie oben genanntes eben nicht sind und auch nicht sein wollen etc.* Wenn’s nicht auch schon so durch wär, würde ich gern winken und sagen: Huhu, ich mag Katzen und ich könnte euch einen halbseitigen Artikel über Stoffflusen schreiben, die auf meinem Teppich wilde Wolllandschaften bilden! (Triple F & Triple L im letzten Satz. Yeah!)
    Liebe Disputanten, werdet doch Rapper, dann hat die Diskussion wenigstens noch ein bisschen Unterhaltungswert.

    *…dann noch die Leute, die das wider besseren Wissens und Gewissens auch noch kommentieren müssen. Ich.

  4. Pingback: Weltblick » Die Beta-Blogger

  5. Lapsi ist wohl selbst ein Lapsus. Der Nominativ Plural von lapsus lautet im Lateinischen ebenfalls lapsus, allerdings mit langem U (u-Deklination wie status, casus oder usus).

  6. der text ist inzwischen auch online bei spon.

    ich finde den bericht übrigens ziemlich rüde und dass „don pseudo“ so oft zitiert wird rückt den betreffenden autoren in kein gutes licht.

    naja, lassen wir sie labern, das mit dem geringen einfluss stimmt leider.

    tolles land hier! echt mega…

    egal ob blogger oder nicht, mit schreiben geld zu verdienen wird hier „den anderen“ vorenthalten bleiben. schade und das wars dann.

    mfg

  7. @ ZAF:

    Danke ZAF, ich lass das aber mal drin. Als Zugeständnis an meine eigene selbsreferentiell verbrämte Bloggerunperfektion.

  8. Wenn ich so nachdenke, dann stimmt es leider, daß viele Blogs sich nicht um „echte“ Themen drehen..
    Analysen und Recherche kosten nunmal so einiges an Zeit, nicht umsonst ist Journalist ein Vollzeitjob. Und selbst das Lesen (der Komplexität eines „echten“ Themas angemessen) langer Texte in Blogs erfordert mehr Zeit als man eigentlich aufbringen möchte. Eine flotte Polemik schreibt sich schneller und hat kurzfristig vermutlich auch die höhteren Einschaltquoten. Aber irgendwas fehlt da schon.

    Wenn Blogs anderswo so große Verbreitung finden, weil die Presse da so schlecht ist – hieße das dann, daß wir hier eine vergleichsweise gute Presse haben? Die Schlußfolgerung will mir noch nicht in den Kopf.

  9. @ Brodaganda

    nein, wir haben nur nicht genug Zeit in so großem Umfang wie nötig „Content zu produzieren“ und es gibt niemanden, der wie in den USA Geld ins Bloggen schießt.

  10. Statt Euch hier ins Hemd zu machen, solltet Ihr lieber mal den Wünschen des Spiegel-Autors nachkommen und mal wichtiges bloggen ODER Euch um Euch selber drehen. Aber Eigenrotation und wichtig, das geht nunmal nicht. Und da hat der Spiegel völlig recht!

  11. Pingback: mein-parteibuch.com

  12. @ CRen:

    Nun, ich definiere Relevanz eher von einem persönlichen Standpunkt und schreibe, worüber ich Lust habe. Mehr nehme ich nicht für mich in Anspruch. Schön ist es zu merken, dass mein Kram hin und wieder auch andere zu interessieren scheint. Insofern: Eigenrotation ja, aber alles andere wäre eines Weblogs auch nicht würdig.

  13. Pingback: “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” | Radio Utopie

  14. Da ist es wieder, dieses „Euch“ und „Ihr“, aaaargh! Schreibe 100 mal „Blogger sind keine homogene Masse, es gibt kein „Euch“ und „Ihr““!

  15. Ich korrigiere mich: es gibt offenbar doch Blogger, die über die „echte“ Themen bloggen. Zumindestens behaupten sie es. Erfreulich?

    Nein, nicht wirklich, denn sie tun es, um ihrer wahnsinnigen Ideologie zu „Macht und Einfluß“ zu verhelfen:

    „Wenn wir etwas bewirken wollen, sollten wir die Spiegel -These ernst nehmen. Sie ist falsch hergeleitet aber im Kern richtig. Wir schwimmen im eigenen Saft und kennen oft genug weder Freund noch Feind sondern nur lohnende Ziele. Wenn wir unseren Ideen zu politischem Einfluß verhelfen wollen, müssen wir mit den Freunden von der Achse, des A-Teams, den B.L.O.G.s, dem I.U.F., Zettel, Liza und vielen anderen darüber nachdenken, wie wir es schaffen, diejenigen zu erreichen, die jetzt noch glauben, was SPON geschrieben hat. Das Wahljahr 2009 schenkt uns eine Plattform, die wir nutzen können. Vielleicht mit einem Event, einer Medienkooperation, initialisierter ordentlicher Berichterstattung (vielleicht sogar in Form einer Wiedergutmachung bei SPON), einer Konferenz, einem Seminar, jedenfalls Öffentlichkeit über die eingefahrenen Kreise hinaus. Dann gewinnen unsere Ideen an Macht und wir an Einfluß.“

    http://blog.fdog.org/2008/07/23/bilanz-eines-beta-blogwarts/

  16. „…Sie [die Blogger] haben keine Abonnenten und keine Anzeigekunden, sie müssen auf niemanden falsche Rücksicht nehmen und sie sind nicht gezwungen, irgendeinem Chefredakteur in den Arsch zu kriechen. Sie müssen ihre Artikel nicht vorzeigen und sie von 230 auf 55 Zeilen kürzen. Sie können ohne Weiteres einen Rechtschreib- und Grammatikfehler nach dem anderen bauen und Sätze mit soviel Wörtern und Satzverschachtelungen entwickeln, dass dem Leser schwindelig wird. Euer Artikel „Die Beta-Blogger“ hört sich an, als hättet ihr endgültig die Schnauze voll davon, solche Freiheiten nicht zu haben. Die Beta-Blogger können Euren Frust nachvollziehen. Schließlich müsst ihr ja weiter machen, ob ihr wollt oder nicht, denn Ihr verdient Euer Geld mit Euerem doofen Gesülze.“ (www.wirklichgutes.de)

  17. Pingback: blog.politik.de » Blog Archive » Blogschau - Die Woche im Rückblick VI

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