Autonome!


Foto: Bresel (raubkopiert)

Ach Herrschaften, was soll denn das? Die Ziele, schön und gut – aber die gewählten Mittel müssen doch stimmen. Seid ihr sicher, euch über den Effekt eures Handelns im klaren zu sein? Glaubt ihr, Autos anzuzünden und Projektile zu werfen hätte irgendeinen anderen Effekt als den pyromanischen, den der Selbstpositionierung? Nun… ja. 1000 Gewaltbereite sind für Spiegel Online genug Stoff für das Quantum reißerischen Anti-Anti-Protest-Agitprop, um die inhaltlichen Positionen der restlichen 96% Demonstranten zu überdecken. Da wird dann auch mal noch schlechter übersetzt als der olle Babelfish, um die Aussage „Es herrscht Chaos“ zu unterstreichen und so ähnlich wird die BamS morgen sicher auch titeln. Aber nur weil die blöd sind, heißt das nicht, das ihr’s nicht auch seid. Anstatt die Wirtschaftswürstchen und Phrasenschalmeien vom weltpolitischen Theater mit symbolischen Akten der Lächerlichkeit preiszugeben (die einzige Art, wie Demonstrationen heute überhaupt noch wirken können), bestätigt ihr sie mit euren eventtouristischen Wurfwettbewerben in der nach außen getragenen Auffassung, der Pöbel sei wild, dumm, gefährlich – also seiner Rechte zu entledigen. Der Gewinner wird nun leider nicht der sein, der verliert. Das seid ihr zwangsläufig, wenn ihr euch solcher Mittel bedient und ich glaube ihr gefallt euch mitunter ganz gut in der Rolle der Unterdrückten. Nein, Gewinner wird sein, der nach dem Gipfel in der Wahrnehmung der Masse das Opfer ist. Es geht um weit mehr als den Opferstatus, den ihr euch zwanghaft erhalten wollt.

Die…
oder die…

Es kommt auf’s gleiche raus. Keine Inhalte.

17 Kommentare

  1. Leider ist es ein hoffnungsloses Unterfangen, an die Vernunft der militanten Autonomen zu appellieren – ich kenne das schon seit den alten Studipolitikzeiten. Sie sind an Politik ungefähr so sehr interessiert, wie Hooligans am Fußball – beides ist für diese Spinner nur Mittel zu Zweck um Krawalle und Straßenschlachten abhalten zu können.

    Es ist wohl doch an der Zeit, daß sich die globalisierungskritische Bewegung deutlich von den Arschlöchern distanziert, die nicht die Sache der ernsthaften Demonstranten auf ihren Fahnen haben sondern nur Chaos, Gewalt und Zerstörung; wobei sie uach noch Spaß empfinden.

  2. Bei dem ersten Video habe ich beinahe ernsthaft gehofft, dass die Polizisten endlich schießen oder doch zumindest einem von diesen Idioten kräftig über den Fuß fahren.

    Und dann kann ich dem Spiegelfechter nur zustimmen, warum können die Organisatoren (natürlich die ganze Bewegung, aber zumindest bei denen muss es doch möglich sein!) sich nicht deutlich distanzieren? Da gibt’s dann tatsächlich noch Stimmen, die behaupten, einige Polizisten hätten provoziert. Dass das absolut lächerlich ist, muss denen doch klar sein! Und glauben tut es ihnen niemand…
    Außerdem denke ich mal, dass unter den über 500 Verletzten nicht nur Autonome sind, sondern auch friedliche Demonstranten, die unter deren Spaß an der Gewalt leiden mussten. Allein diese sollten schon genug Antrieb für die Organisatoren sei, nicht noch lächerliche Aureden zu suchen, sondern Klartext zu sprechen.

  3. Der Gewinner wird nun leider nicht der sein, der verliert. Das seid ihr zwangsläufig, wenn ihr euch solcher Mittel bedient und ich glaube ihr gefallt euch mitunter ganz gut in der Rolle der Unterdrückten. Nein, Gewinner wird sein, der nach dem Gipfel in der Wahrnehmung der Masse das Opfer ist. Es geht um weit mehr als den Opferstatus, den ihr euch zwanghaft erhalten wollt.

    was gibt es denn nach der Logik zu gewinnen? Lob von Schäuble? Einen wohlwollenden Artikel bei SpOn?

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  5. Die Mittel entheiligen den Zweck, sagte Kästner. Wozu weiß ich nicht mehr. Aber es passt überall da, wo Gewalt als Mittel für moralische Ziele oder überhaupt Gewalt eingesetzt wird.

    @Corto: Nein, aber man spielt genau diesen Leuten in die Hände indem man die Menschen die friedlich protestieren aufgrund der ähnlichen Ziele kriminalisieren kann, indem man sie in einen Topf wirft.
    Und genau diese Gewalt wird dann zur Legitimation der Staatsgewalt, Auflagen und Gesetze durchzudrücken, wie wir es gerade erleben. Die Krawallmacher, die einen ernsthaften politischen Anspruch haben, sind sowas von kontraproduktiv.
    Das alles ist sowas von dumm, dass es echt weh tut, und jeder Stein der fliegt, wirft den ehrlichen Protest um Jahre zurück.

    Danke für den Artikel, maloXP, man liest von „beiden“ Seiten zuviel dummes unreflektiertes Zeug über die aktuellen Demonstrationen.

  6. ich schreib auch mal was hier bei dir, kann ja nich immer nur mitlesen. ich bin gerade aus rostock zurückgekommen und ich kann nur unterstreichen, das es durch diesen vorfall losging, worauf aber beide seiten gewartet hatten, und die größte sauerei war aber nicht nur das, da 400 und nicht 1.000 chaoten dawaren und das nicht nur schwarzer block war sondern auch holligans, wovon ich zweie durch andere umstände kenne und sie dort mit nem tross anderer gesehen hatte, nein die größten sauereien kamen wie vorhergesehen von der staatsgewalt. da wurden die chaoten in die abschlusskundgebung immer wieder reingetrieben, da sind leute die überhaupt nichts mit dieser sinnlosen gewalt zu tun hatten einfach mal übern haufen gerannt worden, unter anderem nen rollstuhlfahrer, der ja nun wirklich nicht gewalttätig werden könnte. da kreiste der (die, abwechselnd) polizeihubschrauber 2 stunden überm abschlusskonzert so das man selbst direkt vor den boxen nichts verstand, da wurde ein riesen kessel gebildet und so weiter. und immer wieder sind hundertschaften ohne ersehbaren grund einfach so in die menschenmenge gerannt. das dann steine und flaschen flogen, ick sags mal so, kein wunder.

    und glaubt nicht den teilnehmerangaben der polizei und dem hubschrauberbild der bildzeitung, der platz war nach ner kurzen zeit ziemlich voll, nachdem auch der zweite demoteil angekommen war.

    aber war ja alles vorhersehbar, denn irgendwie muss ja son riesen einsatz gerechtfertigt werden, und da bietet sich halt jeder grund.

    ich werde morgen oder so mal meine nähere sicht mit bildern und videos in meinen blog tun.

  7. Pingback: Nerdcore — links for 2007-06-03

  8. @ nerone: Falls Du hier nichts Substanzielles beizutragen hast oder zumindest deine Kritik an dem Gesagten etwas gewählter zu formulieren imstande bist, möchte ich Dich bitten, von weiteren Kommentaren anzusehen. Ich neige in diesem Fall dazu, einem Bericht von jemandem, der anwesend war durchaus einen größeren Kern von Wahrheit einzuräumen als, zum Beispiel, einem Spiegel Online-Artikel. Aber „die“ Wahrheit gibt es sowieso nicht. –maloXP

  9. @ corto: Da möchte ich markus recht geben. Die Frage ist doch auch, wenn eh nix was bringt (und ich neige zu der Meinung), warum muss man dann Gewalt anwenden? Weil die Bundesliga-Saison zu Ende ist und man einen neuen Anlass braucht?

    Schäuble und Spon wird man mit friedlichem Protest in der Tat nicht überzeugen können. Aber man muss ihnen ja auch nicht in die Hand spielen. Wer weiß, vielleicht erreicht der Protest ja den einen oder anderen gemäßigten, reflektierten Bürger, der sich vorher noch nicht mit Globalisierungskritik beschäftigt hat? Es geht beim Gipfel nicht um Politik, das Klima oder die Wirtschaft. Die Abschlusserklärung ist längst verfasst. Es geht um Meinungshoheiten, nix anderes.

  10. Entschuldigung maloXP,

    ich habe in meinem zugegeben sehr banalen kommentar nichts substantielles zum Tema beigetragen. Ich bin ein wenig sauer.

    Und richtig, diesmal war ich nicht dabei. Allein mir fehlt der Glaube, dass die die es angeht provoziert wurden. Wodurch? Durch die grünen Klamotten der Polizei? Durch das Polizeiauto? Und dann geht mir dieses Opfergejammer auf die Nerven. Provo und dann nicht für das eigene Handeln einstehen? Ich stimme im übrigen nicht mit dir überein, dass die Leute die dort waren einen klareren Blick auf das geschehen insgesamt haben konnten und somit der Wahrheit oder der Wirklichkeit näher sind als mediale Übertragungen. Bei den Friedensdemos zu Zeiten von Busch I gingen diese schwarz vermummten Minderjährigen auch en bloc und skandierten Hasstiraden auf die Polizisten. Ich fühlte mich als Demonstrant missbraucht. Seither verachte ich sogenannte Autonome, die Kriegspiele austragen wollen und die Regeln bestimmen. Die Kids sind für die Zeit ihrer Verblendung perdue und sie genießen bei mir nicht mehr Ansahen als Hooligans, Skinheads, etc. Irgendwer hat gesagt er wolle lieber nicht wissen von wem die Kinder geschlagen wurden, die sich heute in diesen Schlachten Luft machten. Glaubt irgendjemand an eine polizeifreie Alternative? Wäre es deeskalierend, wenn die friedfertig vermummten ohne Eskorte durch die Strassen zögen, Läden plünderten, Autos in Brand steckten, etc. Die Rechtferigungsarien halte ich für Kinderkram. Und die größte Scheiße, ist dass die schwarzgewandeten Kids jetzt ihren Sieg feiern. Soundsoviel Minuten im Fernsehen – wir sind Helden. Und die Themen?`Klimawandel? Frieden? Brot für die Welt? Brauchen die solche Anwälte? Wer glaubt die Autonomen hätten keine Strategie zur Verfügung für ihre Angriffe, muss recht naiv auf solchen Demonstrationen daherwandern. Bei meiner letzten haben die erst ein wenig in der Mitte gewandert und sind dann diffus aber zielstrebig voranmarschiert. Gewaltbereit, beleidigend, undemokratisch. Wenn es brenzlig wird verschanzt man sich im friedfertigen Getümmel. Das ist Missbrauch!

    Wer friedlich Demonstrieren will kann das nicht mit einem schwarzen Block in seiner Mitte tun. Die Distanzierung muss deutlich sein. Wer die Gewalt der Autonomen billigt billigt undemokratische Mittel. Allein, dass das Anliegen der Mehrheit der Demonstranten in dem Mediengetummel untergeht ist ein deutliches Signal vom Demokratieverständnis der wenigen Randalierer. Ich hoffe nur die Verantwortlichen der G8-Gegner werden entsprechend kritisch mit ihrer Organisationsstruktur umgehen, wie jetzt der Polizeieinsatz von allen Seiten beleuchtet wird.

  11. Hier stimme ich dir wieder zu, nerone. Gerade die Instrumenatalisierung der friedlichen Demonstranten ist das eigentlich schändliche – ebenso die Medien, die das Spiel mitspielen. Aber ich denke eben auch, dass es nicht ausgeschlossen ist, wenn Polizisten bei einer solchen Gelegenheit mal „die Sau rauslassen“. Es gibt solche und solche, auf allen Seiten. Die umfassende Eskalationsstrategie hat, eine Ebene höher, zudem anscheinend versagt. Warum lernt man nicht aus vorabgegangenen Desastern, etwa beim ersten Mai in Berlin?

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  14. Wenn Ihr es so schade findet, dass die Randale das bunte kreative protestieren der friedlichen Masse überspielt, warum schreibt IHR dann nicht wenigstens darüber, anstatt Euch wie Focus, BILD, Spon und alle anderen auch nur über die Randalierer auszulassen?

  15. Ich schreibe seit zwei Tagen an einem grundsätzlichen, etwas längeren Text über Globalisierung. Problem ist, dass ich gerade wenig Zeit habe. Aber Du hast natürlich recht, pantoffelpunk, oder um’s mit Knarf Rellöm zu sagen: Ihr seid immer nur dagegen, macht doch mal bessere Vorschläge!

    //edit: Gut und konstruktiv fand ich z.B. den kleinen Einschub bei Sebastian sowie die kleine Medienumschau im Oeffinger Freidenker.

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