Blick ins braune Loch

redok.de hat ein höchst interessantes Taktikpapier der NPD aufgetan und veröffentlicht (HTML|PDF). Darin werden Argumentationshilfen für Mitglieder und Symphatisanten geliefert, die sich mit unangenehmen Nachfragen konfrontiert sehen. Die Taktik ist in den meisten Fällen Verschleierung, nur selten tritt der rassistische, faschistische und antisemitische Charakter des in der Partei vorherrschenden Geistes offen zu Tage. Beispiele:

Zeimlich gruselig, aber man sollte mal einen Blick reinwerfen, um deren Argumentationslinien zu entlarven. Know your enemy.

18 Kommentare

  1. Tatsächlich, tiefbraune Angelegenheit. Danke fürs Präsentieren. Schon krass, wie auf den ersten Blick solche Formulierungen plausibel klingen , mann muss immer alles gelesen haben. In der Schweiz haben wir im Moment eine Tendenz der rechten Szene, sich möglichst anzupassen und nicht mehr mit Glatze und Stiefeln rumzuspazieren. Sie werden salonfähig, tragen Veston und Krawatte.

  2. Pingback: Nerdcore — links for 2007-05-23

  3. Stolpert die gemeine rechte Dumpfbacke nicht spätestens beim Wort „Erbanlagen“ und ist inhaltlich mit dem Pamphlet gnadenlos überfordert?

  4. Oberbitter. Verdammtes Pack. Gibt es eigentlich irgendwo Broschüren mit Argumentationsbrechern für diesen Mist? Wenn nicht, wollen wir eine anlegen?

  5. jetzt ist mir schlecht. habs gerade gelesen. keine lektüre für nüchternen magen….

  6. @ Martin: Eben nicht. Man sollte das Pack nicht unterschätzen. Der glatzköpfige Skinhead ist heutzutage die Ausnahme. Man beachte wie ehedem sozialkritisch-linke Positionen und Globalisierungskritik ins Programm genommen werden, wie Antifa-Codes (Kleidung, Musik etc) für die „Nachwuchsarbeit“ okkupiert werden, wie Solidarität mit den Palästinensern geheuchelt wird, weil sich so der eigene Antisemitismus besser verstecken lässt. Das ist natürlich Bauernfängerei, die Motive purer Opportunismus – aber taktisch dumm ist das in keinem Fall.

    @ Faustus: „Streiten mit Neonazis“ (PDF-Format)

    @ all: An dieser Stelle möchte ich nochmal auf die Doku „Wahrheit macht frei“ verweisen. Anhand dieser kann man sehr gut abstrahieren, welche zweifelhaften Fortschritte die Rechtsextremen gemacht haben. Damals der offene, von der Gesellschaft und der zu wenig sanktionierte Fremdenhass, heute die perfiden Taktiken, Meinungen getarnt unters Volk zu bringen. Man könnte sagen, die Faschos haben Guerilla-Marketing wirklich gut gelernt.

  7. maloXP: In einem Punkt möchte ich widersprechen. Das Gerede der Rechten gegen Globalisierung ist kein reiner Opportunismus, das steht in der Tradition des Nazi-Mythos von der „jüdischen Weltverschwörung“. Also so wie die NPD das vertritt eine originär braune Position.

  8. Nun, die Nazis wurmte der im ersten Weltkrieg knapp verpasste „Platz an der Sonne“, der sie zu Nutzniessern der Globalisierung gemacht hätte. Das macht sie aber nicht zu Globalisierungsgegnern. Mag sein, dass sie nicht unbedingt vorhatten, andere Gegenden auszubeuten – das hätte kaum in die eigene Zielsetzung von ökonomischer Autarkie gepasst – stattdessen wollte Hitler gleich alles in großdeutsche Reich „eingemeinden“. Wäre aber auf’s gleiche rausgekommen. Dazu möchte ich auch betonen, dass Hitler – für einen Globalisierungsgegner – erstaunlich weitreichend Geschäfte mit Wirtschaftsunternehmen aus den USA (trotz offiziell gegensätzlicher Linie) gemacht hat: Ob’s nun Ford mit Autos und Panzern war, IBM, die die bürokratische Logistik für die KZs lieferte, oder Coca Cola, die eigens für den nationalsozialistischen Markt eine Brause mit dem wohlklingenden Namen Fanta erfand.

    Ich wäre sehr vorsichtig, die Rechten und Attac in eine Ecke zu stellen. Fand ich auch damals vom Spreeblick-Malte unschön.

  9. „Ich wäre sehr vorsichtig, die Rechten und Attac in eine Ecke zu stellen.“

    Die Frage ist, ob sie das nicht zum Teil selber tun. Malte schreibt viel und langt auch mal kräftig daneben, meiner Meinung nach. Aber ganz unrecht hat er in diesem Fall wohl nicht.

    Die KPD und die NSDAP der Weimarer Zeit waren sich auch einig darin, die Republik zu bekämpfen. Das macht sie natürlich nicht zu inhaltlich einander nahestehenden politischen Strömungen.

    Dennoch: Es gibt Ähnlichkeiten. Sowohl Kommunismus als auch Faschismus richten sich gegen die Marktwirtschaft und ersetzen sie durch Elemente staatlicher Planwirtschaft.

    Beim Faschismus trifft man immer auf einen stark ausgeprägten Nationalismus, bei kommunistischen Gruppen und Regierungen sehr häufig.

    Beide Ideologien sind weitgehend inkompatibel mit demokratischen Gesellschaften.

    Und schließlich ähneln sich in der Geschichte beide Programme in den katastrophalen Folgen für die Menschen, die unter ihnen zu leiden hatten und haben.

  10. Die Frage ist, ob sie das nicht zum Teil selber tun. Malte schreibt viel und langt auch mal kräftig daneben, meiner Meinung nach. Aber ganz unrecht hat er in diesem Fall wohl nicht.

    Mit Verlaub, bei dir piept’s wohl. Hast Du überhaupt den Funken einer Ahnung, was Attac macht? Mal kurz zur Information: Während die Nazen für das 1000jährige Reich und die Höherwertigkeit der deutschen Rasse stehen, kämpft Attac für Arbeitnehmerrechte, gegen die Verschmutzung von Flüssen durch Industrieabfälle und gegen Kinderarbeit in südostasiatischen Sweatshops. Wenn das für dich identisch ist, weil irgendein Spakko das FAZ-Wirtschaftsteil-kompatibel beides unter Globalisierungskritik kategorisiert, spricht das nicht gerade für deine Auffassungsgabe. Und Attac hat in der Tat nichts mit Kommunismus zu tun.

    Die KPD und die NSDAP der Weimarer Zeit waren sich auch einig darin, die Republik zu bekämpfen. Das macht sie natürlich nicht zu inhaltlich einander nahestehenden politischen Strömungen.

    Der letzte Satz stimmt. Was soll dann dieser unsinnige Vergleich?

    Dennoch: Es gibt Ähnlichkeiten. Sowohl Kommunismus als auch Faschismus richten sich gegen die Marktwirtschaft und ersetzen sie durch Elemente staatlicher Planwirtschaft.

    WIE KÖNNEN SIE NUR!!!1elf Unsere schöne freiheitlich-demokratische Marktwirtschaft! In der immer die Sonne scheint, es keine Ausbeutung, Korruption und Wirtschaftskriege, keine Hedgefonds, Patente auf Lebewesen und keine lokale Wirtschaft zerstörenden Freihandelszonen gibt. Weißt Du Niels, Ähnlichkeiten gibt es auch zwischen Scheiße und Schokolade… Im übrigen schließen sich Faschismus und Kapitalismus nicht im geringsten aus.

    Beim Faschismus trifft man immer auf einen stark ausgeprägten Nationalismus, bei kommunistischen Gruppen und Regierungen sehr häufig.

    Ich kann dir auf Anhieb fünf marktwirtschaftlich orientierte Staaten nennen, in denen der Nation qua Mehrheitsmeinung ein besonderer identifikatorischer Status zugebilligt wird. Okay, teilweise heißt das dann Patriotismus – gleich krank ist das überall. Wobei es hier und da verständlicher ist, da der Nationalismus an manchem Ort eine postkoloniale Emanzipationsbewegung ist.

    Beide Ideologien sind weitgehend inkompatibel mit demokratischen Gesellschaften.

    Und schließlich ähneln sich in der Geschichte beide Programme in den katastrophalen Folgen für die Menschen, die unter ihnen zu leiden hatten und haben.

    Das klingt mir nach allzu seichter Hollywood-Propaganda. Hier mal eine bittere Wahrheit, mein Bester: Nur weil DU auf deinem Westeuropäer-Arsch sitzt und deine Weisheit in Form von arroganten, oberflächlichen Allgemeinplätzen von all dem, was dir ideologisch nicht ganz in den Kram passt, in die Welt posaunst, heißt das nicht, dass anderswo in der Welt und auch schon zwei Straßen weiter nicht Menschen unter den Folgen des real existierenden Kapitalismus leiden. Oder dass Lobbyisten Politiker schmieren, was dann auch nicht mehr allzu viel mit Demokratie zu tun hat. Wisse zwischen Staatssystem, Wirtschaftsordnung und Ideologie zu unterscheiden. Zwei konkrete Tips noch: Chomsky und The Corporation, vielleicht verstehen wir uns dann besser.

  11. bei dir piept’s wohl.

    spricht das nicht gerade für deine Auffassungsgabe

    DU auf deinem Westeuropäer-Arsch sitzt und deine Weisheit in Form von arroganten, oberflächlichen Allgemeinplätzen von all dem, was dir ideologisch nicht ganz in den Kram passt, in die Welt posaunst

    Sorry, das wird mir hier zu blöd. Ich habe nix gegen pointierte Auseinandersetzungen, aber nach Absonderung solcher Tiraden vergeht mir die Lust auf Diskussionen.

  12. Für die Zuschauer: Meine etwas fuchsige Reaktion auf niels‘ Äußerungen hängt auch mit dieser Diskussion zusammen.

    Ich fühle mich durchaus auch selbst angegriffen, wenn Organisationen, mit denen ich mich identifiziere oder zumindest symphatisiere, in die Naziecke gerückt werden. Dazu möchte ich betonen, dass ich es mehrmals „im Guten“ durch Gegenargumentationen zu den von Niels geäußerten Allgemeinplätzen versucht habe – woraufhin immer nur weitere Allgemeinplätze kamen. Wenn Leute meinen, steif und fest eine Meinung zu vertreten über Dinge, von denen sie ganz offensichtlich keine Ahnung haben, ficht mich das derart an, dass ich auch mal latent aggressiv werde. Live with it.

  13. „Für die Zuschauer: Meine etwas fuchsige Reaktion auf niels’ Äußerungen hängt auch mit dieser Diskussion zusammen.“

    Ich seh da nicht so recht einen Zusammenhang.

    „Ich fühle mich durchaus auch selbst angegriffen, wenn Organisationen, mit denen ich mich identifiziere oder zumindest symphatisiere, in die Naziecke gerückt werden. „

    Ich hatte nie die Absicht, PDS oder attac in die Naziecke zu stellen. Wenn dieser Eindruck entstanden sein sollte, tut mir das leid.

    „von denen sie ganz offensichtlich keine Ahnung haben“

    s/keine Ahnung/eine andere Meinung.

    „Live with it.“

    Sowieso.

  14. Hm, okay, ich habe mich jetzt ein bisschen beruhigt und möchte mich an dieser Stelle ehrlich entschuldigen, Niels. Diese Art zu diskutieren entspricht nicht gerade dem Ideal des Diskurses, das ich sonst vertrete. Vielleicht können wir uns darauf einigen, es auf die Hitze des Tages zu schieben?
    Ich sehe allerdings durchaus Parallelen in den von dir drüben und hier geäußerten Dingen. Wenn Du drüben die Linkspartei als implizit stalinistisch oder revisionistisch charakterisierst, dann ist das in meinen Augen ein ganz schön dicker Hund, vergleichbar mit dem hier geäußerten Vorwurf, attac habe eine ideologische Nähe zu Naziparteien oder zum Faschismus. So etwas regt mich einfach auf und das ist es, was ich sagen wollte.

  15. „Diese Art zu diskutieren entspricht nicht gerade dem Ideal des Diskurses, das ich sonst vertrete. Vielleicht können wir uns darauf einigen, es auf die Hitze des Tages zu schieben?“

    Gerne.

    „Wenn Du drüben die Linkspartei als implizit stalinistisch oder revisionistisch charakterisierst,“

    Teile der Linkspartei (wohl vor allem die Kommunistische Plattform um Frau Wagenknecht) haben tatsächlich offenbar nicht die nötige Distanz zum Stalinismus, wenn sie einen derart schiefen Blick auf die GEschichte haben.

    Daß die Partei insgesamt stalinistisch sei, ist aber natürlich eine eher absurde Vorstellung.

    „attac habe eine ideologische Nähe zu Naziparteien oder zum Faschismus.“

    Da hätte ich differenzierter formulieren sollen. Ich wollte eigentlich nur dem Eindruck entgegentreten, das Anti-Globalisierungsgequatsche der NPD sei aus bloßen Opportunismus heraus geboren. So wie die NPD Globalisierungskritik vertritt, ist das schon braune Soße im Original.

    Aber das heißt ja nicht im Umkehrschluss, daß jede Globalisierungskritik nationalistisch oder gar rechtsextremistisch ist.

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