Brick (Film)

Vor „Brick“, den ich mir kürzlich auf DVD ansah, muss ich ja auch nochmal warnen.

Die Storyline, eine Detektivgeschichte mit Drogenhandel, einem entführten Mädchen und einer Art Schulhofmafia, ist äußerst verworren. Was ja an sich nichts Schlechtes sein muss, schließlich gibt es genug Filme, die daraus eine Kür machen und auf die Art den anspruchsvollen Zuschauer zum zwei- oder dreimaligen Schauen einladen*. Nur ist meine Belastungsgrenze jene, wo aus Verworrenheit Verschwurbeltheit wird; dieser Film übertritt sie ohne Reue.

Die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller sind unterdurchschnittlich. Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt spielt in der Serie „Hinterm Mond gleich links“ einen alten Mann im Körper eines Jungen, blasiert, trotzdem nahbar und lustig. Sagen wir so, die Rolle des mannhaften, aber intransparenten Ubercoolen steht ihm weniger gut. Emilie de Ravin spielt nicht lang genug mit dass man überhaupt großartig Notiz von ihr nehmen könnte. In den wenigen Szenen, in denen man sie sieht, bleibt sie – wörtlich und übertragen – blass. Sie sollte sich besser noch ein, zwei Ladungen Sonne auf der Lost-Insel gönnen als in Werken wie diesem mitzuspielen. Drogenboss Pin wirkt wie eine Karikatur. Sein Herrschaftsanspruch auf der einen Seite und Klumpfussschuhwerk, Gehstock, Milchbubigesicht sowie Mutti, die reinkommt und Saft bringt sollen wohl charakterliche Ambivalenz symbolisieren – wirken aber nur lächerlich.


(Und in der Vorschau sah’s noch so gut aus. YouTube-Direkt)

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Ich weiß nicht, ob es moralisch vertretbar ist, sich ein Urteil über Schauspieler zu machen, wenn man nur die synchronisierte Fassung eines Films gesehen hat. Eine gute Synchro kann eine schlechte Darstellerleistung retten, andersrum kann ein eilig, billig oder mit falschen Stimmen synchronisierter Film genauso nachhaltig irritierende oder verhunzende Wirkung haben. Gerade Charaktere, die cool wirken sollen, sind stärker abhängig vom Klang des Gesagten, als man so denken mag. Siehe z.B. Morpheus in Matrix. Das Testergebnis ist also häufig verfälscht.
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Streitbare Akteure sind das eine, eine Dramaturgie, aus der dermaßen ätzend die künstlerische Affektiertheit herausquillt wie hier, das andere. Da muss jede Kameraposition komponiert sein, jeder Filter gut durchdacht und für den avisierten Gesamteindruck „Das hier ist Kunst, friss das oder stirb!“ wird mit der Sterilität einer weißen Badfußbodenkachel paktiert. Die Dialoge präsentieren sich diesem Gusto gemäß pragmatisch und schnell; die verwendete Sprache suggeriert: hier ist jeder abgeklärt und Herr der Lage, selbst wenn ebenjene hoffnungslos ist. Sicher, es fließt auch mal Blut, nicht wenig sogar – bloß ist das keines aus Fight Club, sondern solches aus Dawson’s Creek. Hier liegt auch das zentrale Problem von Brick. Er mag ein ambitioniertes Zitat des Film Noir sein, mit Symbolen, Style und Düsternis gespickt, aber man sieht ihm leider in jeder Szene an, dass er organisiert, budgetiert, konstruiert ist. Er lädt den Zuschauer mit geradezu aufdringlichen Bildern zur Interpretation ein, es macht ihm aber irgendwie auch nichts aus, wenn man es sein lässt. So kann ich mich in einen Film leider nicht hineinversetzen, das hat keine Relevanz für mich.

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Der Soundtrack ist toll. Für Menschen, die den Unterschied zwischen Free- und Cool-Jazz kennen. Also nicht für mich.

Die vielen wohlwollenden Rezensionen kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht ist der Film ja auch einfach „nur“ unerheblich, aber meine Ansprüche an ihn waren hoch genug, dass ich jetzt im Nachhinein aufrichtig enttäuscht bin. Ich will keine Filme die „irgendwie anders“ sind, ich will Filme, die gut sind.

 


* Der letzte wirklich empfehlenswerte Film dieser Gattung war in meinen Augen das koreanische Werk „A Tale of two Sisters“; Auch „Stay“ mit Obi-W Ewan McGregor fand ich Lynchig-gut.

1 Kommentar

  1. Ich hab deine Seite gefunden, weil ich meinen MySpace mit Fotos von „Brick“ dekorieren will.
    Ich hab vor einem Jahr oder so „Brick“ als US-DVD gekauft, ihn also auf englisch gesehen. Ich fand ihn klasse! Der Film funktioniert auf zwei Ebenen – als klassischer Krimi, aber auch als eine verschrobene Persiflage auf moderne Highschoolfilme und die klassischen Film Noirs, also „Malteser Falke“ oder „Tote schlafen fest“, weil: der Film nimmt einen Plot aus diesen klassischen Filmen, spielt aber in der Gegenwart. Highschoolkids sprechen Dialoge aus den Filmen der 50er, total hochgeschraubt und künstlich! Dialoge, die man lieber liest als hört, wenn Ihr versteht was ich meine.
    Allein die Figur des Kingpin ist schon das Geld wert, und tröstet über ein paar Ungereimtheiten hinwegt. Und die Verfolgungsjagd über den Schulhof – genial genial. Der einzige Moment, wo die Künstlichkeit des Ganzen durchbrochen wird, als sich der Protagonist und der Kingpin treffen und seine Mutter kommt rein und schenkt Apfelsaft aus, also wirklich – ganz großes Kino!
    Aber es ist natürlich alles Geschmackssache. Ich hab den Film zwei Leuten weiterempfohlen, der eine war ganz meiner Meinung, der zweite war mehr deiner Meinung. Die deutsche Version hab ich mich noch nicht getraut auszuleihen 🙂
    „Brick“ hat auf dem Sundance-Festival den Preis für „Originality of Vision“ gewonnen, und das trifft es genau. Allen Raymond Chandler-Fans kann dieser Film gar nicht genug ans Herz gelegt werden!

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