Broderivate

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(Bild: ikea.de)

Was habe ich mich seinerzeit darüber echauffiert, als bekanntgegeben wurde, dass Henryk M. Broder den Börne-Preis bekommt. Ein Preis, verliehen von Jury aus einem einzigen Menschen, nämlich dem Focus-Cheffaktenforderer, 20.000 € wert. Nachdem ich heute den guten Hintergrundartikel zu dieser Veranstaltung in der jungen Welt las und erfuhr, welche Seilschaften dort im Hintergrund agieren, welche Machtspielchen auf dem Rücken von Ludwig Börnes Namen ausgetragen werden, änderte ich meine Meinung jedoch. In diesen Morast gehört er meiner Meinung nach rein, der Herr Broder, der in seiner Dankesrede an Herrn Markwort ein Ende der Toleranz forderte und Hass auf Muslime meinte.

Neulich habe ich übrigens einen guten Film gesehen, der mich auch Herrn Broders Persönlichkeit ein bisschen besser nachvollziehen ließ (ohne, dass ich den Film komplett auf ihn beziehen würde). Es handelt sich um Hirschbiegels „Ein ganz gewöhnlicher Jude“, den psychologischen und persönlichen Monolog eines im Nachkriegsdeutschland geborenen Juden, eine Schilderung wie es denn so ist, mit all diesen Erwartungen aus Familie und Gesellschaft aufzuwachsen, mit der Verantwortung für eine Identität, für die er sich nie entschieden hatte, die er aber auch nicht ablegen kann, mit den mittelbar, aber überdeutlich merkbaren Nachwehen des Holocaust. Es ist nur folgerichtig, dass Henryk M. Broder diesen Film verabscheut, ihm genau das vorwirft, was der Hirschbiegel-Film kritisch bearbeitet: Klischees über Juden, verkrampfter Versöhnungskitsch[1] und Gutmenschentum Smug[2]. Dass da ein, aus verständlichen Gründen, verbitterter Mensch gezeigt wurde, mag für Herrn Broder vielleicht deswegen nicht sichtbar sein, weil sich der Protagonist des Films darin in einem noch nicht ganz so fortgeschrittenen Stadium befindet wie der Spiegel-Rezensent.

  1. Komisch: An anderem Orte äußert HB ein besonderes Faible für Kitsch. [zurück]
  2. Zum Begriff: Smug Alert! [zurück]

4 Kommentare

  1. Wer sich selbst im Spiegel sieht – erkennt sich nicht. Wenn man es ihm sagt, hört er es nicht. Wenn er es weiß, vergisst er es. Drei Affen, ein Broder – null Verständnis.

  2. Pingback: links for 2007-06-25 auf F!XMBR

  3. Hab mir „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ grad angeguckt. Danke für den Tip, war seit langem endlich mal wieder ein richtig toller Film. Von der Intensität her hat er mich an Das Fest erinnert, die Filme sind zwar thematisch völlig verschieden, aber diese unmittelbar erlebten Gefühle haben beide gemein.

  4. Dass Broder Kitsch bespricht, muss ja nun wirklich nichts heissen. Und auch der Reflex, kritikwürdige Positionen zum Anlass des eigenen Hasses auf Broder vorzuschieben, spricht nicht gerade für die Diskussionskultur hierzulande. Umso besser, dass Deine Kritik wohltuend sachlich ist, sozsuagen nicht auf Ebene der in manchen Zeitungen so hochgelobten Broderschen Scharfzüngigkeit. herabgelassen 😉

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