BVG-Ärger und WLAN

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In den letzten Wochen wird auf den Linien der Berliner Verkehrsbetriebe wieder häufiger kontrolliert. Neulich ging ich den Ballonjackenhäschern auch mal wieder in die Fänge. Gegenüber meiner guten und tatsächlich der Wahrheit entsprechenden Angabe, warum ich ohne Ticket fuhr (Lange Geschichte zusammengerafft: hatte mein übertragbares Monatsticket der Frau am Vortag übertragen, aber leider vergessen, es mir zurückzuholen) zeigte man sich unnachgiebig und gab mit illiterat-berlinernd zu verstehen, dass ich „denn beim nächstn Mal ehmd bessa dran denkn“ müsse. 40 Euro weg. Doof gelaufen, selber schuld, die machen ja auch nur ihren Job, wischte ich meinen Ärger fort.

Trotzdem bleibt Frustration und verstärkt damit bei mir ein Image der Berliner Verkehrsbetriebe mit ihrer irgendwie krummen Abkürzung BVG, das – unterstelle ich mal – viele haben. Die doofen Kontrolettigorillas passen gut zur bereits zum Klischeestatus geronnenen Unfreundlichkeit der Berliner Busfahrer, das trotz Kleinschreibung und Unterstrich doch reichlich muffige BVG-Magazin plus_, gestörte Berliner Fenster-Rieselwerbung dank Windows 2000-Fehlermeldungen, die übertriebene Kameraüberwachung und so allerlei anderen Nahverkehrs-Nervkram.

Ist man mal ehrlich, muss vieles davon aber irgendwo auch so sein, schließlich ist die BVG als Institution gefühlt zehnmal so alt wie das Brachiosaurus-Skelett im Naturkundemuseum. Als Berliner hat man sich mit ihr arrangiert, es gibt eben keine Alternative und auch wenn man gerne mal seinen Unmut kundtut, hat sie ja auch Vorteile, verglichen mit dem ÖPNV anderswo: Das engmaschige Stationsnetz, die oft hochfrequent fahrenden U-Bahnen und die Tatsache, dass man dann ja doch meist einen Sitzplatz findet. Trotzdem gibt es eine Sache, die ich dringend ändern würde, wäre ich ein Entscheider bei der BVG.

Fährt man U-Bahn, sieht man heutzutage überall Menschen mit Smartphones, gelegentlich auch Tablets und Laptops. Sie sitzen und warten. Sie warten auf ihre Station und sie warten darauf, dass ihr Gerät etwas macht. Denn in der U-Bahn ist „Edgeland“. Ich bin einer dieser Wartenden.

Wären die U-Bahnen mit einem öffentlichen WLAN-Internet ausgestattet, könnte man endlich auch unterwegs in menschenwürdiger Geschwindigkeit im Internet surfen, sei es beruflich oder zum Zweck der Zerstreuung.

Nein, ich habe keine Ahnung, was es kostet, ein ganzes U-Bahn-Streckennetz mit WLAN-Internet auszustatten; vermutlich ziemlich viel. Ich bin mir aber auch sicher, dass man es flott wieder drin hätte: Tagespass drei Euro, eine Woche Surfen für 10, ein Monat für 20 Euro – mit Rabatt für Monatskartenabo-Besitzer.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass zehn- oder gar hunderttausende Menschen tagtäglich dieses Angebot nutzen würden. Warum? Aus Langeweile! Die ist immer noch eine der größten Triebfedern für Kreativität und Fortschritt. Mal ganz abgesehen davon, dass zahlreiche Touristen bei sich daheim ubiquitären Internet-Zugang als einen der ersten Belege dafür anführen würden, wie dynamisch und kosmopolit diese unsere Stadt doch ist. Kurzum: WLAN in der U-Bahn wäre super für alle und gäbe Profit. Liebe BVG, tu etwas.

Bild: Stroft (cc)

5 Kommentare

  1. Mir war mal nach etwas anderem. Werde bestimmt noch ein bisschen dran rumfriemeln, aber technisch und optisch finde ich das gerade ziemlich gut. Hoffe, niemanden zu sehr damit zu befremden. 🙂

  2. Ich hab gerade versucht, die -so dachte ich – Mobil-Ansicht hier wieder auszuschalten. Hehe. Schlicht find ich selten schlecht. So 1-2 Farbtupfer würden meiner Meinung nach aber nicht schaden.

    Zum Anliegen: Gute Sache! Wird sicher irgendwann kommen. Hoffentlich aber nicht mit Werbe-Push-Popups.

  3. So was hier…?

    http://my.virginmedia.com/wifi/index.html

    Absolut erschwinglich, wenn auch zZt nur in den Bahnhöfen. Aber: in Central London sind die nicht wirklich weit auseinander UND sie arbeiten dran dass das mittelfristig auch in den Zügen funktionieren soll.

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