meist manchmal, selten oft

handcuffs
Foto: mayu^^ (cc)

Spricht einer von euch entrosteter Latein als ich und kann mir sagen, ob der Satz “Ceterum censeo gentrificationem esse exclamanda”, der so oder ähnlich ab heute meinen Blogfooter zieren wird, grammatisch in Ordnung ist? Das soll soviel heißen wie “Im übrigen bin ich der Meinung, dass Gentrification ausgerufen werden muss”, ist ein bißchen albern und hat hiermit Schrägstrich hiermit zu tun. Ich mag mich vor den Ermittlungsbehörden ja nicht mit falschen AcI oder Gerundiva blamieren, also los – sprecht.

Der Satz steht da nur symbolisch. Das ist der Ausdruck meines kleinen Protests (trotz, normalerweise, Mitmachaktionsmuffligkeit) gegen eine Sache, von der die meisten schon gehört haben dürften, die aber, finde ich, auch in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss. Dass jemand eingebuchtet wird aufgrund absolut fadenscheiniger Indizien, dass da Paragraph 129a und die Definition von Terror momentan so gedehnt wird, dass man bereits als entschiedener Gegner von Komplettüberwachung verdächtig ist, dass willkürlich Verdächtigungen und Durchsuchungen stattfinden und allerlei mehr – das hat für mich in der Tat nicht alleine etwas mit Studienfach-Solidarität gegenüber Andrej H. zu tun, sondern einer grundsätzlichen Angst um westliche Werte rechtsstaatliche Prinzipien, wie die Unschuldsvermutung, den Schutz vor Willkür und Gesinnungsjustiz. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber es ist wichtig. Terror ist schlimm, aber nicht alles ist Terror. Wenn sich die gegenwärtige Zersetzung eines gesunden Grundvertrauens zwischen Staat und Bürger sowie der strukturellen Trennung der drei Gewalten im gleichen Maße fortsetzen, wäre das ein Kantersieg für die, denen die Maßnahmen ursprünglich gelten sollten.



11 Kommentare
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[...] Ernst Erwin kann sein Glück kaum fassen. Jetzt steht er in einem Yuppie-Bezirk, in dem die Gentrifizierung schon im vollsten Gange ist, auf seinem neuen Balkon und steckt sich erstmal eine Zigarette an. [...]



10. Oktober 2007
ad

die geschichte von mir und dem terroristen, und wie wir beide nebeneinander standen, hat leider nie den weg in die öffentlichkeit gefunden, zu sehr scheute ich das erregen der aufmerksamkeit des BKA.



Känguruh
10. Oktober 2007
ad

Denk mal nach, warum in “Carthaginem esse delendam” das “delendam” ein -m dran hat. Na?
OK, das solltest Du korrigieren.
Zweites Problem: “exclamare” bedeutet in erster Linie “ausrufen” im Sinne von “einen Schrei ausstoßen”. Vielleicht wäre “proclamare” angebrachter.
Viel Spaß mit Deinem lateinischen Footer! (Pedator?)



10. Oktober 2007
ad

Ei, also doch. Mit der konsonantischen Deklination stand ich damals schon auf pedes belli. :)

Vielen Dank.



10. Oktober 2007
ad

“[...] die Definition von Terror momentan so gedehnt wird, [...]“

Das trifft zwar zu (also dass der Terorbegriff im Moment gerne über Gebühr strapaziert wird), aber auch in diesem Fall?

Unterstellt, dass an den Vorwürfen etwas dran ist, würde ich das schon dem Phänomen Terrorismus zuordnen.



10. Oktober 2007
ad

Autos anzünden ist eine Straftat. Vandalismus, Sachbeschädigung, whatever. Selbst wenn da politische Motive und irgendeine Form der Organisation hintersteckt allerdings noch lange kein Terrorismus, zumindest was mein Empfinden angeht. Ansonsten hätte diese Diagnose auch schon bei diversen 1. Mai-Krawallen, Chaostagen und Aufmärschen des schwarzen Blocks gestellt werden müssen. Wir könnten das jetzt natürlich versuchen, diskursiv zu definieren. Ich für meinen Teil würde einwenden, dass Terror keine Rücksicht auf Menschenleben nimmt. Davon scheint mir die mg, so es sie denn in so straff organisierter Form überhaupt gibt und mit den Anschlägen in ihrer Gänze zu tun hat – bei allem Unverständnis über deren Militanz – immer noch weit entfernt.



10. Oktober 2007
ad

Autos anzünden ist eine Straftat. Vandalismus, Sachbeschädigung, whatever. Selbst wenn da politische Motive und irgendeine Form der Organisation hintersteckt allerdings noch lange kein Terrorismus, zumindest was mein Empfinden angeht.

Ich finde es kommt eher darauf an, in welchem Kontext das Autoanzünden passiert. Wenn jemand sich spontan über Mercedes, Mercedes-Fahrer oder meinetwegen auch die Bundeswehr ärgert und entsprechend zündelt, würde ich das nicht als Terror qualifizieren. Aber wer die öffentliche oder staatliche Meinungsbildung durch Gewalt zu beeinflussen sucht, operiert nach meiner Meinung terroristisch.

Ich für meinen Teil würde einwenden, dass Terror keine Rücksicht auf Menschenleben nimmt.

Wenn das für Dich notwendige Bedingung von Terrorismus ist, fällt Weiterstadt aber raus.



11. Oktober 2007
ad

Guter Punkt, niels. Um ehrlich zu sein, musste ich erstmal nachschauen, was in Weiterstadt war. Okay, ich bin ein Fan trennscharfer Definitionen und finde die Inkaufnahme des Verlusts von Menschenleben, in Verbindung mit Organisation/ Planung und politischer Motivation gute Kriterien, um “Terror” zu umreißen, eventuell einbezogen noch die mittelbare Motivation, ein gesellschaftliches Klima von Angst, Misstrauen und Paranoia zu begünstigen. Meines Erachtens war der Anschlag auf die JVA in Weiterstadt – entschuldige die Spitzfindigkeit – vielleicht ein von Terroristen verübter Anschlag, aber eben noch kein Terroranschlag, weil zumindest Menschenleben geschont wurden. Konsequenterweise kommt im entsprechenden Wikipedia-Artikel nirgendwo das Wort “Terror” vor.



13. Oktober 2007
ad

HILFE!!!

Ich habe neulich ein Buch gelesen, in dem dieses – dieses böse Wort – das G-Wort – drin vorkam. Bitte helft mir, liebes Doktor Sommer-Team!!! Bin ich jetzt verdächtig?????
Ich schwöre, ich hab das böse Buch eines morgens einfach rein zufällig auf der Straße gefunden… Oder nein: Es ist mir aufgeschlagen vor die Füße gefallen und ich konnte nicht verhindern, dass mein umherschweifender Blick zufällig dieses Wort streifte… Werde ich jetzt überwacht??? Und was wäre, wenn sich – rein hypothetisch!!! – ein Lexikon in meinem Besitz befindet, in dem dasselbe Wort steht? Wie verbrenne ich am besten alle meine Bücher?!?!? Ach, ja, ich weiß: Bei 451 GRAD FAHRENHEIT.



ad

[...] stellte. Annalist und ihr Mann Andrej, der wegen ein paar in wissenschaftlichen Arbeiten verwendeter Begriffe unter Terrorverdacht geriet, die Durchsuchung von Buchläden und anderer traditionslinker [...]



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[...] Dabei wurden zum Teil über Jahre hinweg Menschen observiert und abgehört, unter absurden Indizien festgenommen. Die Verfahren wurden in jüngster Zeit sang- und klanglos eingestellt, berichtet [...]



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