Children of Men

Jetzt erst gesehen.

Im Jahr 2027: Die Menschheit hat seit 2009 die Fähigkeit verloren, sich fortzupflanzen, der Untergang der menschlichen Rasse ist wahrscheinlich nicht mehr aufzuhalten. Die Welt ist von Gewalt und Chaos geprägt, Umweltzerstörung, Terrorismus, Hysterie und staatliche Unterdrückung bestimmen das alltägliche Bild. Der Ort der Handlung ist Großbritannien, das sich vom Kontinent abgeschottet hat und versucht als Polizeistaat die Kontrolle zu behalten. Ausländische Flüchtlinge werden rigoros verfolgt, eingesperrt und in ghettoartige Aufnahmelager abgeschoben. Diese Praxis wird von terroristischen Untergrundorganisationen wie den „Fishes“ bekämpft.

In dieser Situation wird Kee, eine junge, illegale Immigrantin, als erster Mensch seit 18 Jahren schwanger. Über seine Ex-Freundin Julian, die mittlerweile eine Anführerin der Fishes ist, erhält der in Depressionen und Desillusion verfallene Regierungsagent Theodore Faron die Aufgabe, die junge Frau und das ungeborene Baby an einen sicheren Ort zu bringen. Ziel ist das mysteriöse „Human Project“, ein geheimer Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die am Fortbestehen der menschlichen Rasse forschen und auf einem Schiff vor der Küste erreichbar sein sollen. (Quelle: Wikipedia)

children of men dvd cover

Es ist selten, dass wir uns so einig sind: Children of Men gefiel sowohl S. als auch mir außerordentlich gut. Drastisch, detailreich, technisch hervorragend, ein fieses Zukunftsszenario. Dabei kommt er ohne direkte oder indirekte normative Botschaft, wie etwa im jüngst thematisch verschwägerten „V wie Vendetta“ aus, enthält aber trotzdem mehr Symbolik als der ebenfalls entfernt verwandte „28 Days Later“. Als Zuschauer darf ich mir selber die Frage stellen, inwieweit der geschilderte Zustand fantastisch ist, wann „nur“ überspitzt und welche Aspekte des Films bereits Projektionen der Wirklichkeit sind: Die Trauersträuße am Anfang zum Tode des Weltjüngsten erinnern natürlich sehr an die, die nachdem 11. September am Weißen Haus-Zaun lehnten – oder ’97 am Buckingham Palace. Die Situation im Fugee Camp ist vielleicht ein Rückgriff auf die aktuellen Zustände in Bagdad oder der Kampf um das palästinensiche Flüchtlingslager Jenin. Totalüberwachung, stereotype Feindbilder, die Korrumpierung von Idealisten die sich als Freiheitskämpfer verstehen und in einem Rausch der Gewalt versumpfen, Exzess und Verrohung, das Desinteresse in der Bevölkerung gegenüber dem Geschehen ein paar Meter weiter, Propaganda durch mediale Dauerwiederholung einfacher Botschaften – all das ist Realität. Der Film ist ein Konvexspiegel des Status Quo. Wem das nicht auffällt, ist selbst schuld, dem entgeht die Essenz des Films.

Disclaimer: Diese kurze Filmrezension verzichtete in voller Absicht auf folgende überdehnte Phrasen: Visuell, opulent, packend, Epos, beklemmend, cineastisch, bombastisch, überragend, herausragend, Meisterwerk. Obwohl einige passen würden.

  • Filmstarts.de: 5/10
  • Batz bei den Fünf Filmfreunden: 9/10

3 Kommentare

  1. Habe den Film auch jüngst gesehen. Seit langem mal wieder ein wichtiger Film. Alles was ich an „V wie Vendetta“ gräßlich fand, hat „Children of Men“ richtig gemacht.
    Keine unsinnige Liebesgeschichte, keine abgehobene Kanalisations-Luxuswohnung und kein nerviger Comic-Superheld. Stattdessen ist „Children of Men“ die meiste Zeit und da passt die Phrase gut: gnadenlos realistisch.
    Zum Schluß erwarten den geneigten Zuschauer auch kein „Das Volk hat die Macht“-Kitsch, nur ein bißchen Hoffnung und viele Zweifel.

  2. Der Hut, die Maske, die Liebesgeschichte, die Gründe warum er seine Geliebte gefoltert hat, die Szene als er von Kugeln durchsiebt wurde, mein Hunger auf Spiegelei mit Toast während des Films, die KnallBumm-Effekte und die Masse Menschen am Schluß, die sich alle artig verkleidet hatten um den Aufstand zu proben… Das alles fand ich sehr albern. Aber na ja, immerhin war es eine Comicverfilmung und zumindest konnte man die gute Absicht hinter dem Machwerk erkennen.

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