„darunter auch“: Stimmen zum Nahost-Konflikt


(groß?) Beirut: Überall Hisbollah

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Seit der Nacht habe die Luftwaffe 40 Ziele im Süden des Landes angegriffen, teilte die israelische Armee mit, darunter auch Einrichtungen und Büros der schiitischen Hisbollah-Miliz.

Berliner Zeitung, 21.7.2006

Es war Mittwoch, der 13. Juli, als Ehud Olmert Abschied nahm von der Libanon-Politik seiner Vorgänger. Es war der Tag, an dem sich Olmert trotz seines notorisch übervollen Terminkalenders zur Familie Schalit in den Norden des Landes hatte fliegen lassen. Eine Art Beileidsbesuch, ein Pflichttermin für Israels Premier im Hause der Schalits, deren Sohn Gilad, ein junger Soldat, knapp drei Wochen zuvor von radikalen Palästinensern in den Gaza-Streifen verschleppt worden war.

(…) Olmert hatte sich noch einmal strikt gegen einen Austausch palästinensischer Häftlinge gegen den entführten Soldaten ausgesprochen, worauf Gilads Vater Noam den Premier anraunzte, er wisse nicht, worauf Israel noch warte: „Am Ende des Tages hat alles seinen Preis. Ich glaube nicht, dass Gilad befreit wird, ohne dass Israel einen Preis zu zahlen hat. Das passt nicht zum Nahen Osten“, sagte Noam Schalit in Sorge um seinen Sohn.

Berliner Zeitung, 20.7.2006 über Ehud Olmert

Der Vorwurf, wonach Kritik an Israel stillschweigend antisemitisch sei, gilt in Israel und den USA als Trumpfkarte schlechthin. Wird sie zuletzt immer hartnäckiger und aggressiver ausgespielt, dann weil es die einzig noch verbliebene Karte ist.

Wenn Israel die Bevölkerung in den besetzten Gebieten ausraubt und demütigt, aber jedem Kritiker mit lauter Stimme „Antisemit“ entgegenschleudert, heißt das in Wirklichkeit: Was im Libanon, in der Westbank und in Gaza geschieht, das sind keine israelischen, sondern jüdische Akte. Und wenn du das nicht magst, dann nur, weil dir Juden unsympathisch sind.

In vielen Teilen der Welt läuft diese Position Gefahr, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu werden: Israels hartnäckige Gleichsetzung jeder Kritik mit Antisemitismus wird zur Ursache eines antijüdischen Gefühls im westlichen Europa ebenso wie in großen Teilen Asiens.

Tony Judt in Freitag 29/06: Panzer mit Davidstern

Ich werde an dieser Stelle mal drastisch: Wenn ein Premierminister das Leben hunderter Menschen beendet, um sich politisch zu profilieren, dann ist das pervers. Und wenn die moralische Legitimation dafür indirekt der Holocaust sein soll, frage ich mich, wie die Millionen ermordeten Juden das finden würden.

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