Deutschland sagt nein!

koerperscan

Mit Ganzkörperscannern will eine EU-Kommission zukünftig die Sicherheit an Flughäfen erhöhen. Auf den Bildern soll man einen Menschen dreidimensional quasi nackt erkennen können, inklusive der Genitalien. Wer hier einen Angriff auf die Würde des Menschen sieht, hat recht. Ein Generalverdacht gegenüber allen Bürgern und damit eine Umkehrung der Unschuldsvermutung ist die geistige Basis für solche Maßnahmen, ebenso wie übrigens bei der Vorratsdatenspeicherung.

Die andere Frage ist, welchen Mehrwert eine solche Maßnahme der Terrorbekämpfung bringt. Von Keramikmessern und Plastiksprengstoff ist die Rede, die bei den gängigen Untersuchungen per Metallscanner und Körperabtastung nicht entdeckt würden. Mal Butter bei die Fische: Offenbar haben die EU-Bürokraten im Sinn, dass sich ein zu allem bereiter Dschihadist derlei in den Mastdarm (Enddarm) schiebt — um es an Bord zu seinem schändlichen Vorhaben wieder hervor – äh, zu zaubern. Ganz ehrlich: Da mag der Sicherheitsindustrie noch so viel Knete verloren gehen, aber eine einfache Sitzprobe, bei der jeder Fluggast sich vor dem Abflug für zehn Sekunden auf einen unbequemen Schemel setzt, würde genauso effizient, billiger und erheblich strahlungsärmer sein.

Dass die Genitalbeschau aus Sicherheitsgründen völliger Unsinn ist, dürfte den meisten Leuten mit ungetrübtem Verstand klar sein. Bei Wolfgang Schäuble überrascht eine solch klare Einstellung aber doch. Eine seiner Sprecherinnen ließ sich mit den Worten „Ich kann Ihnen in aller Klarheit sagen, dass wir diesen Unfug nicht mitmachen“ zitieren. Selbst Sicherheitsmaniac Wiefelspütz mag die Lösung nicht. Nun, ich mutmaße mal: Hätte der Boulevard das Thema am gestrigen Freitag nicht mit Empütterung belegt[1], wäre auch die Ablehnung von Airport-Peepshows durch jene Volksvertreter, die sonst für jeden Spaß zu haben sind, weit weniger hörbar gewesen. „Wir sind uns doch alle einig, dass die persönliche Intimsphäre unantastbar ist!“ schwingt da im Subtext der hehren Worte, ausgesprochen von den Erfindern und Rechtfertigern der Antiterrordatenbanken, Computerschnüffelprogramme, Vorratsdatenspeicherung und wasweißichnochalles, mit. Misstrauen ist angebracht, wenn den Sicherheitsparanoikern unter den Volksvertretern die Möglichkeit gegeben wird, sich als erbitterte Verteidiger der Bürgerrechte zu inszenieren. Der nächste Schäuble-„Vorstoß“ könnte von BILD und Rattenschwanz schon wieder als notwendiges Übel plus X abgefeiert werden. Wenn 10 Millionen Menschen, die täglich den größten Dreck der deutschen Journalismusgeschichte fressen, im Hinterkopf haben, dass alles ja nicht so schlimm sei und Wolfgang S. durchaus Grenzen kenne, dann hat dieses kleine Kabinettstückchen ihre Wirkung erreicht.

  1. aus dem verlinkten BILD-Artikel stammt die volkstümelnde Überschrift dieses Posts [zurück]

5 Kommentare

  1. Schäuble kann davon halten was er will. Was von der EU kommt muss 1:1 umgesetzt und in nationales Recht überführt werden, auch wenn man das nicht gut findet, da ist leider nix dran zu machen.

    Glück auf!

    PS:
    Das sollte Ironie sein. Wenn ich mir das aber selber nochmal durchlese ist es gar keine.
    Shice. Man kann schreiben was man will, die Realität holt einen schneller ein als man glaubt.

    ————————–
    Diesen Kommentar wollte ich gestern eigentlich beim farlion posten, aber das klappte ums verrecken nicht. Aber hier passt er auch ganz gut hin.

    PS: Bist du sicher mit dem im Popo? Ich mein gehört zu haben dass die Nacktscanner da auch nicht reingucken können, hab aber von der Technik keine Ahnung.

  2. as von der EU kommt muss 1:1 umgesetzt und in nationales Recht überführt werden,

    Meines Wissens steht den Staaten frei, die Verordnung umzusetzen. Wobei mir eine strikte Anti-Haltung der deutschen Regierung nix nützt, wenn ich auf dem Rückflug aus einem weniger kritischen Ausland trotzdem frech durchleuchtet werde.

    Bist du sicher mit dem im Popo?

    Nun, es wäre ja noch unsinniger und nutzloser, wenn die Teile nicht mal das könnten. Mich würde mal interessieren, welche Firma diese Scanner herstellt und welche EU-Abgeordneten heute / in Zukunft im Aufsichtsrat der Firma sitzen. Da gäb’s bestimmt ein paar nette Entdeckungen zu machen.

  3. Aber war das mit der EU-Richtlinie bei der Vorratsdatenspeicherung nicht genau dieser Sprech von Zypries, Schäuble und Konsorten, dass man das umzusetzen habe ohne sich dagegen wehren zu können?
    Wo ist der Unterschied?

    Soweit mir bekannt schauen die Dinger bis auf die Haut, aber auch nicht weiter.
    Zum Rest müsste man Kai Raven mal fragen, aber ich bin irgendwie müde.

    Glück auf!

  4. Kann man diese Technologie auch schon als Normalbürger käuflich erwerben?

    *schäm*

  5. Pingback: Orwell, Finanzkrise und ausgelachte Nazis: Blogschau (10/VI)

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