Dhimmipedia?

wikipediaEhrlich gesagt finde ich’s durchaus etwas schade, dass der Wikipedia-Artikel über mein Lieblings- wenn- Rassisten- Adverbien- benutzen- Blog „Politically Incorrect“ gelöscht wurde. Klar wäre das Ding zunächst mal ein Schlachtfeld geworden, aber nach Glättung der Wogen vielleicht ja doch ein kollektiv kontrollierter, an objektiv feststellbaren Aspekten orientierter Artikel. Die Hoffnung auf unverrückbare Wahrheit im Diskurs um politische Themen jenseits subjektiver Auffassungen zu stoßen – nebenbei – ist eine aufzugebene. Es wird immer einen Schwachmaten geben, der mehr oder minder chiffriert „Menschenwürde? Menschenrechte? – Nö, für die nicht!“ ruft. Nicht mal auf Universalismus und Aufklärung können wir uns also einigen.

Dass die politisch inkontinenten jetzt Zensur! schreien und von einer linksextrem unterwanderten Wikipedia fabulieren, war genauso klar, wie es falsch ist. Tatsächlich ist das entscheidende Kriterium für die Abschaffung des Artikels die Relevanz: „PI“ ist einfach zu nebensächlich. Und da ist man als von der eigenen relativen Unwichtigkeit überzeugter Blogger[1] einerseits doch irgendwie beruhigt: Die Erwähnung des Blogs in Welt, NZZ oder Spiegel Online macht in der Lesart der Wikianer eben noch keinen Grund für einen eigenen Wikipedia-Artikel aus. Andererseits: Warum muss die Messlatte denn so hoch sein? In der deutschen Wikipedia existiert beispielsweis auch ein Artikel über eine spezielle Proxyserver-basierende Protokollerweiterung des Filesharing-Clients eMule, peinlicherweise von mir ins Leben gerufen, der vielleicht 30 Leute in Deutschland überhaupt interessiert. Den hat aber noch keiner gelöscht. Nun, die Option, Politicallyincorrect wieder ins Programm zu nehmen, steht ja für die Zukunft ausdrücklich offen. Vielleicht gibt’s demnächst ein Wiedersehen in der Kategorie „Extremistische Vereinigungen“?

Dem für die Entscheidung verantwortlichen Wikipedia-Moderator autoritäres Gehabe, Zensur oder Missachtung der (von PI-Anhängern konzertiert überschwemmten) Löschdiskussion zu unterstellen, ist stillos. Die Wikipedia ist basisdemokratisch, sogar demokratischer als unser politisches System höchstselbst. Ein Wikipedia-Moderator ist gewählter Repräsentant, durch diesen Status mit einem gewissen Mehr an Machtfülle ausgestattet, die er gefälligst im Sinn der Community zu nutzen hat. Wenn nicht – ich kenne die Modi nicht en detail, nehme es aber an – ist der Mod auch ganz schnell wieder weg vom Fenster.

Warum ich die Löschung des Artikels trotzdem schade finde? Weil es mir eine diebische Freude gemacht hätte, jeden gut gemeinten aber dilletantischen, Manipulationsversuch (wie dem Löschen von Kritik) durch zwei Klicks rückgängig zu machen. Har Har! würde ich dem Monitor entgegenbrüllen, lernt erstmal wie Wiki geht! Man sieht, für den Job eines Wikipedia-Moderators wäre ich vielleicht auch nicht gerade geschaffen. Macht aber nix.

A pro pos PI, ich habe drüben im Watchblog ein Artikelchen verfasst, das ich an dieser Stelle schamlos promoten will:
Von Ideal und Wirklichkeit. Heute: Die real existierende Meinungsfreiheit bei Politicallyincorrect

  1. Falls das hier ein Blogger aus den oberen Regionen der einschlägigen Rankings zufällig liest – eines würde mich mal interessieren: Wird man als A-Blogger eigentlich auf der Straße erkannt? [zurück]