Die Kehrseite

Neihbourhood WatchErnst Corinth verweist in einem aktuellen TP-Artikel auf diverse Denunziationsportale im Web 2.0. Unter anderem auch (über einen älteren Artikel) auf die Seite RottenNeighbor (kein Link hier), wo jedermann seinem Ärger mit den lieben Nachbarn Luft machen kann. Egal ob einer den Müll schon rausstellt, obwohl die Müllabfuhr erst am nächsten Tag kommt, der Rasen trotz Wasserknappheit gesprengt wird, jemand Polizeibesuch hat oder ein „heroinabhängiger Looser“ im Nachbarhaus wohnt — hier kann der besorgte Bürger der Welt mitteilen, welcher Vergehen sich der nette Kerl von nebenan schuldig macht. Diese Meldungen sind dank Städtesuchfunktion und Google Maps-Anbindung auch für jedermann mit Internetanschluss einsichtig. Allein das schon beängstigend genug, finden sich auf der Seite auch immer mehr Daten aus dem Ausland, natürlich auch Deutschland.

Gleicht man dieses Horrorkabinett mit der aktuellen technischen Entwicklung, ich sage nur iPhone 3G, ab, steht zu befürchten, dass sich solche Dienste demnächst auch als Location Based Service etablieren. Stell dir vor, du holst deinen Laberziegel aus der Tasche, die synergische Mischung aus GPS, Google Maps und RottenNeighbor zeigt dir an, dass in dem Haus da drüben unzweideutig ein Sexualstraftäter haust, du öffnest die eingebaute Social Networking-Funktion und planst komfortabel (Multitouch, UMTS, angepasster Handybrowser) mit anderen besorgten Bürgern einen Spontanpogrom in anderthalb Stunden, um die Welt mal wieder ein kleines bisschen besser zu machen.

Kommt, sowas. Ganz sicher.

Bild „Neighbourhood Watch-Sticker“: exfordy (cc)

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