Dieser Artikel hätte „Hand(y)shaking“ heißen können

… aber leider kennen die Anglophonen das Wort nicht im Zusammenhang mit Mobiltelefonen, deswegen lass ich das mal. Ist ja auch ein wirklich albernes Wortspiel. Stattdessen [Warnung, Spoiler!] hagelt es unverhofft ungeordnete Medienhinweise, aber erst später in diesem Eintrag.

Die Idee jedenfalls, verschlüsselte Bluetooth-Verbindungen zwischen Mobilfunkgeräten durch Schütteln in einer Hand aufzubauen erscheint mir nicht nur deswegen genial, weil es Datenabgleich und Filesharing sehr erleichtern würde, sondern weil darin durchaus das Potential zu einem neuen sozialen Ritus steckt. May Schütteln be the new Visitenkarte?

Ach, bei Visitenkarten muss ich schon wieder an Pat Bateman aus American Psycho denken. Kennt jemand Rules of Attraction? Ist auch eine Ellis-Verfilmung und da spielt der Dawson den Bruder vom Bateman als schluffigen Psychopathen am College. Echt nicht schlecht der Film, um nicht zu sagen: sogar richtig gut. Was mir dauerhaft im Gedächtnis bleiben wird: Wie plötzlich in einem US-Film ein Lied des zu Unrecht vergessenen Dortmunder Rappers Der Wolf, Megahits wie „Oh Shit, Frau Schmidt“ pflasterten seinen Weg, erschallt. Jedenfalls wird wird man einst gewiss sagen, dass jeder der Dawson’s Creek-Darsteller in seinem Leben exakt einen guten Film gedreht hat. Die dank Dianetik doll dauerlaufende Gespielin des auf-dem-Sofa-Springers und mit-Springer-ins-Bett-Hüpfers Tom „einssechzig“ Cruise, Katie Holmes, ja auch, nämlich Pieces of April. Jen, also Michelle Williams, hingegen hat in Land of Plenty mitgespielt. Das ist aber ein Machwerk vor dem Herrn. In Handkamerabilder gegossene Post-9/11-Langeweile, Pseudotiefgang und klebrige Hooray-West!-Botschaften lassen hier ein weiteres Mal die Tatsache manifest werden, dass Wim Wenders Werke (diese Alliteration ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern auf dem Gevatter Zufall seinem) sehr überbewertet sind. Dafür hat Jen, also Michelle Williams, aber auch in Brokeback Mountain mitgespielt und der soll ja ganz gut sein. Gesehen hab‘ ich ihn aber nicht – mich interessieren weder Western noch Coming Out-Dramen allzusehr. Wobei… Na egal. Die anderen Dawson’s Creek-er? Keine Ahnung, was mit denen war. Ehrlich gesagt habe ich die Serie nie intensiv geguckt und deswegen interessiert mich das nicht so richtig. Es war ja auch so lächerlich, dass diese Mittzwanziger 15-jährige darstellen sollten. Am Anfang, als das so hübsch knisterte zwischen Dawson und Joey, ja – das hatte schon seinen Reiz, gerade auch für mich als Teenager, der sich da volle Latte Kanne reinprojezieren konnte. Aber es geht ja nicht, das auf sechs Staffeln auszudehnen, mit wechselnden Konstellationen, irgendwann wird’s öd. Die ja auch total überhypte Serie „Pushing Daisies“, in der ein Mann Tote per Berührung zum Leben wiedererwecken kann, aber bei der nächsten Berührung – auch versehentlich – alles gleich wieder rückgängig gemacht wird, er nun seine Jugendliebe revitalisiert, sie aber wegen der eben geschilderten Sachverhalte nicht befummeln kann, ist da ähnlich. SIE LIEBEN SICH UND KÖNNEN SICH DOCH NICHT HABEN, gääääähn! Halt mit im Vergleich zu „DC“ noch zusätzlich irgendwie so Tim Burton-Optik, konstruierter Holzhammerskurrilität und Amélie-Zuckerguss. Okay, ich hab davon erst zwei Folgen gesehen, aber das geht mir jetzt schon auf die Nerven, allzu viele Chancen geb‘ ich der Serie nicht mehr — kommt endlich inne Puschen, Daisies. Haha. Richtig gut ist hingegen Dexter. Mit dem tollen Michael C. Hall (Six Feet Under-Dave) als Psychopath, Serienkiller, polizeiangestellter Blutspritzer-Experte und Fachmann für sozialverträgliches Frühableben. Der hat nämlich einen Killdrang, lebt den aber immer nur an Bösewichten aus. Klingt seltsam, funktioniert aber, weil die Charaktere unperfekt, ambivalent, sprich: glaubhaft agieren (was z.B. bei Prison Break spätestens mit dem Ende der zweiten Staffel völlig flöten gegangen ist) und die Drehbücher raffiniert sind (aber dabei nicht so im Interesse der Spannungserhaltung verwässern wie die von Lost). Die Charaktere sind gut gezeichnet, die Serie ist spannend und fordert auch dem Zuschauer etwas ab. Wie steht man zu einem Typen wie Dexter, darf man einen emotionslosen Massenmörder symphatisch finden? Die Antwort überlasse ich dem Guckenden. Krass war die Gastrolle von Denise Crosbyeingefleischten Trekkern noch als Lt. Tasha Yar, ein Monster aus Teer tötete sie sinnlos, bei TNG bekannt – als Sterbehilfe befürwortende Krankenschwester und Dexters erstes Opfer. Ist die alt geworden! Na, ist ja Lauf der Dinge, es kann nicht immer ’89 sein.

topfschnittApropos Altern, Star Trek und Psychopathen: Leonard Nimoy, bekannt für seine Bücher „I am not Spock“ und „I am Spock“, kommt ja auch in die Jahre und bevor sein Kopf demnächst in ein Goldfischglas eingemacht im Köpfemuseum von Futurama landet, muss jemand ihn in Sachen Spock ablösen. Und wer macht das im nächsten Star Trek-Film? Zachary Quinto nämlich, bekannt als brain eating Fiesling Sylar aus „Heroes“, und er bekommt sogar einen Topfschnitt. Heroes, wo ja auch George „Mr. Sulu“ Takei eine wichtige Gastrolle hat, ist ebenfalls eine tolle Serie, die im Original anzuschauen sich lohnt (ich bin normalerweise kein Originalversionsfaschist sondern weiß die deutsche Synchrokunst durchaus zu schätzen), vor allem wegen Hiro, dessen Japanisch die würdelosen Wichte im Deutschen synchronisiert haben. Gab’s nicht auch einen Star Trek-Film, in dem alle klingonisch gesprochenen Sequenzen komplett ins Deutsche übersetzt wurden, woraus lustige Sinnlücken entstanden? Und ich dachte ja, aus den Zeiten wären wir raus. Aber Kalkofe hat schon recht, wenn er (wie in seiner hörenswerten Rede auf den Münchner Medientagen) sagt, dass die deutschen Fernsehprogrammmacher ihr Publikum immer noch für blöd verkaufen. Erinnert sich noch einer an den deutschen Lost-Klon? Ich hab davon mal ein paar Minuten gesehen. Oh my gosh, war das peinlich. Und jetzt streiken die Serienautoren, das heißt demnächst stehen die Züge still, ach nein, schweigen die Torrent-Clients. Wenn die je neuen Staffeln von Jericho und Battlestar Galactica gelaufen sind, werde ich mir wohl ein anderes Hobby suchen, zum Beispiel Kegeln. Oder mein Handy zu schütteln. Und damit erweist sich dieser völlig entglitten geglaubte Eintrag als einer, der immerhin noch imstande ist, den Kreis mit einer pointierten Schlußbemerkung zu schließen. Chapeaux, ich.

10 Kommentare

  1. Wie gemein, warum schreibst du denn, dass es ne neue Staffel Battlestar Galactica gibt?
    Jetzt muss ich die unbedingt gucken :'(
    Warum spielt die 4. Staffel denn vor der 3. Staffel? o.O

  2. Warum spielt die 4. Staffel denn vor der 3. Staffel? o.O

    Ich verstehe nicht, was meinst du genau?

  3. Also, die 4. Staffel fängt grade an, als der Adama Commander von der Pegasus wird. Die 3. Staffel hat aber lange danach aufgehört.

  4. Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Oben im Text habe ich geschrieben, dass es bald eine neue Staffel geben wird, genau – aber auch nix anderes. Die neue, vierte, Staffel soll ab April nächsten Jahres gesendet werden. Bleibt die Frage, was Du mir zu sagen versuchst.

  5. „Razor“ ist ein TV-Film-Event-Zweiteiler – keine eigene Staffel in dem Sinne. So wie die Mini-Serie ja auch der Auftakt zur ersten regulären Staffel war ist das halt offenbar als Bindeglied zu verstehen – oder das Testen für ein mögliches Spin-Off. „New Caprica“ geistert ja dauernd durch die Medien…
    Ansonsten: „Dexter“ wird in der zweiten Staffel noch besser, die glücklicherweise durch den WGA-Streik nicht gefährdet wird. Und „Heroes“ ist leider schon nach 11 Folgen zu Ende was ich extrem zum Aufregen finde vor allem weil man natürlich eine „Was geschah vor vier Monaten“-Folge als Rückblick einschaltete – wie bei Staffel 1. Und die noch nicht mal ALLE Fragen erklärt haben, argh. Na ja. Ich bin gespannt was sie mit Hiro und – ähem – Dingens machen.
    Empfehlen kann ich noch „Life“ wenn du ungewöhnliche Serien magst. Ansonsten muss ich ab nächsten Montag anderthalb Monate bis zu neuem Doctor-Who-Content warten – und dann kann ich wieder bis zum Frühjahr warten bis die GUTE Serie anfängt. „Torchwood“ ist zwar vorher, aber der Spin-Off war – bäh…
    Oh – und „Ashes to Ashes“ müsste ab Januar auch anlaufen, Sequel zu „Life on Mars“. HUNT! 😉
    Ad Astra

  6. Von „Pushing Daisies“ spreche ich gar nicht erst, aaaaahhhh, ABC ordert 22 Staffeln und es sind nur 9 Folgen produziert, davon 6 gesendet! AAAAAHHHHHH! Bryan Fuller hat aber auch immer Pech…
    Ad Astra

  7. Zauberei!

    Und ich gurke hier auf dem Serienstand rum, wie ihn mir das Fernsehen liefert. Aber zu Weihnachten gibt es wenigstens mal The Shield auf dem Gabentisch.

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