Dreckmarketing


Foto: Jaako (cc)

Hey, ihr Poker-Würstchen. Es ist schon verdammt dämlich, PR-Aktionen so breit gefächert in die Mailboxen deutscher Blogger zu spammen. Denn

  1. werden Blogs hauptsächlich auch von anderen Bloggern gelesen
  2. spricht sicht sich so ein gezielter Manipulationsversuch ziemlich schnell rum

Ihr habt euch also gerade mal so richtig schön den Ruf ruiniert.

Wovon ich rede? Von dieser Spam-Aktion, einer Firma namens BSE-concepts (Nomen est omen?), vom Versuch PR über deutsche Blogs zu machen und von dieser von Bullshit triefenden Mail gestern Abend*:

Nachricht von: cm@bse-concepts.de <Leif Weber>

Hallo Blogbetreiber von http://citronengras.de/,

das Thema „Werbung in Blogs“ rückt sukzessive in den Mittelpunkt, einige der größten deutschen Blogs schließen diese Geldquelle nicht mehr explizit aus (http://www.spreeblick.com/2007/02/28/adical-werbung-in-blogs).
Angesichts dessen haben wir uns Gedanken gemacht, wie man die Interessen der Blogger an Finanzierungsquellen mit ihrem Anspruch, redaktionell unabhängig zu bleiben und nicht gegen die Interessen der Leser zu handeln, in Übereinstimmung bringen können.

Unsere grundsätzliche Überlegung war es, freie Meinungsäußerung des Bloggers mit der Platzierung eines seriösen Produktes zu verknüpfen, bei dem eine journalistische Betrachtung auch Sinn macht.

Fokussiert haben wir uns daher auf ein kontroverses Thema, welches aber medial und gesellschaftlich immer mehr in den Blickpunkt rückt: Poker.

Grundsätzlich gibt es gerade in Deutschland und das sicher nicht ganz zu Unrecht viele gesellschaftliche und rechtliche Bedenken zu diesem Thema. Poker hat, obwohl auch Strategiespiel, das Potential, Spielsucht zu fördern, auszunutzen und zu verursachen.
Gleichzeitig wird mit dem Thema im Interesse der Monopolisten Lotto, Toto etc. nicht gerade unvoreingenommen umgegangen.

Wie lässt sich dies nun für ein Blog ausnutzen? Wir haben uns auf die Suche nach Pokerseiten gemacht, die an Werbung interessiert sind, dabei aber keine direkten Profiteure von Spielsucht sind und verantwortliches Spielen unter strategischen und nicht glückslastigen Aspekten fördern.

Die Idee ist es also, in einem durchaus gerne kontroversen und kritischen Artikel über den Pokerboom in Deutschland, der die Gefahren von Spielsucht auf keinen Fall kaschieren soll, über die Seite www_PokerStrategy_de zu berichten.

Unser für dieses Projekt gewonnener Partner PokerStrategy.de ist die größte deutsche Pokerschule, die sich ihre Marktposition gerade durch ihre Seriosität erworben hat: Jedem Mitglied wird dort geraten, verantwortungsbewusst zu spielen und im Idealfall gar nicht mit eigenem Geld zu spielen, sondern ausschließlich mit dem von der Seite zur Verfügung gestellten Startkapital und dem Know-How, welches die Pokerschule ihren Mitgliedern zur Verfügung stellt.( http://www_pokerstrategy_org_uk/en/articles/175/ )

Die Berichterstattung wäre auch unter journalistischen Gesichtspunkten eine Win-Win-Win-Situation. Ein ohnehin populäres Thema würde seriöser und mehrseitiger behandelt, was für interessanten Content für das Blog sorgt. Der Leser wird über ein Thema mal anders informiert als nur durch die reißerische Werbung der Online-Casinos (wie bei TV Total oder auf DSF). PokerStrategy.de bekommt einen höheren Seitenwert durch die Werbung, was den Blogs (also Ihnen) selbstverständlich vergütet wird.

Bitte schreiben Sie uns doch, unter welchen Bedingungen sie zu einem derartigen Artikel bereit wären. Ihre journalistische Freiheit behalten Sie dabei selbstverständlich zu großen Teilen, lediglich das Angebot von PokerStrategy.de sollte erwähnt werden – schließlich ist es auch das einzig seriöse, um sich ohne Geld zu riskieren, ernsthaft der Materie Online-Poker zu nähern.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort!

Mit freundlichen Grüßen,

Leif Weber

Ihr freut euch auf meine Antwort? Macht euch vom Acker, ihr Knallköppe! Siehe auch ePenis. Wäre ja eigentlich ein Thema für Don Alphonso


* Da es sich hier um eine offenbar massenhaft verschickte Mail handelt, sehe ich kein Problem darin, sie hier als Fullquote zu veröffentlichen. Links sind rausgenommen, ich will ja deren PageRank nicht auch noch erhöhen.

5 Kommentare

  1. Zum ersten Mal freue ich mich dass mein Blog nicht so oft geklickt wird, ich werde nur hin und wieder von diversen Autowerkstätten und Versicherungen gespamt, aber das ist wirklich albern. Und: leider Alltag in diversen Redaktionen dieses Landes… *seufz* Wenn ich für jeden Bericht den ich drehen musste weil die Redakteurin eine neue Handtasche oder *Luxus-Artikel den niemand braucht bitte hier einfügen* bekommen hat einen Euro bekommen hätte würde ich jetzt sicher nicht bei BigBrother arbeiten sondern großes Kino produzieren… 😉

  2. Ich finde, der Bericht über diesen lächerlichen Versuch bringt weitaus mehr interessanten Content für das Blog als ein Artikel über Pokern (den hätte ich nämlich nicht gelesen…).

    Mich ekeln diese Spammer einfach an. Leider, leider gibt es eine Menge davon – auch wenn ich nicht weiß, wovon sie leben. Wer verdammt kauft irgendwelche Uhren aus einem Nonsense-Verarsche-Comment im Blog? Ich nicht, du nicht, wir nicht. Wenn doch, bitte melden.

  3. @ oasisUK: Schon krass, als Außenstehender hat man ja oft nur den Anflug einer Ahnung, wie das Medien-Biz funktioniert. Hier ist’s aber noch was anderes. Bei Blog-PR wird darauf abgezielt, dass die Werbung durch die subjektive Perspektive des Bloggers noch persönlicher und glaubhafter wird.

    @ Simon Columbus: Irgendwer kauft den Schrott immer, sonst würden sie’s nicht machen. Ich hab mal gelesen, dass wenn nur ein Milli-Bruchteil (1/100.000 oder so) der Spammails einen erfolgreichen Verkauf macht, das die Kosten für den Spam schon wieder aufwiegt. Und ganz ehrlich – wenn ich Geld wie Heu hätte und Potenzstörungen o.ä. noch dazu – ich würde vielleicht auch als erstes in meinen Spamordner schauen… 😉

  4. Na das ist doch das selbe: ein „Bericht“ in einem Lifestyle Magazin ist doch auch glaubhafter als ein Werbespot, wenn das Moderations-Blondchen „wir haben xy für sie getestet“ anmoderieren darf bevor der Beitrag über den neuen Staubsauger kommt…

    Scharde ühbrigens das Mann bei dir nicht Editieren kann, da bleiben alle Vertipper stehen wenn man zu schnell sendet und man wirkt wie ein Mitglied der Zielgruppe für die ich im Moment arbeite… 😉 Dievers, phhh… *lach*

  5. Hab’s geändert. ^^
    Ein Edit-Comments-Plugin installier ich in nächster Zeit sicher mal. Stehen aber noch ein paar andere Dinge auf der Liste.

    Zur Sache: Genauso sieht’s aus. Gestern erst wieder The Corporation gesehen und mich dann dran erinnert, dass ich beim ersten Mal schauen noch dachte, diese Guerilla-Werbung sei aber doch ein bisschen übertrieben dargestellt. Ist es aber nicht, und die heutigen Formen von PR sind erst der Anfang. Heutzutage wird Politik bereits nach den gleichen Mustern wie Werbung gemacht. Das Image von Politikern ist heute wesentlich wichtiger als das Programm seiner Partei.

    Übrigens, der „Vater“ der heutigen PR, Edward Bernays, wurde auch von Goebbels gelesen. Die ersten Sätze aus seinem bekanntesten Buch, „Propaganda“:

    Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft. Wer die ungesehenen Gesellschaftsmechanismen manipuliert, bildet eine unsichtbare Regierung, welche die wahre Herrschermacht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Verstand geformt, unsere Geschmäcker gebildet, unsere Ideen größtenteils von Männern suggeriert, von denen wir nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Große Menschenzahlen müssen auf diese Weise kooperieren, wenn sie in einer ausgeglichen funktionierenden Gesellschaft zusammenleben sollen. In beinahe jeder Handlung unseres Lebens, ob in der Sphäre der Politik oder bei Geschäften, in unserem sozialen Verhalten und unserem ethischen Denken werden wir durch eine relativ geringe Zahl an Personen dominiert, welche die mentalen Prozesse und Verhaltensmuster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden ziehen, welche das öffentliche Denken kontrollieren.

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