Ein Fehler

den man nicht begehen sollte, ist, sich länger als 10 Minuten die Blogs der Kommentatoren in den so genannten A-Blogs (das sind die ganz oben in den deutschen Blogcharts) anzuschauen. Ich habe mich eben schon wieder schwarz geärgert über Plattitüden, Ressentiments, Populismus, Profanes, Effektheischerei, unreflektiertes und unbezahltes Apple-Produktpalette-Angepreise, 10 YouTube-Videos untereinander, 10 Spreeblick/Nerdcore/digg.com-Contentübernahmen untereinander, ja-und-Amen-Beiträge zu A-Blogger-Meinungen, Trackback-Speichelleckereien oder die üblichen Zusammenfassungen des neuesten StudiVZ-Skandälchens. Man bekommt immer mehr den Eindruck, die meisten Blogs werden nur zum Zweck der Selbstversicherung betrieben: „Schaut her. Ich bin wer, [liebe Bürokollegen, liebes Spiegelbild,] ich habe ein Blog! Ich bin nicht so langweilig wie ihr, ich habe Trackback-Freunde!“ Klaro, ich glaube schon, dass man eine narzisstische Ader zum Blogger-werden und Blogger-bleiben braucht. Bloß krieg ich die Krätze beim zehnten Blog, das ich lese, welches nicht einmal meinem geringen Ansprüchen an Inhalt genügt. Verständlich isses schon, wenn frische Blogs sich erst einmal mit Ideen und Konzepten füllen müssen und dabei ausgestanzte Wege beschritten werden, beinahe jeder hat so angefangen (ich auch). Wer aber nichts zu sagen hat, der soll es bitte lassen, zumindest nicht den täglichen Pro-Forma-Post raushauen. Es gibt andere Methoden sich mitzuteilen: Telefon, Fax, herkömmliche Briefe, Skype, Flickr, Hand- und Rauchzeichen, ja – gar Schweigen kann Kommunikation sein. Denn für die allermeisten Dinge, die heute in Blogs stehen, braucht’s leider kein Blog.

Die gleiche Windrichtung hat ein Artikel von .markus, der beschreibt, warum er sich nicht als Teil einer irgendwie mit übereinstimmenden Charaktereigenschaften gesegneten Gruppe, die von aussen und zunehmend auch von innen als „die“ Blogosphäre typisiert wird. Spontan kommen dabei in mir Assoziationen zur sommerlichen Patriotismus-Scharade auf mit ihrem verkrampften „hach, sind wir unverkrampft patriotisch“-Paradigma. Falsch an einem Satz „Wir Blogger sind gefährlich für die etablierten Medien“, den man gerne auch mal aus Bloggerkehlen hört ist nämlich nicht die eigentliche Aussage, auch nicht die Drohung im Subtext, nicht die darin steckende Selbstüberschätzung, sondern das verallgemeinernde „wir“.

Eine Frage bleibt aber: Wie abgrenzen? Über die Blogging-Software geht’s sicher nicht, über das Design vielleicht, aber nicht nachhaltig. Nee, ich hätte ’ne andere Idee: Weniger Meta-Content, mehr selber schaffen. Also los, marsch, marsch!

3 Kommentare

  1. TITLE: Traurige Zeiten…
    Aber es gibt auch Blogs da wird vornehmlich selbst geschrieben, und das ist immernoch die Mehrheit! Bei mir gibts auch mal Videos, oder „Webfundstücke“, klar, aber das meisste ist auf meinem eigenen Mist gewachsen.

    Ps: Nerdcore und fieser A-Blogger? Irgendwie, nö!

  2. Ich beziehe mich keinesfalls nur auf dein Blog. Der Kram lag mir schon länger „in den Fingern“.

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