Erfahrungsbericht: Mein Blogumzug von twoday.net nach WordPress

So, es ist vollbracht. Zumindest zu einem guten Teil. Zitronengras heißt Citronengras, aus einem twoday.net-Account mit antville-Software ist eine echte .de-Domain mit WordPress-Installation geworden. Und auch wenn ich noch nicht ganz fertig bin, kann ich hier mal innehalten, verschnaufen und ein erstes Fazit ziehen. Klingt das sehr pathetisch? Du ahnst ja nicht, was ich hinter mir habe!

Das folgende Gedächtnisprotokoll setzt sich damit auseinander, wie ich den Umzug erlebt habe. Es stellt keine Garantie dar, dass diese Probleme bei Dir auch auftauchen. Ich möchte lediglich mögliche Tücken dokumentieren und von vornherein Lösungswege zeigen. Die Beschreibung des Umzugs versteht sich als Ergänzung und Kommentar zu einer kleinen aber hervorragenden Anleitung auf fellowpassenger.de, sie soll sie aber nicht ersetzen.

Die Gründe

citrgr-smallWarum nun dieser Umzug? Der erste und wichtigste Grund ist natürlich der, dass ich endlich „Herr im Hause“ sein will. Das bedeutet: Nach Lust und Laune Änderungen vornehmen können, selber die Plugins auswählen, nicht auf eine uralte und propietäre Blog-Software angewiesen sein. Freilich, mit Fachwissen und Ausdauer lassen sich die meisten Sachen auch in einem twoday-Blog verwirklichen. Aber man ist doch immer wieder auf Krücken angewiesen. Ein Beispiel: Wenn ich ein Flash-Applett zum direkten Abspielen von Soundfiles auf dem Blog haben will, kann ich den del.icio.us-Playtagger verwenden. Das wissen die meisten vermutlich nicht mal, weil’s nirgendwo dokumentiert ist. Dessen Javascript-Code füge ich in mein Template oder eine Free Text-Box ein und fertig. Funktioniert, lässt aber nicht sonderlich viel Gestaltungsspielraum. Bei WP habe ich hingegen die Auswahl zwischen unzähligen Playern, die ich hinsichtlich Design und Farbgestaltung meistens sogar noch weiter anpassen kann. Und vor allem: Die liegen bei mir auf dem Server! [Montezumas Rache ereile mich für folgenden Satz:] Wenn del.icio.us mal lagt, zieht’s bei mir nicht an der Server-Performance.
Ein anderes Beispiel: Das RSS-Modul von twoday.net ist buggy. Was soll ich tun? Irgendein blödes JavaScript Widget von irgendwo nehmen, das auch noch blöde aussieht, in der Hoffnung, deren Server macht nicht schlapp? Ich sag mal so: Grmpf!

BlogDesk ist ein okayer Blogeditor, aber er wird seit einiger Zeit nicht weiterentwickelt und ich möchte mal andere ausprobieren. Nur scheint BlogDesk als einziger Kandidat im Feld die von twoday genutzte antville-API zu unterstützen. Kann man das twoday vorwerfen? Nö, aber durchaus trotzdem als Grund nehmen, auf WordPress zu wechseln. Und ausserdem, was soll das mit Technorati? Jedes gelöschte oder als Spamblog eingerichtete twoday-Blog wird bei Technorati mit der twoday-Startseite weiter aufgelistet. Ebenda werden aber stets die aktualisierten twoday-Blogs angezeigt, so dass mir ständig die twoday-Startseite als verlinkender Blog angezeigt wird. Verwirrend? Nun, meine Technorati-„Blogs that link here“-Seite sah zuletzt so aus:

Das mag zwar gut für meinen „Blograng“ sein, aber ich spiele lieber ehrlich. Mich nervt’s also.

Auch fand ich eine .de-Domain reizvoll. Sie ist einfacher zu merken und ich kann mich auch von der Vermutung nicht freimachen, dass eine Website mit eigener Domain als relevanter wahrgenommen wird. Wie siehst Du das, lieber Besucher? Nachteil daran ist, dass ich nun etwas aus dem Schatten der Anonymität trete. Die Impressumspflicht greift und meine Adressdaten sind per Denic abrufbar. Um ehrlich zu sein, gefällt mir das nicht sonderlich. Aber gut, den Preis bezahle ich. Ich vertrete meine Meinung zwar häufig harsch, bewege mich aber meines Erachtens in den Grenzen der in Deutschland garantierten Meinungsfreiheit. Mit Copyright-Geschichten sieht’s etwas anders aus. Dank anarchischem Geist hin und wieder rechtlicher Unsicherheit gesegnet bewege ich mich mitunter in Grauzonen. Aber auch da gebe ich mir Mühe, bestehende Regeln einzuhalten. Was nichts daran ändert, dass ein gewiefter Abmahn-Aasgeier, der bei mir etwas finden will, auch etwas finden wird. Aber was soll’s? Ich vermute, es gibt wenige ernsthaft und kontinuierlich geführte Weblogs in Deutschland, die nicht hin und wieder an solche Grenzen stoßen.

Als letzter Grund für die .de-Domain im direkten Vergleich zum kostenlosen Angebot ist natürlich das etwas herbe Speicherlimit von 3 MB bei twoday zu nennen. Klaro, twoday will auch Kohle mit ihren kostenpflichtigen Pro-Accounts machen. Aber ehrlich, wer bezahlt für etwas, das er mit minimalem Aufwand auch anders haben kann? Ich kenne einige twoday-Blogs, auf denen die Bilder bei Flickr lagern und die Soundfiles bei podster, aber keines, bei dem der Besitzer für seinen Account bezahlt. Die Menschen sind schlecht! Ich ja auch… Aber jetzt, da ich mich dazu entschieden habe, für mein Hobby Bloggen auch Geld zu bezahlen, da möchte ich’s auch richtig machen.

Zugute halten kann man twoday.net, dass sie einen relativ unkomplizierten Einstieg in die Bloggerei bieten, der zudem werbefrei ist. Auch dass man die Templates überhaupt editieren kann, ist toll. Die Community-Features sorgen bei einem regelmäßig aktualisierten Blog für einige Besucher und eine gewisse „Grundverbundenheit“ der User untereinander. So wie ich heute manchmal bei WordPress Deutschland oder in Blogkommentaren ziellos auf Links klicke, so habe ich seinerzeit die twoday-Startseite abgegrast und dort einige Leute mit ihren Blogs kennengelernt. Fazit: Für den Anfang war’s okay, aber heute wünschte ich trotzdem, ich hätte gleich mit einem WordPress-Blog angefangen [Dafür gibt’s auch Anbieter für Einsteiger: wordpress.com zum Beispiel oder Simons symphatischer Überservice streetlog.de]. Denn wenn man sich nach den ersten Gehversuchen in der Blogosphäre entschieden hat weiterzumachen und für das ebenso weitverbreitete wie hochdynamische WordPress entscheidet, steht man mit anderer Herren Anbieter vor einem gewichtigen Problem…

Die Migration

Simon wies mich auf eine gute Anleitung für den twoday-WP-Umzug beim fellowpassenger hin, die ich zu befolgen gedachte. Nach erfolgreicher Installation von WordPress in der Version 2.1.1 (die Kikifax war) und unwesentlicher Trudeleien beim Konfigurieren der .htaccess machte ich mich also daran, die von twoday.net exportierte Datei (Plaintext, etwa 800 KB schwer) wie beim fellowpassenger beschrieben zu bearbeiten. Soweit kein Problem, mit dem gute Open Source-Texteditor Notepad++ gingen die Suchen & Ersetzen-Geschichten leicht von der Hand. Es ist ein bisschen tricky, man sollte wissen, dass man auch mit „nichts“ ersetzen, also gesuchte Stellen einfach löschen kann und dass es für Zeilenumbrüche ein Zeichen gibt, dass man sich aus dem Text kopieren und sowohl in die „Suchen nach“- als auch die „Ersetzen durch“-Maske eingeben kann. Die Grafiken und Bilder, die ich bei twoday hochgeladen hatte, lud ich alle in ein Verzeichnis herunter, auf den neuen Server in ein „oldimages“-Verzeichnis wieder hoch und ersetzte in der exportierten Datei mit ebenjener Funktion in Notepad++ die Pfade entsprechend. Das ist zwar nicht 100%ig notwendig, aber man sollte so fair sein und twoday nicht den Traffic der Bilddateien durch Hotlinking (also die alten Bild-URLs im neuen Blog weiter zu verwenden) zumuten. Außerdem kann es ja durchaus sein, dass man die „Altlast“ mal irgendwann löschen will.

In der Fellowpassenger-Anleitung wurde auch darauf hingewiesen, dass das Movable Type-Importmodul in WordPress fehlerhaft sei. Da sie jedoch schon einige Monate auf dem Buckel hatte, vertraute ich auf die Community und nahm die bereits vorhandene 2.1.1er-Version. Der Import funktionierte jedoch nicht, also nahm ich doch den vom Passenger (and I ride and I ride and I ride) empfohlenen Patch. Doch, oh Graus – auch hier das gleiche Problem. Die Artikel waren nicht da, obwohl mir die Importroutine sie als importiert anzeigte. Und das auch beim Versuch, die Artikel über die Kategorien zu erreichen, wie fellowpassenger.de empfahl. Irgendwie waren die Artikel in der Datenbank aber trotzdem vorhanden, denn die „Letzten Kommentare“ wurden mir im Dashboard (Tellerrand) angezeigt – klickte ich auf einen, war da auch der Artikel. Nach einigem Suchen und Fluchen also kam ich auf die Idee, die Edit-URL für jeden Artikel direkt einzugeben und anschließend manuell zu veröffentlichen. Die Artikel sind mit einer fortlaufenden Nummer versehen, deswegen ist das problemlos möglich. Aber qualvoll ist’s, da stupide und monoton.

Im Firefox sieht die Prozedur so aus: Zuerst die edit-URL ohne die Artikelnummer zum Schluß kopieren, also
http://mein-domainname.de/wp-admin/post.php?action=edit&post=
und daraufhin für jede Artikelnummer einzeln

  1. [Strg] + L (Sprung in die Adressleiste)
  2. [Strg] + V (Einfügen)
  3. Nummer eingeben (je +1) -> [Enter]
  4. Klick auf „Veröffentlichen“
  5. goto 1

Wissenswert: Selbst, wenn man in den Privatsphäre-Einstellungen des Blogs alle Optionen eingeschaltet hat, pingt WordPress in anderen WP-Blogs verlinkte Artikel automatisch an. Mit Geheimhaltung ist also nix, ausserdem führt das zwangsläufig zu Irritationen bei denjenigen, die mit Pingbacks zu Monate alten Artikeln beglückt werden. Ich hätte natürlich auch im Dashboard unter Einstellungen -> Diskussion den „Versuch jedes verlinkte Weblog vom Beitrag zu benachrichtigen“ unterbinden können, wenn ich von der Existenz dieser Option in dem Moment gewusst hätte.

Obige Prozedur kann bei einem Blogimport mit 250 Artikeln jedenfalls schonmal einen ganzen Abend in Anspruch nehmen. Am besten man betrinkt sich dabei. Das dämpft dann auch den auf die vollbrachte Veröffentlichungsorgie folgenden Schock: Eine gewisse Anzahl Artikel und Kommentare ist nämlich auf den 1. Januar 1970 datiert. Das kann gar nicht sein, denkt sich der Fachmann hier, denn 1970 gab’s weder WordPress noch Blogs noch das World Wide Web überhaupt. (Das hätte seinerzeit vielleicht einen Aufstand in der Blogosphäre gegeben, als die Beatles sich getrennt haben!) Beim manuellen Datieren fällt dann auch recht flott ins Auge, das es nur Beiträge und Kommentare betrifft, die in den Tageszeiten 12:00 bis 12:59 Uhr oder 00:00 bis 00:59 Uhr gepostet wurden. Warum ausgerechnet diese Beiträge fehlerhaft importiert wurden? Ich weiß es nicht. Oder, wie die Jugend zu sagen pflegt: kp.

Es heißt also: Nochmal stupide Arbeit, nochmal Saufen. Erst die Beiträge beackern, dann die Kommentare. Abgleichen mit der Online-Version im alten Blog und den Zeitstempel ändern. Ich Pedant hab’s natürlich auf die Minute genau gemacht.

Die letzten Schritte zur Glückseligkeit Komplettierung des Imports (um im Bild des Umzugs zu bleiben: den Dreck vom Tapezieren wegzufegen und die Möbel aufzubauen) sind jene, die auch vorher abzusehen waren, um die ich mich – Asche auf mein Haupt – aber immer noch zum Teil drücke.

  • interne Links zu ändern
  • das Theme anzupassen

Das sind aber so Sachen, die kommen mit der Zeit. Und ein paar Lampen bleiben immer unaufgehängt, einige Kartons immer unausgepackt.

Fazit

Würde ich’s wieder machen? Aber sicher. Von Natur aus mit einer gewissen Leidensfähigkeit und Tüftelaffinität ausgestattet, war das im Nachhinein betrachtet eine Aufgabe nach meinem Geschmack. Ich mag eigentlich monotone Arbeiten, dabei kann ich gut entspannen. Und der Alkohol macht ja auch vergessen. Ich bereue es vor allem auch deswegen nicht, weil es immer zuverlässige Importfunktionen für WordPress-Exportdateien geben wird. Falls irgendwann mal die neue Killer-Blogsoftware entwickelt wird (Serendipity soll ja bereits jetzt ziemlich gut sein), kann man sicher sein, dass die Migration einfach vonstatten geht, bei der Verbreitung von WordPress.

Alternativen

Eine Option für Blogger, die sich dem geschilderten Stress nicht zwingend aussetzen wollen ist es, oben ins alte Blog einfach eine dicke Umleitungsmeldung zu kleben und auf den Import zu pfeifen. Oder die WordPress-eigene RSS-Importfunktion zu benutzen, bei der allerdings zwangsläufig die Kommentare auf der Strecke bleiben. Beides nicht optimal, aber unter Umständen schonender für die Nerven.

14 Kommentare

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  3. Das klingt ja nach großem Spass. Ich hab noch ein zweiblog bei blogger.de aber ich glaub das lass ich einfach so wie’s ist udn werd nicht versuchen zu importieren.
    Aber ich hab’s mit meinem alten, selbstgeschriebenen, auf Textdateien basieren pre-Blog gemacht, das import-plugin hab ich selber geschrieben und nach zwei versuchen hat’s auch gepasst.

  4. Hat ja offensichtlich alles wunderbar geklappt. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Umzug und viel Spaß mit WordPress …

  5. Hm, dass hat ja gut geklappt… aber warum bezeichnest du antville(.org) / helma(.org) als „eine uralte und propietäre Blog-Software“? Beides Open-Source und nicht sonderlich alt.
    Achja, Willkommen im WP-Update-Circus 😉

  6. @ Frank:

    Ich neige zur Dramatisierung. 😉 Hatte aber auch in dem Jahr bei twoday nicht das Gefühl, als habe sich viel getan. Um ehrlich zu sein, habe ich den Update-Zyklus nicht sonderlich intensiv verfolgt.

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  9. Hallo,

    danke für Deinen Bereicht. Die „gute Anleitung für den twoday-WP-Umzug beim fellowpassenger“ ist nicht mehr erreichbar. Hast Du da vielleicht einen neuen Link? Bin selbst nicht fündig geworden.

    Grüße
    Rainer

  10. Der Fellow Passenger hat, scheint’s, seine Permalinkstruktur geändert. Die neue URL der Anleitung ist diese.

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