„Es stirbt sich bequemer in Berlin“

Eigentlich kann ich verbitterten alten Damen nichts abgewinnen, aber das Interview von Thomas Knauf mit der soeben aus Jerusalem nach Berlin-Grunewald umgezogenen Angelika Schrobsdorff in der Berliner Zeitung ist einfach herrlich.

„Als Friedensaktivistin tauge ich insofern nicht, weil ich die Sprache der Politik nicht beherrsche und vor der geringsten Grobheit oder Vereinfachung der Dinge zurückschrecke.“

„Ich halte die Neonazis für eine unglückselige Gattung dummer Kerle, die mit Gewalt in die Medien wollen. Ich hoffe, nicht mit ihnen in Berührung zu kommen. Bedroht habe ich mich nur einmal gefühlt, nach dem Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Ich saß mit einer Freundin auf dem Kudamm im Autostau fest, umringt von kreischenden, fahnenschwenkenden Horden. Doch das waren keine Neonazis, sondern biedere, deutsche Bürger, die ihr aufgestautes Selbstvertrauen wiedergefunden hatten.“

„Ich will meine Ruhe, finde sie aber nicht, weil Journalisten wie Sie auch irgendwie leben müssen.“

– „Ich wollte nicht warten, bis ich einen Nachruf auf Sie schreiben darf.“

„Na bitte.“

Die Dame hat nachwievor Esprit. Vielleicht sollte ich mal ein Buch von ihr lesen.