Family Affairs

Ich trau mich ja fast nicht, das zu sagen… aber so ganz falsch finde ich es gar nicht, was der Bischof Mixa da zur Familienpolitik sagte (wenn ich diesem öffentlichkeitaffinen Militärpfarrer auch sonst skeptisch gegenüber stehe). Seine Kritiker unterstellen ihm ja hauptsächlich, er würde Frauen die Wahlmöglichkeit zwischen Familie und Beruf absprechen wollen. Das ist aber gar nicht der Fall.

Im Gegenteil: Tatsächlich wird mit den staatlichen Mitteln, genauer: dem neu eingeführten Elterngeld und den neuen Bestimmungen zur Kinderbetreung daran gearbeitet, dass eben diese Wahlmöglichkeit nicht mehr besteht. Das vdL-Idealfamilienbild sieht doch so aus, das nach einem Jahr Elternzeit und zwei optionalen Alibi-Gleichstellungsmonaten das Kind in die Krippe und die Eltern zurück ins Büro geworfen werden. Wer sich nicht fügt, hat finanzielle Nachteile (stärker als z.B. noch vor einem Jahr) zu tragen. Über die eher wenig bekannten Haken im Elterngeld habe ich im November schon ein paar Worte verloren – statt einer egalitären „Subvention“ werden seit Januar diesen Jahres reichere Eltern deutlich bevorzugt. Es sollen ja auch bitte die richtigen Leute Kinder kriegen, gell? Hat da einer Chancengleichheit gesagt?

ursel vonne leyneAber man sollte seinen Blick von der idealen Familienstruktur (welche zumindest in meiner Umgebung kaum noch existiert) etwas schärfer auf die fokussieren, um die es eigentlich geht: Die Kinder. Ja glaubt ihr denn wirklich, es wäre toll für ein Kind, schon mit zwei Jahren Englisch lernen zu müssen? Ich bitte euch. Die Kindheit ist nicht zum Lernen da, sondern zum Erforschen der Welt, zum Spielen. Sicher, das lässt sich auch verknüpfen – aber die Entscheidung sollte man den Kindern lassen. Der „Ernst“ des Lebens, der Zwang zur Verantwortung und die Gewöhnung an ein gesellschaftliches Klima, welches eine Verweigerung zur Aufopferung in das Leistungsmantra sanktioniert, beginnen noch früh genug. Ebenso brauchen Kinder ihre Eltern. Die Folgen einer frühen Entfremdung sind seit langem untersucht. Da kann die pädagogische Fachkraft im Kindergarten noch so fürsorglich sein – als Kind ist man dort doch nur eines unter vielen. Und abends bei den Eltern hat man es dann mit abgekämpften Feierabendleichen zu tun? Na fein.

Sicher gibt es Kinder, für die es von Vorteil wäre, stärker von ihren Eltern gelöst zu werden. Es mag – gerade bei jungen Eltern – verstärkt Defizite im Wissen um den emphatischen Umgang mit Kindern geben[1], genauso wie schlichte Überforderungssituationen. Aber es gilt hier abzuwägen zwischen der Autonomie des Einzelnen und dem Wohl des Kindes. Die müssen sich ja nicht zwingend ausschließen: Ein pauschales „Kinder in die Krippen“ ist meines Erachtens genauso falsch wie „der Staat hat sich aus der Sphäre des Privatlebens herauszuhalten“. Vielleicht wäre eine individuelle Begleitung und eine Art Krisensituations-Training für junge Eltern das Richtige. Möglicherweise wäre das für Vati Staat sogar billiger als eine Betreuungs-Flatrate.

  1. Nicht nur in den unteren Gesellschaftsschichten. Die jüngste Disziplin-Diskussion, zentriert um Bernhard Buebs abartiges Pamphlet gehört genauso dazu. [zurück]

2 Kommentare

  1. Eine individuelle Begleitung wäre sicher eine bessere Lösung. Allzu häufig ärgere ich mich über den Umgang einiger Eltern mit ihren Kinder – Fragen werden niedergebrüllt statt beantwortet; „bei Fuß, Kevin“ mag zwar nur in meinen Kopf existieren – meinen tun es aber viele Eltern. Für diese Kinder wäre in meinen Augen jede Minute ein Gewinn, die sie nicht mit ihren Eltern verbringen müssen. Zumal sie zuhause vermutlich vor das TV-Gerät abgeschoben werden…
    Allerdings hätte ich mich in einer Ganztagsbetreuung nicht wohlgefühlt…

  2. Naja, also dem nöhligen Mixa trau ich durchaus zu, dass er aus seiner eigenen ideologischen Verblendung gegen Frau Von der Leyens Pläne wettert und er die Weibchen ganz allgemein und nicht nur für die Zeit der Kleinkindbetreuung zurück an den Herd scheuchen will, dennoch hat er zufällig ein bißchen recht. Nämlich insofern, als er ausspricht, dass man als Mutter in unserer unreflektiert leistungsfixierten Gesellschaft eben nicht mehr das eigentlich selbstverständliche Recht hat die ersten drei Jahre mit seinem Kind zu verbringen.
    Und auch was den Vorwurf Ideologische Verblendung anbelangt muss ich Mixas Äußerungen zustimmen, denn in der Tat kann man hinter der extrem frühen Krippenplatzierung eine gewisse ideologische Vereinnahmung vermuten; bzw. will ein Staat (wie z.B. Großbritannien) die eigene Bevölkerung auf gewisse Denkmuster programmieren fängt er am besten ganz früh an.
    Und da man in Deutschland gerne besonders eifrig nachmacht was aus dem angelsächsischen Raum herüber schwappt, finde ich es durchaus bedenklich wenn es Usus werden sollte, dass man sein Kind nach spätestens 14 Monaten in staatliche Obhut gibt.

    Zum Punkt Problemfamilien: Die Kernfamilie prägt uns am meisten. Hat man das Pech in schwierige Verhältnisse geboren zu werden, so kann zwar durch öffentliche Betreuung einiges abgefangen werden, aber letztlich würde es den Betroffenen – und auch der gesamten Gesellschaft – am meisten helfen wenn die Eltern angeleitet und in die Position gebracht würden mitfühlend und kompetent mit ihren Kinder umzugehen.

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