Gehirn in die Maschine, 90 Grad, mit Vorwäsche – und Schleudern nicht vergessen!

Für Paul

Was sich meine Regierung wohl mit dieser Werbekampagne gedacht hat? Ob es wirklich Leute in meinem Alter gibt, die denken: „Jippie Jay, entweder zwei Jahre länger knechten oder weniger Rente kriegen, dafür bin ich meinem geliebten Vaterland aber dankbar“? Nun, Seifenblasen und sattgrüne Wiesen (die anderen Motive sind auch nicht besser) erzeugen immerhin eine fluffige Stimmung inmitten des immer grauer werdenden Herbstes, da darf die Logik auch mal auf der Strecke bleiben.

Ach Moment… Die Entscheidung, das Renteneintrittsalter zu erhöhen war ja auch unumgänglich, gell? Schließlich – so hört man dieser Tage oft – wird das Volk immer älter, aber die Löhne steigen nicht. Mindestlöhne könnten daran etwas ändern? „Nööööö!“ schreien die von INSM, Bertelsmann und wie das Drecksgesindel heißt, das uns regiert und fordern ungeniert weiter mantraartig Senkungen der Lohnnebenkosten. Zu denen gehört schließlich auch die Rentenversicherung, dessen Anpassungen über das genial einfache Umlageverfahren geregelt ist und – damit hatte Norbert Blüm recht – die Rente eigentlich rundum absichert. Bloß verstößt das gegen die Interessen von Arbeitgebern („Was? Zwei Cent die Stunde mehr, bloß für die blöde Rentenkasse? Wohl noch nie was vom globalen Wettbewerb gehört?“) und einer bestens an der german angst vor der demographischen Apokalypse verdienenden Privatversicherungswirtschaft. Und da liegt der Hundt begraben: Lieber subventioniert Vater Staat private Zusatzrenten und schaufelt so mit am Grab eines guten solidarischen Prinzips als dass er der Kaste aus gut bezahlten Einflüsterern mal den gepflegten Tritt in den Allerwertesten verpasst, den sie moralisch verdient hätte. Sozialstaat ist ja auch megaout, gell? Findet auch Paul: Mehr Elite, mehr Eigenverantwortung und so, das bringt ihm auch Klassenlehrerin Frau Müller bei, die immer schön das kostenlose Lehrmaterial von der INSM benutzt. Der Markt wird’s richten. Alles. Selbst den Hunger in den Klassenzimmern der Republik. Paul darf weiterhin Seifenblasen auf seiner grünen Wiese platzen lassen, denn er hat das Glück einen reichen Daddy zu haben, so dass ihm in seiner Zukunft das Schicksal des Pöbels als Opfer der demnächst wiedereingeführten Sklaverei erspart bleibt.