German Police

Interessant: Eine terroristische Organisation namens Daten-Antifa hat ein privates Polizeiforum gehackt. Sämtliche Threads und PMs sind “freigesetzt”.

Vielen Dank geht an dieser stelle an Bundesinnenminister Schäuble, der die legislative Grundlage für die hier angewandte Form der Online-Durchsuchung maßgeblich mit geschaffen hat.

Da die Auswertung der Daten aufgrund ihrer Masse noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird, haben wir uns dazu entschlossen den Bürgerinnen und Bürgern eine vorab Version in Form von SQL-Daten zu Verfügung zu stellen. Als bequemere Alternative stellen wir Ihnen eine ältere Version der beschlagnahmten Daten im HTML-Format zum Download bereit.

Generalbundesdatenantifaschist
Hagbard Celine

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Einige knackige Beispiele für mögliche Peinlichkeiten gibt’s schon bei indymedia in den Kommentaren zu lesen.

Und da sieht man mal wieder, welches Potential P2P besitzt: Während die Download-Mirrors für die Datenbank (im SQL-Format) sowie die lesefreundlichere HTML-Version flott gesperrt wurden, gibt’s die Dinger wie selbstverständlich weiter im eD2K-Netz per eMule und aMule runterzuladen.

Disclaimer: Ich rufe natürlich ausdrücklich auf, das nicht zu tun. Man macht sich schließlich strafbar damit.

[via]

[UPDATE:] Nach genauerem Nachdenken habe ich mich entschlossen, noch klarzustellen, dass ich die Aktion keinesfalls in jedem Aspekt gutheiße. In dreierlei Hinsicht jedoch schon.

Erstens stellen u.A. die Kommentare bei indymedia durchaus anschaulich dar, wes Geistes Kind manche unserer Gesetzeshüter sind. Ich habe persönlich habe, hier in Berlin überwiegend positive Erfahrungen mit der Polizei gemacht. Muss man auch mal sagen: Die meisten machen ihren Job gut. Aber die wenigen, die offensichtlich rassistischen, sexistischen, autoritären oder gewaltverherrlichenden Denkmustern aufsitzen, gehören nicht in die Exekutive. Ich gebe mich nicht damit zufrieden, das auch die Belegschaft der Polizei nur ein Querschnitt der Gesellschaft ist.

Zweitens: Datensicherheit. Glaube nie, dass irgendetwas, das Du ins Internet reintippst, -schickst oder -sprichst, nur für dich einsehbar wäre. Wissen wir alle, vergessen wir immer wieder. Ich auch.

Drittens, bei all den pikanten Privatgeschichtchen die da ans Tageslicht kommen mögen – deren Veröffentlichung moralisch verwerflich ist – sollten wir uns vergegenwärtigen, dass genau solche Daten zu sammeln und auszuwerten der Staat ebenso willens und im Stande ist – eben als “Kollateralschaden” zur Bekämpfung von Terror, Kinderpornographie, Steuerbetrug oder was sonst gerade Legitimationshoheit besitzt. Das ist nicht erst seit dem Bundestrojaner, der Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie und Schäubles Terrorpsychose so. Staatsanwälte sind heute äußerst nachlässig, was Genehmigungen für “große Lauschangriffe” angeht. Verdacht auf einen Verdacht? Tun Sie’s. Bedenke, dass es nicht einmal zwingend Du sein musst, der observiert wird. Vielleicht wird deine E-Mail schon deswegen gelesen, weil sie zwei, drei verdächtige Keywords enthält. Vielleicht wird dein Telefonat mitgeschnitten und dein Handy geortet, weil dein Gesprächspartner hin und wieder Gras verkauft. Und auch wenn immer wieder munter kolportiert wird, dass die Fahnder in Datenfluten ertränken, schreitet auch die Automatisierung von Datenorganisation und Analyse voran. Um den Bogen zurück zum gehackten Polizei-Board zu spannen: Während noch vor zwanzig Jahren eine ganze Brigade an Stasi-Graumännern die gesammelten “Erkenntnisse” tagelang hätte durchforsten müssen[1], könnte man heute die Datensätze mit Betriebssystem-eigenen Bordmitteln nach den wirklich interessanten Begriffen in Sekunden durchpflügen, egal ob es jetzt “npd”, “bimbo”, “schwul”, “terror” oder “korruption” ist. Nein, ich habe das nicht ausprobiert. Was ich sagen will: Wenn die Daten erstmal raus sind, sind sie raus. Und wer weiß, welche technischen Möglichkeiten in zehn Jahren herrschen, um die heute gewonnen Daten zu analysieren? Techniken, die angewandt werden können, werden angewandt, kannste Gift drauf nehmen. Wie man u.A. an den pfeilschnell offline gegangenen Mirrors der Boardarchive sehen kann, sind die Mechanismen effizient, aber diskret. Ich sag’s mal in aller Deutlichkeit: Paranoia sind angebracht – allerdings nicht die vor den bösen Terroristen…

  1. Musste Fox Mulder nicht auch mal als “Strafarbeit” beim FBI Telefongespräche abhören und ist daran fast zugrunde gegangen? [zurück]

11 Kommentare

  1. Das Archiv mit der HTML-Version ist > 8 MB schwer. Für jemanden, der sowas faken wollte, wäre das einiges an kreativer Leistung.

  2. OK, im Taumel der Träume vom Beginn der Revolution habe ich das kleine Wörtchen “privat” überlesen und meine kurze Verwunderung, dass Cops im Polizeinetz PMs austasuchen, schnell wieder verworfen… :-)

    Trotzdem eine klasse Aktion. Auch wenn ich Deine Bedenken durchaus teile, es sind immerhin private Geschichten, aber manchmal muss man sein Weltbild einfach auf simpelste Schwarz-Weiß-Einteilungen runterfahren und genießen, was da ist.

  3. Prima..

    Das zeigt uns nur allen, wie die Wirklichkeit läuft!!!

    Hört also auf, den politischen Märchen aus den Fernsehern und den Zeitungen zu lauschen…

    Schreibt selbst Geschichte..

    Die Wirklichkeit findet Online in Echtzeit statt

    Der Kampf um die wahre Selbstverwirklichung hat schon begonnen..

  4. Sagen wir es mal so. Man sollte seinen privaten Rechner wie einen Garten betrachten. Man pflanzt nicht nach den eigenen Bedürfnissen, sondern das, was der Nachbar über den Zaun sehen soll.

    Da ich will das der Nachbar sich aufregt, pflanze ich das was er nicht mag. Bei mir kann Schäuble kommen. Es wird ihn lange beschäftigten. Das Zeug das ich eh nicht brauche habe ich mehrfach verschlüsselt, damit es viel Arbeit macht und trotzdem nutzlos ist.

    Nett sind auch Binärdateiten die endlos aneinandergereiht und gemischt zwar keinen Sinn ergeben, aber viel Zeit kosten.

    Machen wir den Leuten doch einfach das Vergnügen sie zu beschäftigen.

  5. Interessant oder lustig ist die Aktion allemal. Und wenn sie dazu beiträgt Machenschaften unserer “Ordungshüter” aufzuklären auch sinnvoll.
    Aber: all dies hat nichts mit der pauschalen Veröffentlichung privater Daten zu tun. Im Prinzip ist die Aktion auf eine Art ja schlimmer als Schäubles Pläne. Schließlich plant dieser ja nicht den mailverkehr pauschal der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
    Die Daten hätten ausgewertet werden müssen, und nur! das was für die Öffentlichkeit Relevanz hat hätte anonymisiert veröffentlicht werden dürfen.
    Denn: was geht uns der Liebeskummer der Bullen an? Welches Recht haben wir zu erfahren wie sie sich gegenseitig zum Geburtstag gratulieren? Wie kann es sein, das plötzlich darüber gejubelt wird wenn Psydonyme in Klarnamen und Anschriften verwandelt werden?

  6. Ich teile deine Sicht, Corto. Allerdings könnte man argumentieren, dass solche “Schweinereien” erst öffentlich im wahrsten Sinne gemacht werden müssen, damit Lieschen und Hänschen Müller sie überhaupt wahrnehmen (wird nicht so sein). Aber macht die Tatsache, dass BKA und Co meine Privatsphäre hinter verschlossenen Türen auswerten, das wirklich zu “besserer” Schnüffelei?

  7. @maloXP

    Aber macht die Tatsache, dass BKA und Co meine Privatsphäre hinter verschlossenen Türen auswerten, das wirklich zu “besserer” Schnüffelei?

    nein, natürlich nicht. Da habe ich mich auch nicht gut ausgedrückt mit der Formulierung “auf eine Art schlimmer”.

  8. hier gibts den dump online zum nachlesen > [Link entfernt –maloXP]

  9. Tach,

    ich kenne zwar die Inhalte der Mails nicht, (eigentlich gehen sie mich auch nichts an), aber sowas tut man nicht. Polizisten sind auch nur Menschen und Menschen denken.
    Es ist deren Recht, zu denken. Das müssen sie auch. Die privaten Geheimnisse von Menschen sind vielleicht eine Art Spiegel der Gesellschaft, ohne irgendwas zu verdrehen. Wenn Leute irgendwelche Ansichten haben, die sie nur privat äußern, weil sie, wegen des Inhalts, es nicht öffentlich machen dürften, dann sehe ich da kein Problem drin. Auch nicht für Polizisten und andere Beamte der Regierung. Das ist deren privates Recht, Recht auf freie Meinungsäußerung.
    Übrigens vielleicht einfach gefährlich, wenn man seinen Frust nichtmal über Worte ablassen darf. Vielleicht staut sich dann zuviel Wut auf, die sich dann im falschen Moment in Gewalt äußern würde.
    Allerdings gilt diese Meinung nicht für Straftaten, also, Absprache im Netz, gesetzeswidrige Handlungen vorzunehmen, finde ich. Wenn die Hacker damit z.B. terroristische Aktionen aufgedeckt haben sollten, dann haben Sie anscheinend gewissermaßen den ersten “Volkstrojaner” geschaffen.
    Also miese Gaunereien aufzudecken ist was anderes, als Leute wegen privater Meinungen bloß zu stellen, finde ich.
    Und nun wichtige Informationen, allerdings ohne Namensnennung der Täter, für das Volk in der Richtung zu vertuschen, halte ich für unpassend und unterdrückend.
    Private Meinungen von Polizisten halte ich grundsätzlich für interessant, auch Meinungen in anderen geheim belassenen Foren. Aber so ist es nunmal, wenn man gerne Geheimnisse hat. Immer, wenn man irgendwas privat miteinander besprechen möchte, ohne dass andere mithören können, gibt es dafür einen Grund. Menschen haben Geheimnisse. Deswegen empfinde ich persönlich es als unpassend, die Namen derjenigen öffentlich zu nennen, auch aus dem Grunde, dass die Namen von Bürgern nun irgendwo stehen, was einen Rufmord derjenigen zu Folge haben könnte, ohne die Möglichkeit, dazu Stellung genommen zu haben.
    Inwieweit z.B. der Bundesnachrichtendienst die Exekutive Gewalt und auch sich selber beobachtet hat, weiß ich nicht.
    Nun stellt sich für mich die Frage, für wie weit ein Überwachungsapparat im Staat geschaffen werden sollte und wer überhaupt überwachen soll.
    Bislang kann man ja anscheinend die Medien als vierte Gewalt ansehen, die sozusagen die drei anderen Gewalten überwacht.
    Im Prinzip finde ich das in Ordnung. Aber Namen von möglichen Straftätern öffentlich preisgeben, (an den pranger stellen), finde ich nicht so gut, weil der Ruf der betreffenden Person damit dann nachhaltig geschädigt sein könnte. (”Im Zweifel für den Angeklagten”).
    Ich habe bislang selber keine geheimen Daten zu dem Ganzen gelesen.
    Ich weiß also nicht, was alles geschrieben wurde und wie man sich ausgedrückt hat. Also, die Art und Weise des Geschriebenen ist mir unbekannt. Aber dazu würde ich einfach mal sagen, dass man so etwas nicht zu ernst nehmen sollte. Wenn z.B. jemand mal nen schlechten Tag hatte, vielleicht noch “alkoholisiert” ist und sich dann zu “vulgären Ausdrücken niederlässt”, was er sonst nicht machte, sollte man ihm das normalerweise nicht dauerhaft übel nehmen. Und von Fehlern sind Polizisten nicht ausgeschlossen, solange es Menschen sind.

    Wenn ich jetzt mal nachdenke, wie es wäre, wenn jemand alle meine Mails mit Daten von Absender und Empfänger, im Internet bloßstellen würde, dann würde ich den nicht nur anzeigen, sondern vielleicht auch persönlich aufsuchen, wenn ich wüßte, wo der ist. Denk ich mal. Und ich hoffe, ich würde mich dann trauen, ihn “nach Strich und Faden” zu verprügeln, wozu ich mich eigentlich normalerweise nicht imstande fühle. Vielleicht wäre es aber noch besser, den mal spüren zu lassen, wie sowas ist. Eine Abschreckung vor solchen Gemeinheiten zu bringen.
    Also, ich denke, wenn von der Polizeiseite alle Mails und Texte freizugänglich gemacht haben und dann auch noch “möglichst weit in die Welt”, wo der deutsche Staat jetzt noch nicht “nicht hingreifen kann”, verschickt haben, dann ist das eine Unverschämtheit, die ich als “Normalbürger” als Bosheit verurteile. Allein schon, wenn z.B. einer fremdgegangen wäre und einen anderen fragt, was er tun soll und nun dessen Frau das liest. Also Beispiel. Also, das wäre absolut daneben.

    Ich weiß nicht, wer da rumgehckt hat und wieso er es schaffte. Ich weiß aber, dass mir diese Hackerei ziemlich auf den Geist geht, allein schon, wenn man als privater Internetbenutzer Viren und Trojaner bekommt, die das System auch noch lahmlegen können. Da sitzen irgendwelche Leute vielleicht den ganzen Tag an ihrem “heißgeliebten” PC und schädigen, vielleicht einfach nur zum Spaß, andere leute, die ihnen nicht getan haben. Nur so.

    Bei den Hackern, die die Polizeiseite gehackt haben und die entstandene “Datenfreigabe” öffentlich zugänglich machten, ist meine Frage, ob die das aus Rache gemacht haben oder wie die auf die Idee kamen. Irgendeinen Grund muss das ja haben. Und meine Frage ist, ob die ausreichend diskutiert haben, alles preiszugeben und welche Argumente dazu führten.

    So weit

    gruß

    Michael, z.Zt. arbeitsloser Handwerker, (kein Polizist oder Beamter)

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