Geschichten aus dem wahren Leben

Arbeitsamt
Bild: Moe_ (cc)

Wir Ego-Spritzpistolen der Blogosphäre! Während man hier in dieser Ecke des Schulhofs Internets in großen Lettern und abgerundeten Kästchen bis zum Erbrechen Für und Wider der neuesten Designentscheidungen aus dem Hause Apple abwiegt, leider nicht nur im Frühling selbstreferentielle Meta-Stasen explosionsartig erblühen, den begeisterten Scharen täglich neu lustige Videoschnipsel präsentiert werden und das obendrein den Printmedien noch als journalistische Revolution verkauft wird …

… währenddessen führen hunderte, vielleicht tausende andere Leute ihre Threads in themenspezifischen Foren exakt so wie ein Weblog, aber kaum jemand nimmt Notiz davon.

Ein krasses Beispiel ist „Kein Geld, viele Probleme, falsche Reaktionen“. Ein Thread im Erwerbslosenforum, auf den meine Liebste per Zufall stieß. Mario, 26jähriger Ex-Student, schildert dort im völlig schmucklosen schwarz-weiß-grauen Forenlayout die Unfassbarkeit seiner Korrespondenz mit Jobcenter und Arbeitsagentur (in der Hauptsache) sowie seine prekäre Lebenssituation (nebenbei). Es ist lesens- und bewundernswert, wie sich einer das abringt, diesen täglichen Kampf auszufechten, nicht klein bei zu geben, mit Galgenhumor der Scham zu trotzen und das auch noch in die Öffentlichkeit zu tragen.

Gerade gefunden: Mit Nudeln kennen wir uns aus – noch eine Leidensgenossin. Mittlerweile lassen wir die Nudeln höchstens noch auf Stufe 3 (eher 2) und mit Deckel drauf aufquellen. Im Sommer könnte man sich auch eine Vorrichtung mit Parabolspiegel bauen, um den Topf zu beheizen. Ich stelle mir das etwa so vor, wie auch das Olympische Feuer entzündet wird. Fragt sich nur, aus welchem Kleingeld-Nutellaglas ich die Aufwendungen dafür bezahlen könnte. Oder demnächst gibt’s Nudeln als Knabbersnack. Zwar funktioniert das nur mit Spaghetti aufgrund der Dicke und der Bisskraft der menschlichen Schneide- und Backenzähne, aber wir wollen mal nicht wählerisch sein. Immerhin spart man sich dann den gesamten Strom für die Zubereitung. Das Geld lässt sich dann effektiv für Einschreiben und diverse andere lebensbereichernde Maßnahmen verwenden. (19.12.2007)

Als erstes fragte ich eine recht unverbindliche Frage: Ob denn meine Gehaltsabrechnung vom September 2006 vorliege. Mein Grund: Ich schicke niemals nur einfache Dokumente, es liegt IMMER ein Begleitschreiben dabei. In diesem Begleitschreiben wies ich das Jobcenter darauf hin, dass ich nicht mehr erwerbstätig bin, weil, wie den Mitarbeitern durch meinen Arbeitsvertrag auch vorlag, meine Beschäftigung durch Befristung nun zu Ende war. Hätte Sie meine erste Frage bejaht, hätte sie auch zugegeben, dass man das Begleitschreiben erhalten hatte. Allerdings erläuterte sie mir, es werde nicht der gesamte Dokumenteneingang dokumentiert. Wenn ich es eh mit der Post geschickt habe, dann kann sie den Eingang gar nicht überprüfen, weil das Schreiben nämlich dann direkt in der Leistungsabteilung läge und die Dinge, die dort eingehen, womöglich zwar eingetragen werden, das aber von den Eingangsbereichsleuten nicht eingesehen werden kann. Gut, also weiter: Ich überreichte ihr die Ablehnung des ALG I von der Agentur für Arbeit. Diese ging sie kopieren. Es dauerte sehr lange, ich nahm mein Buch wieder heraus und schmökerte im Anhang, welche interessanten Bücher der Verlag noch veröffentlicht. Irgendwann kam sie wieder, der Kopierer sei abgestürzt, aber sie hatte dann glücklicherweise doch eine Kopie dabei. Kann ja mal vorkommen, Technik ist nicht perfekt, ich auch nicht. Ein Eingangsbestätigung erhielt ich nicht. Ich erklärte ihr die Situation aus dem Schreiben also noch einmal. Gut, meinte sie, sie mache eine Meldung für die Leistungsabteilung fertig. „Haben Sie sonst noch Fragen.“, „Aber sicher.“ Ich fragte nun, wie es um meinen Widerspruch bezüglich der 81 Euro bestellt sei. Sie wurde sofort ungehalten: „Wir schikanieren hier keine Leute!“ und andere Sachen. „Das hat doch keiner behauptet.“ versuchte ich zu besänftigen. Wann ich den denn eingereicht hätte. Nun, das Ganze geht seit etwa einem dreiviertel Jahr, erläuterte ich. „Ich habe mehrmals Widerspruch eingelegt. Die erste Bestätigung erhielt ich aber erst im November 2007 für September 2007.“, „Dann zeigen Sie mir doch mal Ihren ersten Widerspruch.“, „Entschuldigung, das kann etwas dauern. Ich muss dazu meine Unterlagen durchschauen. Weil ich sehbehindert bin, kann das einen Moment dauern.“, „Solange kann ich nicht warten, ich mache in drei Minuten Feierabend.“ Ich suchte trotzdem, gab ihr als Beruhigungspille jedoch mein Schreiben vom September und suchte weiter. (18.12.2007)

Wenn ich von all den dort beschriebenen Schikanen lese, dem Papierkrieg, nein — Papierterror, den Anträgen, Widersprüchen, Erklärungen, deren Inhalt auch beim x-ten Mal nicht registriert wird –, von verlorenen Schriftstücken, wechselnden Sachbearbeitern, die mal Hü und mal Hott sagen, dann fällt es mir schwer hinter dieser Behördenwillkür nicht auch ein System, zumindest einen Hintergedanken, zu vermuten. Es ist zum Ausrasten, ehrlich.

Heute gab es einen Brief von meiner Krankenkasse. Ich hatte sie ja mehrfach gebeten, mir eine Bestätigung meiner Mitgliedschaft zuzusenden. In diesem Brief nun stand sinngemäß – adressiert ans Jobcenter -, dass man mich nur dann zum Mitglied der Krankenkasse machen könne, wenn die Beiträge gezahlt würden. Oder anders: Es wurde vermittelt, ich sei dort noch nicht Mitglied und würde aber gerne eines werden; dazu müsse das Jobcenter die Beiträge übernehmen.

Ich habe dann bei denen mal angerufen. Die entsprechende Dame war nicht da. Ihre Vertretung war nicht da. Ich durfte dennoch mein Anliegen äußern. Man suchte mich dann in der Mitgliederdatei und stellte fest, dass mich das Jobcenter zum 31.12.2007 abgemeldet hat. Und zum 10.01.2008 wieder angemeldet hat. Dass ich also in der Zeit dazwischen ohne Krankenversicherung war, wurde mir von niemandem mitgeteilt. Erst heute am Telefon. Man möchte mir noch aber doch eine Mitgliedsbescheinigung zukommen lassen. (7.2.2008)

Ich glaube, dass nur die wenigsten genug Kraft haben der Resignation und dem Frust zu trotzen. Klar, es ist lebensnotwendig, das zu tun. Aber wer kennt schon all seine (verbliebenen) Rechte und ist fähig, durch alle Instanzen dieses Systems voller Lücken, Willkür und Inkompetenzen zu gehen, dass den Menschen auf seine Funktionstüchtigkeit im Sinne der ökonomischen Verwertbarkeit reduziert? Und wenn einer es schafft, dort standhaft bleibt, muss er sich oft sogar den Vorwurf gefallen lassen, er nehme das System aus. Im Zweifelsfall dürften die meisten, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden, sich eher von Familie und Freunden unterstützen zu lassen, sofern das überhaupt möglich ist, oder die Schuldenfalle zuschnappen lassen. Das ist, auf Deutsch, zum Kotzen! Was ist eigentlich, wenn ein prinzipiell Hartz IV-Berechtigter psychisch krank, z.B. depressiv ist, vielleicht durch die „Maßnahmen“ es sogar erst wird? Ich glaube nicht, dass die Zustände, die Mario beschreibt — die jeder der sehen will auch sehen kann — Max Weber gefallen hätten. Marx sowieso nicht.

14 Kommentare

  1. Ich glaub ich weiß was du meinst.
    Hast du die Kommentare auf dem lawblog zu der Sarrazin Essens Nummer mal gelesen?
    Ich dachte da schreiben eher vernunftbegabte Menschen und nur ganz wenige ***** .
    Ich war da echt fassungslos. Dass man Hartzies das eigene Auto, die kleine Eigentumswohnung, oder nen Plasmafernseher nicht gönnt, find ich Scheiße, aber geschenkt, damit kann ich leben.
    Aber die gönnen denen ja noch nichtmal die Wurst auf dem Brot oder ne Tüte Chips. Da wird über Nudelpreise philosophiert.
    Die Leute begreifen echt nix mehr. Wenn man arbeitslos wird und über 45 ist oder beeinträchtigt (ein Verkehrsunfall reicht ja)
    dann kriegt man 12 Monate Stütze und dann ist Ende Gelände, dann gehts ans Eingemachte.
    Sowas kann einem schneller passieren als man gucken kann. und dann gehört man selber zu den „Sozialschmarotzern“ dem „faulen arbeitsscheuem Pack“

    Unfassbar widerlich wie schnell und einfach sich die Gesellschaft spalten und gegenseitig beschimpfen lässt. Und das während E.on und Konsorten Milliardengewinne einfahren und trotzdem die Preise erhöhen.

    Und dann reißen noch so Leute wie Clement das Maul auf.

    Ich krieg schon wieder Blutdruck.

  2. Eine Freundin von mir arbeitet bei einem österr. Arbeitsamt. Sie hat ihre KollegInnen eines Tages darauf aufmerksam gemacht, dass sie es äußerst fragwürdig findet, dass die KollegInnen, die ‚Kunden’kontakt haben, scherzhaft Frontschweine genannt werden; als würden die Arbeitsämter einen Krieg gegen die Arbeitssuchenden führen. Sie wurde nicht verstanden.

  3. Ich kann aufgrund eigener Erfahrungen, die sich im Moment, wo ich grade wieder einen Job habe, sogar noch zuspitzen, absolut mit Mario mitfühlen. Man wird wirklich bekloppt irgendwann. Da streichen sie einem das Geld, weil man wohl Unterlagen nicht geschickt hat, für die man sogar noch eine Eingangsbestätigung und Neuberechnung erhalten hat, aber der Widerspruch braucht dann trotzdem wieder ewig.
    Für 2 Monate wird Hilfe nicht gewährt, weil man offensichtlich zu viel Geld hatte, welches allerdings nur geliehen war, um die Zeit bis zum Erfolg des Antrages zu überbrücken.
    Für diese Zeit kann natürlich auch die Krankenkasse nicht übernommen werden, und der Mindestatz pro Monat sind dann auch wieder 130 Euro, also insg. 260 Euro, die abgestottert werden wollen. Und so geht das in einem Fort.

    Dann geht man zu lawblog und liest solche Kommentare oder besser noch beim shopblogger, wo sich alle aufregen, dass Die Tafel auch nicht mehr alles nimmt, man muss doch dankbar sein für jeden Krumen, der vom Tisch fällt.

    Und genau DESWEGEN liest man in Blogs von Betroffenen auch nichts davon. Man will sich nicht auch noch im eigenen Wohnzimmer als Abschaum beschimpfen lassen. Dann lieber ein lustiges Video. So halte ich es jedenfalls.

  4. Das überrascht mich alles gar nicht. Ich hab auch ENORM viel Scheiße beim Amt erlebt. Das würde aber den Rahmen des Kommentares sprengen.

  5. Pingback: Nur mein Standpunkt » links for 2008-02-27

  6. Pingback: Too Much Cookies Network » Bühne frei für den harten Durchgriff

  7. Sozialhilfe mal anders
    Bei Arbeitslosen gilt Unterstützungen als Fehlanreize, die gesenkt werden müssen, um
    „Arbeitsmotivation“ zu erzeugen. Diese steigt ja bekanntlich, je weniger Geld man bekommt.
    Besitzer von Kapital und leitende Manager dagegen halten ihre bisherigen Profite und Einkommen für Fehlanreize, weil sie nicht hoch genug sind, um ihre „Arbeitsmotivation“ und
    den Einsatz von Kapital zu erhalten.
    Das durchschnittliche Alg II-Niveau von 600-650 € mtl. halten Hundt und Co. für zu hoch
    und fordern ununterbrochen weitere Kürzungen. Ihr eigenes Einkommen halten sie für zu
    niedrig und fordern weitere Erhöhungen über Lohnverzicht, Arbeitszeitverlängerung und
    natürlich die drastische Senkung der Unternehmenssteuern. Die Reichen beziehen immer
    noch die höchste Sozialhilfe. Von Sozialschmarotzern redet hier niemand.“

    entnommen aus hier:
    http://209.85.135.104/search?q=cache:hqgiiuH1Dx4J:www.fb4.fh-frankfurt.de/projekte/agtuwas/regelsaetze.pdf+sozialhilfebedarf+%2Bwarenkorb+1990&hl=de&ct=clnk&cd=13&gl=de&client=firefox-a
    wenn der link denn dann geht, sonst bitte nachhelfen…stehen die Regelsätze und deren Berechnungsursprung- das sagt eigentlich alles.

    Wie erinnere ich mich noch leibhaftig an meinen Sozialhilfebezug vor etwa 20 Jahren-
    da bestellte ich mir mal die Senatstabelle zum Hamburger Sozialhilfe-Warenkorb.
    In dieser Tabelle gab es 2 relevante Spalten:
    Überschrift erste Spalte: Bedarfspositionen
    Überschrift zweite Spalte: in folgenden üblichen Mengen erhältlich…

    z.B. Toilettenpapier:
    Spalte 1: pro Monat eine halbe Rolle (jawohl)
    Spalte 2: erhältlich in Mengen zu zwei Rollen

    Allerdings waren im monatlichen Regelsatz auch 0,2 Besen enthalten + nicht zu vergessen die halbe Kinokarte, die ich dann für obiges Papier zweckverausgabte.

    Besen, weil man keinen Anspruch auf Teppich hatte, demzufolge auch nicht Staubsaugen mußte und somit also auch keine Staubsauger.
    Aber als Mutter mit Krabbelkind (nur 6Monate bis 12Monate gültig – müssen die halt auch mal Regelsatzgerecht laufen lernen, die Kleinen) gab es 2qm Teppich, jawohl.

    Wie oft hatte ich schon das Brotmesser in der Hand, um meinen geplanten Supermarkteinkauf regelsatzkonform zu gestalten (weil selbstverständlich auch die Brot-,Kaffee und alle übrigen Mengen im Regelsatz als Teilmengen von den im Handel erhältlichen enthalten waren).

    Oder hätte mal gern im Kino gefragt, ob ich diesen Monat schon mal die erste Häfte vom Film gucken darf.

    Wobei ich mit dem 0,2 Besen-Regelbedarf echt was rausholen konnte, denn wer braucht schon alle 5 Monate einen komplett neuen Besen?

    Während der Zeit meines Sozialhilfebezuges wurde zeitweise über Zeiträume von 3 Monaten meine Miete nicht an den Vermieter überwiesen.
    Das erfuhr ich dann durch entsprechende Mahnungen desselben.
    Auf Nachfragen hieß es: Kann gar nicht sein- oder- macht doch nichts, sie sind ja noch nicht obdachlos.

    Damals gab es noch (oder jetzt schon auch wieder) den Kindergeldzuschlag für Geringverdiener usw.

    Den mußte ich aber mal zurückzahlen, 720,- DM für ein Jahr weil die Kindergeldkasse verlangte, daß ich einen Lohnsteuerjahresausgleich mache.
    Aber wieso, ich bekomme doch Sozialhilfe und arbeite nicht.
    Das täte nichts zur Sache, das könne man nur anhand des abgelehnten Lohnsteuerjahresausgleichs ermitteln.
    Aber ich könnte Ihnen die leere, unbenutzte Steuerkarte geben. Und den Sozialhilfebescheid.
    Und die Bescheinigung über meine Elternzeit.
    (die übrigens damals noch 3 Jahre ging, weiß gar nicht, warum sich alle heute so schrecklich über von der Leyen freuen, es ist drastischst gekürzt worden, nämlich demzufolge auch das Elterngeld)

    Nee, zahlen Sie uns mal die 720,- DM zurück.
    Ja, is klar.

    Und mit Arbeitsamt will ich mal gar nicht anfangen, das war damals zynisch und ist es heute um so mehr.

    Doch: eins noch:
    Als sie mich damals in ein Jobcenter stecken wollten (3 Monate tägl für 8 Stunden Bewerbungstraining) habe ich gefragt, ob Sie mir weismachen wollen, daß es nur 3,5 Mio (damals) Arbeitslose gäbe, weil die nicht wissen, wie man sich richtig bewerben tut oder ob ich mal den Bundesrechnungshof vorbeischicken soll?

    Entgegen meiner Vermutung gab´s doch mal Ruhe danach.

    und @Myrdinn + Frank: ich weiß, ich bin noch einen Kommentar zum Karneval schuldig, ich will ja auch wirklich alles erklären, allein, mir fehlt(e) Energie und Zeit.
    Werde ich aber noch geraderücken, ok?

    Gruß und viel Kraft an alle fiese geknechteten!

    Bibi

  8. Da fühlt man sich ja quasi geehrt, liebe Leute. Ich werde dann mal gegenlinken. Bin nur zufällig auf dein Blog über Technorati gekommen, weil ich Informationen zur Verbreitung des Bürgerantrags des Erwerbslosen Forums Deutschland suchte, um aus den Markt tötenden 1-Euro-Jobs wieder sozialversicherte Verhältnisse zu machen. Für Berlin Friedrichshain ist der Antrag noch nicht gestellt. Falls Interesse besteht, einfach mal beim ELO-Forum vorbeigucken.

    Mario Nette

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  10. Schön, diese Geschichte aus dem wahren Leben von fast jedem fünften (!!) Berliner (wenn ich mir die Statistik für Berlin auf arbeitsagentur.de richtig angeguckt habe)hier zu finden: längerfristig erwerbslos sind keineswegs die „anderen“, die Dummen. An alle verdeckten ALG-II-Bezieher unter Euch, outet Euch bitte! Erst dann können wir uns gegen die allgemeine Hetzte gegen Erwerbslose gemeinsam wehren und werden nicht einfach immer stärker „für blöd verkauft“ – indem wir z.b. in dämliche Ein-Euro-Jobs geschoben werden.

  11. Tja, was soll ich berichten – die ganze Angelegenheit ist immer noch aktuell. Aber wer will sich schon beschweren, gehen doch die Arbeitslosenzahlen quasi täglich zurück. Fragt nur mal nach beim Bundesministerium. Von wegen „arm und sexy“ – bei solchen Prognosen wird Berlin im Nullkommanix aufschließen zu … ja wohin eigentlich?

    Mario Nette

  12. Hi Mario, schön, dass Du dich nochmal meldest. Wir verfolgen deine Geschichte weiterhin und bewundern die Beharrlichkeit, mit der Du auf dein Recht bestehst und die alltäglichen Schikanen dokumentierst. Weiter so.

    Die offizielle Schönrechnerei ist eine Frechheit, ich hab das hier auch schon mehrmals erwähnt. Ist natürlich gewollt, die schöne Fassade vom Aufschwung würde ohne diese Taschenspielertricks ganz schnell in sich zusammenfallen.

  13. Hi Frank, was sollten wir auch anderes tun, als auf das Recht bestehen. Es ist eben ein Unterschied, ob man sich mit dem Finanzamt um Steuererstattungen streitet oder mit dem Jobcenter / der Agentur für Arbeit um die gesetzlich verbrieften, existenzsichernden Leistungen. Ohne geliehenes Geld wären wir bereits im Winter obdachlos geworden. „Der Aufschwung kommt bei den Menschen an“ (Angela Merkel), merke: Bei DEN Menschen, nicht bei ALLEN Menschen. Zum Beispiel nicht bei jedem dritten Kind in Berlin, das statistisch gesehen arm ist. Auch nicht bei jedem fünften Berliner, der statistisch von Sozialleistungen abhängig ist. Und dazu zählen ebenfalls Studierende, die sich womöglich im Oktober irgendwie freuen werden über die BAföG-Erhöhung. Wenn es „der Aufschwung“ sein soll, der mir in absehbarer Zeit als noch recht frischer Akademiker einen Ein-Euro-Job bescheren wird, dann kann ich nur feststellen: Auf DIESEN Aufschwung möchte ich gern verzichten. Denn dieser „Aufschwung“ ist, nun mehrfach wissenschaftlich bestätigt, tatsächlich eines der wirklichen Vermittlungshemmnisse – nicht etwa der konstruierte, erlogene „Fakt“, alles wären Langzeitarbeitslose und diese könnten nicht mal mehr früh aufstehen. Und darum mein Dank und ferner meine Bitte an euch: Berichtet kritisch, bildet ein Gegengewicht zu den Massen-/Leit/d-Medien.

    Mario Nette

  14. Pingback: Wie arm sind wir eigentlich? - Citronengras

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