Google plant Tool zum Aufspüren von ISPs, die Traffic drosseln

Kleine Erklärung: Den folgenden Text verfasste ich letzte Nacht für die Gulli:News. Leider hatte ich das — mea culpa — in unserem Kommunikationskanal versäumt zu erwähnen, mein geschätzter Kollege 020200 saß nämlich an einem Artikel zum gleichen Thema und war zudem schneller im Veröffentlichen. Was ich leider erst bei fortgeschrittenem Artikelstatus merkte. Damit meine Dublette nicht ungenutzt vergammelt, veröffentliche ich sie hier. Resteverwertung quasi.

Esel mit PCs
Bild: Dave Sag (cc)

Während hierzulande bis dato erst wenige Anbieter von Internetanschlüssen aufgefallen sind, die ihren Kunden die Geschwindigkeit bei Traffic-intensiven Anwendungen wie P2P herabstufen, ist die Diskussion in den USA dank Comcast und Co. in vollem Gange. Jetzt wirft Google sein Gewicht in die Waagschale und will Kunden mit einem speziell entwickelten Programm unterstützen, ihre Provider auf Trafficbremsereien zu überprüfen.

Google ist schon seit längerem dafür bekannt, klare Statements in puncto Netzneutralität zu machen. Mit dem neuen Tool lassen die Webdienstleister Taten folgen. Richard Whitt, als Senior Policy Director für Ankündigungen von Google verantwortlich, erklärte auf einer Podiumsdiskussion am 12. Juni an der Santa Clara University in der Nähe von San Francisco, Kalifornien:

Wir versuchen Tools, Software-Tools zu entwickeln, die den Menschen ermöglichen, herauszufinden, was mit ihren Breitbandanschlüssen passiert, damit sie ihre Provider wissen lassen können, dass sie mit dem, was sie bekommen, nicht glücklich sind – dass sie denken, dass sich bei bestimmten Diensten eingemischt wird.

Auch deutschen Kunden könnte dieses Programm Nutzen bringen. Zwar ist noch nichts vom so genannten „Traffic Shaping“ im großen Stil bekannt, allerdings haben auch hierzulande schon Anbieter wie Kabel Deutschland, Strato und Tiscali die Nutzung von P2P-Tauschbörsen behindert. Man kann spekulieren, dass Google mit der Entwicklung solcher Programme durchaus opportunistisch handelt, denn mittlerweile produziert YouTube einen nicht unerheblichen Teil des weltweiten Traffics.

Es geht jedoch um weit mehr als Komfort und Geschwindigkeit beim alltäglichen Torrent-Download. Insbesondere der prominente und in den Tech-Blogs der Welt heiß diskutierte Fall des US-Amerikanischen Internetproviders Comcast ist mittlerweile synonym geworden mit eklatanten Eingriffen in Verbraucherrechte und Datenschutz. Provider, die bestimmte Protokolle wie BitTorrent drosseln, müssen den Netzverkehr ihrer Benutzer mittels Deep Packet Inspection analysieren. Auch wenn dabei zumeist argumentiert wird, dass man mit dieser Vorgehensweise die Leistung für alle Kunden auf gleichem, hohen Niveau halten will, kann einem als Kunden schon mulmig werden bei dem Gedanken, dass der ISP genau weiß, was man mit seinem Internetanschluss macht. Drosselungen sind aber auch auf globaler Ebene problematisch: Stichwort Netzneutralität Wenn es Kontrollinstanzen gibt, die entscheiden, welche Dienste und Protokolle bevorzugt und welche benachteiligt werden, wird das Internet nicht mehr in seinem Wesen frei und offen, also letzten Endes demokratisch sein.

Um das anhand eines Worst Case-Szenarios zu illustrieren: Heute würde „nur“ BitTorrent gebremst, morgen IPTV bevorzugt, übermorgen gibt es ungedrosselte Premium-Internetzugänge für Leute mit dickem Geldbeutel und irgendwann wird aus ökonomischen oder politischen Gründen einem ganzen Land der Zugang zum internationalen Internet verwehrt. In dem Sinne ist diese die Verbraucher unterstützende Initiative Googles zu begrüßen.

[via BoingBoing]

2 Kommentare

  1. Pingback: FreieNetze.de » Links für den 16.04.2008

  2. wg Traffik-Drosselung: ich muss öfter mal Server-Scans via NMAP oder Nessus auf Kundenserver machen und logge mich dazu meist auf meinem Rootserver ein; wenn ich nen Scan von zu Hause aus machen muss fällt mir auf, das 1. meine SSH-Verbindungen wegfliegen und 2. das Netz für ca 10 Minuten echt lahm wird; und es liegt sicher nicht am Scan, denn wenn ich nen Server im LAN scanne läuft alles wunderbar; ich denke eher, der ISP dreht da n bißchen den Hahn zu.

    morat

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