Hetero dank Jesus

Die evangelikalen Christen verstehen es recht geschickt, ihre restaurative Ideologie so zu verpacken, dass Jugendliche glauben, christlicher Fundamentalismus sei irgendwie hip. Da gibt’s Festivals mit christlichen Rockbands, Happenings und Events. Friede, Freude, Eierkuchen und tragt die Message of Jesus hinaus in die Welt. Knallhart wird dabei jedoch gegen Aufklärung, Evolution, Schwangerschaftsabbrüche und ein liberales Sexualitätsverständnis agitiert.

So verbirgt sich auch hinter der Stylo-Fassade der Website des evangelikalen Jugendevents „Christival“ eben auch eine Veranstaltung mit dem Namen „Homosexualität verstehen“. In der Beschreibung heißt es:

Manche Menschen leiden unter ihren homosexuellen Neigungen. Im Seminar geht es darum, Verständnis für Ursachen und verschiedene Lebensmöglichkeiten zu gewinnen.
Monika Hoffmann & Konstantin Mascher, Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft, OJC (Samstag 90 Minuten)

Das ist ein bißchen euphemistisch. Die Wikipedia erhellt ein wenig, worum es sich bei genanntem Institut handelt (übrigens durch entsprechende Quellen gut belegt):

Anerkennung als Studien- und Forschungseinrichtung findet das DIJG heute im Wesentlichen bei religiös motivierten Gruppen. Seine Standpunkte zu Fragen der sexuellen Orientierung sind sehr umstritten. Das DIJG lehnt die Unveränderbarkeit von sexueller Orientierung und praktizierte Homosexualität ab. Es vertritt bezüglich der Entstehung von Homosexualität ein tiefenpsychologisches Entwicklungsmodell und ist der Ansicht, dass mit geeigneter Therapie ein Wechsel von Homosexualität zu Heterosexualität persönlichkeitsverträglich möglich sei und im Zusammenhang mit einer ganzheitlichen Befreiung des Menschen im Sinne des christlichen Glaubens stehe. Dieser Standpunkt wird der Ex-Gay-Bewegung zugeordnet, steht im Widerspruch zu den heute in Psychiatrie und Psychologie etablierten Auffassungen von Homosexualität und wird von den weltweit führenden psychiatrischen und psychologischen Organisationen wie der American Psychological Association stark kritisiert: Organisationen wie Homosexuelle und Kirche, der LSVD oder die BAG Schwulenpolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN kritisieren die Standpunkte zur Homosexualität als pseudowissenschaftlich und fundamentalistisch. Besonders gewarnt wird von den Kritikern vor reparativer Therapie bzw. Konversionstherapie, über die das Institut einige Bücher von US-Autoren übersetzt hat. Solche Therapien, die das Ziel hätten, Homosexuelle zu Heterosexuellen zu machen, hätten potentiell schädigende Wirkung für die Therapierten; sie werden deshalb weltweit von führenden psychiatrischen und psychologischen Organisationen abgelehnt.

Aufgrund der starken Fokussierung des Instituts auf das Thema Homosexualität wird Kritik vor allem aus der Lesben- und Schwulenbewegung geäussert, aber politische Parteien und Journalisten haben ebenfalls die Seriosität des Instituts in Frage gestellt. Das Bundesministerium der Verteidigung wurde im Frühjahr 2000 veranlasst, sich von Veröffentlichungen des Instituts zu distanzieren. Die vom ehemaligen rechtspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Norbert Geis, initiierte Entscheidung der CDU/CSU-Fraktion im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages, die Institutsleiterin zu einer Anhörung über Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare einzuladen, wurde von anderen Parteien und parteiintern von den Lesben und Schwulen in der Union (LSU) stark kritisiert: In den Gutachten und Artikeln des Instituts werde ihrer Ansicht nach unter anderem aus bereits als wissenschaftlich unseriös angesehenen Studien zitiert, und der Forschungsstand werde insgesamt nur sehr einseitig aufgearbeitet.

Auch in der allgemeiner angelegten OJC-Gesamtarbeit kommen Äußerungen vor, die der OJC dem Vorwurf der Homophobie und Pseudowissenschaftlichkeit — ob zurecht oder zu unrecht — aussetzen. Dabei verweist die OJC lediglich auf Aufsätze und Stellungsnahmen ihrer Mitglieder. So wird etwa im OJC – Salzkorn vom 6. 2004 S. 249 von Christl Vonholdt, die auch zugleich Vorstandsmitglied ist, die Behauptung aufgestellt, dass Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Elternpaaren aufwachsen, psychische Störungen aufweisen. Dass diese Annahme selbst in ihrer als Quelle angegebenen Studie nicht bekräftigt werde, sondern im Gegenteil von der einhelligen wissenschaftlichen Forschung bereits in den 70er Jahren widerlegt worden sei und zuletzt von mehreren Studien im Auftrag des Bundes entkräftet worden sei, wird mit dem lakonischen Satz, diese Studien seien mit gravierenden methodischen Mängeln behaftet, abgetan und andernorts sogar ganz verschwiegen.

Das „Christival“ nun, das sich solche Propaganda und — man sollte nicht vergessen, dass es sich bei der Zielgruppe um Minderjährige handelt — Indoktrination zu Eigen macht, hat mit Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine prominente Schirmherrin erlangt [via]. Und da denk ich natürlich: Super, das passt ja. Akkordgebären für Schlands ökonomische Potenz geht nun mal nicht bei den Schwuletten; Verhütung, Abtreibung und Ehescheidungen stehen ihr ebenfalls im Weg. Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus sind eben immer noch dicke Tunke. Ich kann gar nicht soviel essen …

Wird mal wieder Zeit für eine South Park-Folge. Sie ist themennah.


(123video.nl-Direktlink: South Park – 11×02 – Cartman sucks)

[Update:] Die umstrittene Veranstaltung ist abgesagt worden. Danke für den Hinweis an Plasmaoxyd.

[Update 2:] Die Absage ist Thema einer Umfrage auf jesus.de. Das Ergebnis…

Jesses