Hey, Spiegel.

yellow spyIch hab’s heute erst gesehen. China! Spione! Hacker! Trojaner! Mir schwant… Es droht ein neues Buch vom Kampfzonenausweiter Steingart Gabor, gell? Falls ja, ist euch die Crosspromotion diesmal besonders gut geglückt, wenn sogar das Bundeskanzleramt mitmacht. Und gleich mal noch ein Lob hinterhergeschoben: Mit der neuen Titelstory ist euch mal wieder ein superber Eyecatcher gelungen. Solltet ihr demnächst mal gegen Entwicklungshilfe in Afrika polemisieren wollen, würde ich mich analog freuen, wenn mir vom Bahnhofskiosk die Schlagzeile „DIE BRAUNEN NEHMER – Wie Simbabwe deutsche Hilfsgüter einfach aufißt“ entgegenlächelte.

Danke jedenfalls für diese Titelstory. Endlich mal ein klares leitmediales Statement in der aktuellen Rassismus-Debatte.

Leser, die sich über diesen Artikel ärgerten, mochten auch diese Artikel nicht:

Zwei Nachträge: Bei SpiegelKritik wird der Artikel entkleidet und – oho – es steckt drin, was draufsteht. Kunterbunt gemischte Ressentiments mit schlechter Rechercheleistung und berechtigter Kritik in einen Topf geworfen.

Hm, Oliver Gehrs ist mir in seinem wöchentlichen „Blattschuss“-Videopodcast hingegen etwas zu freundlich mit dem Ding.


(WatchBerlin-Direktlink)

16 Kommentare

  1. ich musste gestern morgen am kiosk auch mehrmals auf dieses deckblatt schauen. ganz erschlossen hat es sich erst jetzt.

    „die braunen nehmer“ solltest du dir schützen lassen.

  2. Sehe ich ganz genau so!

    Habe noch überlegt, ob das auf die Flagge bezogen ist. Muss da eigentlich der Chefredakteur das Titelbild abnicken oder wird das per Telefon-Ted ausgewählt?

    Sehe schon den nächsten Titel von der italienischen Parlamentswahl vor mir „Spaghettifresser haben neuen Macker“…

    narf

  3. Was sollen denn die Chinesen auch sonst machen, nachdem wir so vorsichtig geworden sind, nicht mehr sämtliche sensiblen Produkte zur Fertigung nach China zu geben ? Früher galt das Abkupfern als einkalkuliert. Und der Spiegel hat das ganz sicher nicht im Sinne des 1898 in den USA und später in D. aufgekommenen Rassismus gemeint – dazu ist er doch viel zu modern und aufgeklärt.

  4. In der Tat. Der Spiegel pflegt einen modernen und aufgeklärten Rassismus. Zeilen wie „Das Boot ist voll“, „Die Billig-Polen kommen“, „Mekka Deutschland“ und jetzt eben „Die gelben Spione“ haben sicher keinen Völkermord, sondern lediglich Distinktion durch eine etwas „dezentere“ Aufhetzung der Zielgruppe untere Mittelschicht zum Ziel.

    Hier noch etwas zu Lesen für die China-entgeisterten und Steingärtner aus den NDS.

  5. Man hat ja schon früher vor der „gelben Gefahr“ gewarnt, der Spiegel ist da nur konsequent.

    Ich erwarte zum Thema Wirtschaftsmacht Russland die Schlagzeile „Der Russe kommt“.

  6. wie wir unabhängig voneinander dieselben ideen haben. wahnsinn.

    Gewiss, göttliche Vorsehung oder sowas.

    Nee, mal ernsthaft. Wenn wir eine einigermaßen funktionuckelnde Zivilgesellschaft hätten, würden die Leute diese Titelblätter an den Kiosken anspucken.

    Hab übrigens mal irgendwo gelesen, dass islamophobe Hetze wie in Springel & Co in GB nicht möglich wäre, weil die oft muslimischen Kioskbesitzer die Blätter einfach boykottieren würden. Als „Mekka Deutschland“ auf dem Titel war, ist das Heft bei mir in der Gegend leider normal verkauft worden. In Tempelhof kann man an einem Kiosk mit ausländischem Verkäufer sogar die „Junge Freiheit“ kaufen. Spitze sowas.

  7. „In Tempelhof kann man an einem Kiosk mit ausländischem Verkäufer sogar die “Junge Freiheit” kaufen. Spitze sowas.“
    Vielleicht hat er in seinem Integrationskurs was von Presse- und Meinungsfreiheit gehört? Spitze sowas!

  8. @ Name: Dämliche Polemik. Rassismus != Meinung. Rassismus = Dreck. Ich betrachte es als Teil der Meinungsfreiheit, JF und ähnlichen Papier gewordenen Müll legitim scheiße finden zu dürfen, wäre allerdings genauso der letzte, denen das Publikationsrecht abzusprechen – solange deren Inhalt nicht volksverhetzend ist. Vielmehr würde ich es in obig geschildertem Fall begrüßen, wenn die ehernen Gesetze des Marktes mal greifen würden.

    Kommentare, bei denen invalide E-Mail-Adressen angegeben werden, lösche ich übrigens in der Regel. Das hier war eine Ausnahme. Bitte die Kommentarpolitik beachten.

  9. Sehr gut, die Simbabwe-Headline! Beim aktuellen Spiegel-Titel hätte ich es allerdings konsequenter gefunden, wenn man auch die Brüste der Frau sehen würde. Übrigens kann man die Spiegel-Titelbilder im Spiegel-Shop auch kaufen – 28 x 21 cm für 8,65 Euro. Minderwertigkeitskomplexe haben die nicht.

    Absurd fand ich auch die Bemerkungen unserer Politiker teilweise – das müsse ein Nachspiel haben, das dürfe man nicht durchgehen lassen, und am besten: die Chinesen seien mit einigen Gepflogenheiten des internationalen Miteinanders noch nicht so ganz vertraut und müssten noch lernen.

    Die sind anscheinend so davon überzeugt, dass sie China tätscheln und an der Leine führen können, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, dass die Chinesen sehr gut wissen, was sie tun, und einen empörten deutschen Politiker einfach als „in Deutschland fällt ein Sack Kartoffeln um“ verbuchen. Unglaublich, diese Hybris.

  10. Da ich mal der Mutter eines Freundes beim Verkauf in einem Zeitungsladen geholfen habe, weiß ich, daß man als Inhaber eines solchen Ladens nicht unbedingt frei wählen kann, auf welche Zeitungen man verzichten würde. Denn der Vertrieb teilt so etwas gern zu. Mit viel Einsatz und Druck könnte man es wohl durchsetzen, aber in diesem Geschäft hat man eh recht viel Arbeit bei geringer Gewinnmarge. Und ständige Remissionen beeindrucken den Vertrieb auch nicht wirklich. Das Problem ist dabei aber nicht nur ein politisches, sondern kann auch ganz unpolitische Magazine oder Zeitungen betreffen : alles, was sich nicht verkauft, muß remittiert werden, täglich oder wöchentlich – je nach Erscheinungsweise – und verursacht damit Arbeit, die man sich, wenn der Vertrieb die Wünsche der Inhaber berücksichtigte, sparen könnte. – Ich hoffe übrigens, daß mein erster Kommentar so ironisch verstanden worden ist, wie er gemeint war.

  11. Nun, alle von dir angeführten Titel, Winston, beschäftigen sich mit der Kriegspolitik der Vereinigten Staaten unter George W. Bush, die mittlerweile selbst von der Neokonservativen dortzulande als unter aller Kanone identifiziert wird. Wenn Du da das allgegenwärtige Schreckgespenst Antiamerikanismus herauslesen willst – das ja nicht zuletzt geradezu obsessiv von, huch, Spiegel-Chefwinseler Claus C. Malzahn und Spiegel-Teilzeitverschwörungstheoretiker Henryk Entblöder angeprangert wird – sei dir das vergönnt. Mich bringt das allerdings zum Gähnen.

  12. maloXP: die Coversammlung gehört zu „David’s Medienkritik“, einem Blog, das zu den Lieblingslektüren der von dir genannten Spiegelautoren zählen dürfte. Da ist u.a. von „Stern’s far-left Hate-America readership“ die Rede, und ja, mit „Stern“ ist die Illustrierte gemeint. Stern linksaußen, nee klar.

    (Hätte übrigens auch gerne dort direkt kommentiert, aber die Erleuchteten sind ja lieber unter sich. Man muss sich registrieren. Ich werd den Teufel tun.)

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