Identität durch Exklusion

Not to be German
Bild (selten ein passenderes gefunden): jksimpson (cc)

Einen klugen kleinen Eintrag hat La Deutsche Vita da verfasst, welcher der Frage nach den Konstruktionsmodi deutscher Identität nachgeht. Erst überraschende, dann aber schlüssige Conclusio: Die Entwicklung geht weg vom Konsens über Gemeinsamkeiten und bewegt sich zu einem darüber, wer, wie oder was man nicht sein will, welche Werte man nicht teilt.

Man definiert sich durch das, was man nicht ist oder nicht sein will. Und diese Form der negativen Identitätsbildung durch Ausgrenzung ist in Deutschland schon weiter fortgeschritten, als mancher annehmen möchte. So definieren sich die Deutschen immer häufiger dadurch, dass sie gegen etwas sind. Gegen Tierversuche, gegen Bürokratie, gegen militärische Interventionen oder gegen das Rauchen in der Öffentlichkeit. Das drückt sich nicht nur in der Werbung aus, wo fast nur noch mitgeteilt wird, was das jeweilige Produkt nicht ist (ohne Gentechnik, ohne Farb- und Konservierungsstoffe, ohne künstliche Aromen, strahlungsarm, ohne Zucker etc.), sondern auch in der Politik, wo Gebote immer mehr durch Verbote aller Art ersetzt werden. Dabei scheint der identitätsstiftende Gehalt eines Verbotes umso größer zu sein, je stärker es in die persönliche Privatsphäre eingreift. Verwundern muss das niemanden, denn nur wenn ein kollektives Verbot von jedem Einzelnen verinnerlicht wird, kann es identitätsstiftende Wirkung entfalten.

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