individuell

Man erkennt sie ja meistens dann doch recht schnell. Es sind nämlich alle. Ich auch. Wir hausen zwischen lauter Individualisten, die sich in erster Linie deswegen individuell fühlen, weil sie ihr Gegenüber in seinen Bemühungen, individuell zu wirken, imitieren. Dabei aber die einfachsten Gedankenschritte nicht bereit sind zu unternehmen, weil man dabei ja erstmal das eigene Verhalten hinterfragen müsste. Relität gibt’s nicht in objektiv, sagen die Konstruktivisten. Die machen wir uns selber. Jeder für sich.

Was ich meine?
Die quasireligiöse Verehrung für iPods und andere Apple-Produkte. Ob des Designs gerät man dabei in Verzückung. Dabei findet man die Dinger potthässlich* (oder nichtssagend) und nur weil alle anderen sagen, man fände das schön, ist es eben schön. Man übersieht dabei gerne, da man mit dem Kauf der ach so hübsch designten Produkte viel zu viel Geld einem Konzern in den Rachen schmeisst, der ähnliche Absichten verfolgt wie andere große böse Konzerne, nur eben eine geschicktere Werbetaktik fährt: Der Konsument ist nicht dumm, er ist nur leicht manipulierbar und auf der Suche nach Lebensgefühl und Identität, die er bereit ist, gegen Geld einzutauschen. Man würde doch so gerne Punk sein. Drum sprüht man sich sein iBook halt bunt an.

Indie-Mixtapes. Oasis gehört drauf. Tomte. Und Coldplay. Und: Ein Tape muss es sein. Wegen der Romantik, respektive: des Stils. Immerhin musste ich mir bis jetzt noch nicht anhören, dass der Klang der MC so viel wärmer (TM) sei, wie bei diesen uralten unförmigen schwarzen Dingern da.
Bloß hat die Mehrheit heute gar keine Kassettendecks mehr. Höchstens noch die-die-auf-Romantik-wert-legen. Die-die-Rock’n’Roll-sind.

Anti-Alles, und das unhinterfragt. Wie mich sowas ankotzt. Politische Einstellung: ja klar, und das dann auch dogmatisch. Ja keine Diskussion aufkommen lassen, die einem die andere Position näherbringen könnte. Auch wenn man sich damit ins eigene Bein schießt. Die Regel, dass auf einem bestimmten Schulhof in Berlin Deutsch gesprochen werden soll ist natürlich ein unzulässiger Assimilationsversuch von deutschtümelnden Rechtsradikalen, statt eine basisdemokratisch beschlossene Maßnahme, um die Chancen von Migranten zu erhöhen.

Oder: Scheiss Globalisierung zu rufen, was aber nach Feiff Gobaffismng klingt, weil der Big Mac noch nicht ausreichend eingespeichelt ist.

„Slipknot“ oder „Linkin Park“ auf seinem Rucksack eingenäht zu haben und über Jamba-Kiddies/DSDS-Gutfinder zu lästern.

Im Armani-Anzug das Edelhandy zu zücken. In der S-Bahn.

Ein Weblog zu betreiben. Als Ersatz für SMS oder um den Stammlesern mitzuteilen, dass mal wieder ein äußerst ereignisarmes Wochenende vorüberschritt. Noch schlimmer: Um jedem mitzuteilen, wie geil man ist, welches tolle neue Auto man fährt, wie man aussieht, lebt und was man so für wichtig hält. Dazu ein paar Linktipps, die man dem einen A-Blog klaut, um dann trackzubacken – für zwei, drei Hits mehr.

In den politischen Wortbeitrag im Radio, der im Grunde eine einfache Aussage enthält, aus Gründen der Seriösität Fremdwörter einzuflechten, dabei aber „redundant“ und „obsolet“ zu verwechseln. Sich so zum Affen machen, es selber nicht zu merken, was aber nicht schlimm ist, weil eh alle weghören. Lieber nachher nochmal über Politikverdrossenheit und Werte schwadronieren.

Neulich bemerkt: Die ersten Kinder der Pokemon-Generation sind jetzt volljährig. Ist aber Wurst, ich war die Knight Rider- und Jean Claude van Damme-Generation.

Since I was born I started to decay.


*An dieser Stelle wäre mir ein Spitzen-Wortwitz eingefallen.

3 Kommentare

  1. TITLE: der wortwechsel…
    …wüde mich intressieren.

    leider macht es mich auch nicht individueller zur night rider generation zu gehören. doch darüber gedanken zu machen um dann fest zu stellen, dass diese gedanken aufgrund der probleme der neuen u18-genaration nicht mehr zeitgemäß demzufolge obsolet sind. man könnte auch einfach sagen früher war alles besser. macht mich das jetzt individuell? nein eher möchte ich daran glauben, dass mich nie sicher bin ob die farbe jetzt weis oder weiß ist individuell macht.

  2. TITLE: Es ging
    mir hier darum, deutlich zu machen, dass Individualität als Mode ein Widerspruch in sich ist. Ohne dabei irgendwen direkt bashen zu wollen.

    Der Wortwitz wäre „podhässlich“ gewesen. Ein Kalauer vorm Herrn. 😉

  3. zitat: podhässlich

    ich lach immer noch 😀 sehr nett! mal was was man sich merken sollte.

    ich fühlte mich auch net gebashed wie du das so schön nennst. wollt nur einfach meinen senf dazu abgeben und kann dir nur recht geben was individualität als modeerscheinung betrifft. allerdings hat das ganze nicht nur nachteile. denn es gibt auch leute die da durch erst gemerkt haben, dass notorisch individuell zu sein auch nicht gerade das gelbe vom ei ist und sie doch wieder zurück in den mainstream treibt. ich hoff ich hab mich jetzt net so ausgedrückt um hier ne hitzige diskussion vom zaun zu brechen, weil ich stimm dir ja zu 🙂

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