Institution Entgleisung

Bei Coffee & TV hat man sich die Mühe gemacht und eine interessante Auflistung von Nazi-Skandalen der jüngeren Geschichte zusammengestellt.

Am herbsten fand ich ja das Ding ganz zum Schluss: Ein Karnevalswagen in Rio wurde erst vor ein paar Tagen verboten, der „geschmückt“ war mit Figuren, die den Körpern von KZ-Opfern in Massengräbern nachempfunden sind. Auf dem sollte ein als Hitler verkleideter Mann tanzen. Uff! Und in Deutschland mosert man über DJ Tomekk…

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9 Kommentare

  1. So was beim Karneval zu bringen ist wirklich etwas geschmacklos, aus welchem Grund das auch immer gemacht wird. Ich mein, selbst wenn es die Menschen an eine schlimme Zeit erinnern und ermahnen soll… doch nicht an Karneval, da will keiner darüber nachdenken und tut es auch nicht und es ist ja auch okay mal völlig abzuschalten (nichtsdestotrotz hasse ich Karneval, aber das ist was anderes).
    Ansonsten bin ich generell der Meinung, dass dieses Tabu für Nazi-Symbolik aufgehoben werden sollte und man damit das Gegenteil machen sollte. Es benutzen, wo man nur kann, damit diese Symbole einfach entkräftet werden. Das mag zwar sicher für einige Leute anfangs sehr hart sein, aber begegnen tut man den Symbolen ja so oder so, ob Verbot oder nicht. Wenn eine Flut davon mit anderen Dingen assoziiert wird, dann kann kein Nazi mehr damit provozieren und ich denke, dass das wirklich eine begrüßenswerte Sache wäre. Okay, zugegeben, wirklich ausgereift ist die Theorie jetzt noch nicht, vielleicht fallen mir doch noch Nachteile ein, aber so weit klingt’s für mich erstmal gut 😀

    Nachtrag:
    Ich verstehe die Begründung für das Verbot nicht. Hitler ins Lächerliche zu ziehen find ich halb so wild, viel schlimmer ist doch, dass die Darstellung der Opfer ins Lächerliche gezogen wird.

  2. Die Opfer des 2. Weltkrieges sind nicht aufgrund von Provokationen gestorben sondern ermordet worden und deswegen geht es auch nicht an, von Assoziationen zu sprechen, denn mordlustiges Volk sollte man besser nicht ignorieren. Auch nicht verharmlosen oder veralbern.

  3. Hä? Ich soll nicht von Assoziationen sprechen, obwohl die Symbole mit der Zeit und mit den Morden assoziiert werden?
    Verstehe ich nicht wirklich^^“

    Es ging mir darum die Symbole zu „entmachten“, nicht das was passiert ist. Schließlich wurden die Symbole auch nicht von den Nazis erfunden.
    Außerdem sollte man dann auch gerecht sein und Mao-Anstecker verbieten, der hat noch viel mehr Leben auf dem Gewissen als Hitler und trotzdem darf man damit rumlaufen.

  4. Pingback: schafott.blog » Historisch-politische Aufladung

  5. @ Myrddin (1): Da gebe ich dir aber recht. Symbole zu verbieten ist nur ein Herumdoktern an Symptomen, dessen einziger Effekt ist, dass Hauptschullehrer in Wochenendseminaren lernen müssen, dass Erkennungszeichen von Neonazis jetzt „Thor Steinar“-Jacken und die Zahl 18 sind.

    Die Diskussion hatten wir hier auch schonmal ähnlich, als es um’s NPD-Verbot ging.

    Und: Eben, es ist absolut geschmacklos. Zumal im Kontext Karneval. Wenn man mich fragte, was das Geschmackloseste wäre, was ich mir vorstellen kann, es würde wohl etwas in der Richtung sein.

    Mich nervt allerdings auch etwas der ständige Verweis darauf, dass Stalin, Mao etc. genauso schlimme Völkermörder, Diktatoren usw. waren. Wenn ja, was tut’s? Opferzahlen miteinander aufwiegen bringt niemandem moralische Absolution und Chinas bzw. Russlands Geschichte ist in der Hinsicht auch erstmal nicht unser Bier.

    @ bibi: „Die Opfer des 2. Weltkrieges“? Ich möchte dich bitte, etwas genauer zu formulieren, damit man dich nicht missverstehen kann. Auch sonst habe ich meine Probleme, den Sinn deines Postings zu erfassen. Ignoriert würde das „mordlustige Volk“ (?) ja nun eher nicht mit so einem Faschingswagen.

  6. So war das mit dem Verweis nicht gemeint, ich wollte damit nur darstellen, dass bei Mao, der ja nunmal mehr Menschenleben auf dem Gewissen hat (wobei das an sich keine große Rolle spielt, wer jetzt mehr hat), kaum jemand sein Gesicht auf einem Anstecker mit Massen von grausam ums Leben gekommene Menschen assoziiert. Und ich denke das liegt auch gerade daran, dass man das Bild schon so oft und in so vielen verschiedenen Zusammenhängen gesehen hat, dass man einfach gar nicht weiter drüber nachdenkt, während sicherlich jeder Deutsche, der mal nach Indien reist ziemlich sicher innerhalb des Reisezeitraums das eine oder andere Mal an Nationalsozialismus denken wird, weil das Hakenkreuz bei ihrer Symbolik nunmal allgegenwärtig ist. Man kennt es halt hier nicht anders.

  7. Ja, die Kommentare, die frau morgens um 4 schreibt, können tatsächlich etwas verwirrend sein.
    Ich bitte, das zu entschuldigen, ich war erbost, aber müde.
    Also: nicht die Opfer des 2. Weltkrieges, sondern die KZ Opfer, um die es ging, meinte ich natürlich.
    Bei einer derartigen Ausstattung von Karnevalswagen von Symbolen zu sprechen, finde ich etwas grenzwertig.
    Symbole entmachten zu wollen,aber die Absichten, die durch „Symbole“ getragen und dargestellt werden,zu ignorieren,halte ich in diesem Fall für ignorant den gegebenen Umständen gegenüber.
    Was genau mag denn Leute bewegen, so einen Wagen im Karneval einzusetzen?
    Oder überhaupt?
    Mir kommt das eher zynisch vor.
    Zudem wir im Zeitalter der kosmetischen Wortklaubereien leben, die durch beschönigende Bezeichnungen bitterer Realitäten solche basteln, die gefälliger sind. Ich habe bei der Vorstellung dieses Umzugswagens den Symbolcharakter entweder nicht begriffen oder er hat keinen.
    Ich finde sowas jedenfalls pervers.
    Geschmacklos hat so was von mal jemandem ins Bier pinkeln. Seicht, aber ärgerlich.
    Was genau glaubt ihr, wollen Leute mit so einem Karnevalswagen ausdrücken?
    Wenn eine Hitler-Figur zu Körpern tanzt, die den KZ Opfern nachempfunden sind?
    Das ist einfach widerlich.
    Und das dann als Symbol(e) zu bezeichnen bzw damit zu assoziieren finde ich demzufolge ignorant.
    Es werden keine Hakenkreuze dargestellt, sondern Menschen.
    Assoziationen von Mord und Totschlag, Gewalt und Blut.
    Das fällt mir persönlich nicht sofort ein, sehe ich ein Hakenkreuz oder kommt ein stilsicherer Neonazi um die Ecke
    (unbedachter Wortwitz…)

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