Killerpfaffen und -kassetten

Schon ziemlich albern: Das reflexhafte Suchen nach irgendetwas oder -jemandem, der oder die

  1. schuld an durchgebrannten Sicherungen wie der Emsdettener ist und
  2. nach Möglichkeit keine Gruppe ist, der man selbst angehört.

Das treibt mitunter groteske Blüten. Neben der zeitgeistkonformen Ausmachung der sogenannten Gammelspiele Killerfleische Killerspiele als Kasus Knaxus des Scheiterns unserer Jugend im Moralischen, macht der Vorsitzende des Rats der evangelischen Kirchen in Deutschland, Bischof Ruprecht Huber ein anderes Medium als Wurzel allen gesellschaftlichen Übels aus: Das Internet! Also, geneigter Leser, mach sofort den Monitor aus, sonst verfärbst Du dich gleich noch grün, die anwachsenden Muskeln lassen deinen Schlüpfer platzen und wegen des Mark erschütternden Schreies während dieser Transformation rufen die Nachbarn noch die Polizei…

Das das völliger Unsinn ist, dürfte selbst den ganz strengen Protestanten einleuchten. Ich schlage vor, wir eruieren jetzt mal gemeinsam, was es vor 22 Jahren war, das den Jugendlichen die Realität vergälte, sie Amok laufen liess. Nämlich VHS-Videokassetten! In der köstlich-populistischen-öffentlich-rechtlichen Doku „Mama, Papa, Zombie“ von 1984. Ruhig bis zum Schluss schauen, der kollektiv betroffene Elternabend gegen Ende bei der Testvorführung eines Zombiefilms ist besonders sehenswert. [via]


Mama, Papa, Zombie
Uploaded by tschakka

3 Kommentare

  1. Faszinierend…
    Vor ein paar tausend Jahren war bestimmt das Rad böse, oder spitze Stöcke (wie bei Monty Python…).

    Lustig finde ich dass die Zombiefilmausschnitte ebenso in ihrer schlechten Machart kaum von dem ZDF Material zu unterscheiden sind. Mein Highlight ist das Interview mit dem Gerhard Schröder Lookalike in der Mitte einer leeren Eingangshalle…

  2. Tatsächlich war so ziemlich jedes Medium in der Mediengeschichte einer solchen Debatte ausgesetzt. Heute schwer vorstellbar, dass beispielsweise der Roman bei seinem Aufkommen eine ähnlich hysterische Debatte ausgelöst hat.

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