Klinke: Hand. Hand: Klinke.

RauchenhitmanbombePOlizeiahmadinejad

Der Spiegelfechter hat eine hübsche Polemik über die Maßnahmen zum Schutz einer Gesellschaft geschrieben, die zuvor, scheint’s, hilflos röchelnd vor den Nikotinfaschisten im Staube kroch.

[Eine skurrile Situation], die in Niedersachsen schon Normalität ist: In einer neuerdings schlechter gefüllten Kneipe musste eine Trennwand gezogen werden, um den Rauchern ein Habitat zu schaffen. In dieser Rauchzelle sitzen Raucher und Nichtraucher eng beieinander und haben ihren Spaß so wie früher – der einzige Unterschied ist die schlechtere Luft, da sich der Rauch trotz Lüftung auf einen kleineren Luftraum verteilt, womit niemanden ein Gefallen getan wurde. Der große Nichtraucherbereich, samt Theke, ist fast menschenleer. Die wenigen Gestalten an der Theke bekunden auch, ihnen wäre es lieber, wenn wieder geraucht werden dürfte – die saubere Luft sei zwar nett, ersetze aber nicht die verlorene Gemütlichkeit und der neuerliche Separatismus der Masse spalte die Gesellschaft. Ist es das, was die Politik will?

Klar wie’s Amen in der Kirche: Militante Nichtraucher spammen den Kommentarbereich zu. Ich finde ja, das muss nicht sein. Als jemand, der zwar nunmehr Nichtraucher ist, aber 17 Jahre seines Lebens passiv und fünfe aktiv rauchte, rufe ich denen, die da immer noch das Fähnchen des eklen Lasters hochhalten, zu: Raucht, meine Besten! Raucht ohne Reue und schlechtes Gewissen. Bitte! Ihr schädigt und verärgert mich nicht damit. Jeder ist seiner eigenen Gesundheit Schmied, seines Geldbeutels Kaiser. Wenn ich des Abends zum Schwofen geh‘, dann ist’s mir egal, wenn meine Klamotten stinken, denn ich habe geschwitzt und muss sie sowieso wechseln. Er gehört einfach dazu, der Duft der Ausschweifung. Und es gibt bessere Dinge, für die man sein Querulantentumpotential nutzen kann, als den Glimmstengel an Nachbars Tische. Zum Beispiel um zurückzustänkern versus diejenigen, die sich da als Hüter von Moral und Volksgesundheit aufspielen.

~

Und da ich gerade schonmal bei Kommentarquerulanten bin, möchte ich kurz auf einen Beitrag im Blog der Computerspielezeitschrift GameStar hinweisen: Ich bin ein Ego-Shooter (?) [Beitrag ist leider mittlerweile offline, es gibt ihn aber noch auf archive.org]. Redakteur Gunnar Lott gerät auf einem Symposium in Stuttgart mit Regine Pfeiffer aneinander, die zusammen mit ihrem Bruder, dem im Zuge der Diskussion um „Killerspiele“ zweifelhaft bekannt gewordenen Krimonologen Christian Pfeiffer, einen Kreuzzug gegen die in apokalyptischem Außmaß Jugend gefährdenden und zumeist erst an Volljährige verkaufbaren Egoshooter. Das allein ist schon lustig zu lesen. Jedoch kommt in den Kommentaren auch noch die rüstige Pensionärin Pfeiffer selbst zu Wort (bzw. ein enthusiatischer Troll, der sich nicht unbegabt als sie auszugeben versteht) und da dämmen alle Breche.

Ich finde die dämlichen Polemiken der selbst ernannten Experten und (v.A. Unions-) Politiker gegen diese Form der Unterhaltung wirklich gut. Denn letzten Endes leisten sie damit einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Repolitisierung einer ganzen Generation. Wer weiß, vielleicht ist in zwanzig Jahren ja ein Bayern ohne CSU (deren aktueller Häuptling Beckstein sich durch besonders populistische Ansagen in diesem Bereich unbeliebt gemacht hat) an der Macht möglich? Vermeidbarer Kalauer: Oder mit einer CS-U.

~

Die Telepolis hat ihren ersten hauseigenen $129a-Fall. Die in Griechenland lebende Heike Schrader, die u.A. für TP schrieb, wurde am 10. des Monats bei der Einreise nach Deutschland unter Terrorverdacht festgenommen. Und wie so oft beweisen die Exekutivorgane eklatante Mängel in der Gefahrenbekämpfung, die — so mein gesunder Menschenverstand — mit der Einschätzung der Gefahrenlage beginnt.

Die Journalistin hat sich einer Strafverfolgung mitnichten entzogen – schon alleine, weil sie nichts von einem Haftbefehl wusste. „Im März dieses Jahres war ich erst auf Veranstaltungen in Deutschland zu Gast“, sagt sie. Ihr Name sei in Medien publiziert und auf Plakaten gedruckt worden. (…) Wenn eine vermeintliche Guerillera über Jahre hinweg ein- und ausreisen kann – wie ist es dann um den Schutz vor wirklichen Terroristen bestellt?

Terrorbekämpfer, die „Gefährder“ jahrelang unbehelligt einreisen lassen, die untereinander nicht kommunizieren, stinknormale Bürger aufgrund von Google-Suchanfragen oder kritischer Äußerungen zum Papst per Sondereinsatzkommando hopsnehmen, die auch mal als externe Quelle auf die gesammelten Erkenntnisse von Neonazi-Internetseiten setzt [via][1]. Was soll man dazu noch sagen? Vielleicht sowas wie „Etwas läuft gerade verdammt schief“.

~

Aber nicht nur hier. Im vergleichsweise liberalen Schweden wurden bei einem Polizeieinsatz wegen Filesharing die Datenträger eines 31ährigen Mannes beschlagnahmt, obwohl bei ähnlichen Fällen zuvor entschieden wurde, dass Hausdurchsuchungen nicht durch Datenpiraterie legitimiert seien. Aber das Beste daran: Weil bei der Polizei niemand kompetent genug war, die Daten zu analysieren, reichten die Herren in grün (sind die in Schweden auch grün?) sämtliche Datenträger an die IFPI weiter. Genau — die IFPI. Die ganze Geschichte ist bei Brokep von der Pirate Bay nachzulesen (wenn dessen Blog denn mal wieder funktioniert, indes hab‘ ich sie noch im Feedreader).

~

Zum Schluss: Promiblogs. Der Irre mit der ohne Bombe steckt in einer Sinnkrise! Mahmud Ahmadinejad hat nämlich schon länger nichts mehr in seinem Blog veröffentlicht. Aber zumindest erklärt er sich: Er habe sich eher darauf konzentriert die Kommentare zu lesen, weil das Weblog eben ein Zwei-Wege-Medium sei, aber bald soll’s endlich weitergehen. [via]

Miese Ausrede.

Bilder (v.l.): debagel (cc), markuz (cc), crischa (cc), Marco B. (cc), Daniella Z. (cc)

  1. Danke an die wunderschöne S. für die Recherchehilfe! [zurück]

5 Kommentare

  1. Scheint, es brennt mal wieder an allen Ecken. Kannst Du nicht zur Abwechslung auch mal ein paar Lösungen bloggen? 😉

  2. Pingback: Kommunalpolitik in Ahrensburg und Stormarn » Blog Archiv » Verbotewahn

  3. ah, du hast es geschafft, Lil‘ Kid Nuclears neuen Eintrag direkt zu verlinken, das übernehm ich jetzt einfach mal ganz seriös. Außerdem hat er nie eine Sinnkrise. Schon aus Prinzip. Das ist ja grade der Grund, warum ich mich über ihn lustig mache.

    Aber da erscheint ja gar kein Pingback… seltsam seltsam, wer hätte das gedacht..?

  4. Hehe, der Mahmud hat kein WordPress, bei anderen Blogsystemen gibt’s kein Pingback. Der wird aber auch oft verlinkt, da würde er ja in Track- und Pingbacks versinken.

    Als Direktlink kannst einfach den Permalink nehmen, der unter den Beiträgen steht.

    Mich wundert gerade was: Im RSS-Link von Ahmadinejads Blog steckt „aspx“, was soweit ich weiß etwas mit „Advanced Server Pages“ zu tun hat, was wiederum eine Microsoft-Technologie ist und damit uramerikanisch. Eine Verschwörung?

  5. @ Sebastian: Gerne! Für’s erste sollte es reichen, die Polizei, Justiz und Innenministerium dazu zu bringen, mit dem Scheiß aufzuhören. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.