Klug

In der Berliner Zeitung von diesem Wochenende gab es ein Interview mit dem linkslibertären französischen Philosophen Michel Onfray. Themen: Das gespannte Verhältnis der Franzosen zu ihren Herrschern, Infantilismus und Schamlosigkeit des Nicolas Sarkozy, wie sich linke und rechte Ideologien im Liberalismus ergänzen und wie die Verweigerung der Anerkennung von Macht ebenjene negieren kann. Auch wenn ich ihm nicht überall zustimme, insbesondere im letzten Punkt (Spätestens seit Hartz IV sollte das Ausmaß staatlicher Sanktionsmöglichkeiten gegenüber „Verweigerern“ bekannt sein), ist es eine Freude, das zu lesen. Ich frag mich ja, ob es solche „spritzigen“ Intellektuellen auch in Deutschland gibt. Nö, im FAZ-Feuilleton wird lieber zum 112. Mal Jahre bleiern durchgekaut, wie moralisch verwahrlost Walsers Paulskirchenrede doch war. Oder nicht. Gäääähn. Irgendwie eher schlecht als recht denkbar, dass hierzulande mal jemand Bekanntes ungeschoren die Psychologie einer Angela Merkel analysiert. Die von Innenminister Schäuble mal ganz zu schweigen.

2 Kommentare

  1. Sarkozy hat sehr viel mit George W. Bush gemeinsam, zum Beispiel die Fähigkeit, geradezu endlos über „Werte“ wie „Demokratie“ und „Freiheit“ zu schwafeln – ohne deren völlig unübersehbaren Missbrauch zur Kenntnis zu nehmen. Gleichzeitig ist er aber schlüpfriger, denn durch all das Gesabbel dringt selten eine klare Aussage. Der Leader Of The Free World hat dagegen schon immer dieselbe Meinung vertreten.

    Amüsant, der Artikel in der Berliner Zeitung. Warum Onfray seine Philiosphie ausgerechnet als „Hedonismus“ bezeichnet – worunter der Rest der Welt wohl etwas anderes versteht – überlasse ich der akademischen Diskussion. Letztlich ruft er schlicht zum zivilen Ungehorsam und demokratischen Mündigwerden auf.

  2. @ „Ich“: Das kam aus dem Interview in der Papierversion besser heraus, denn da stand direkt auf der Seite noch dieses Kästchen mit Informationen zu seiner Person. Auszug:

    Der Philosoph Michel Onfray schließt an die epikureische und hedonistische Philosophie an.

    Der Genussmensch erleidet im Alter von 38 Jahren einen Herzinfarkt und erklärt daraufhin in „Der Bauch der Philosophen. Kritik der diätischen Vernunft“: „Lieber esse ich Butter und sterbe, als mein Leben mit Margarine zu schonen.

    Irgendwie sympathisch.

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