Libertas Libris

Ich habe neulich das erste Mal ein Buch per BookCrossing „freigelassen“. BookCrossing heisst: Ich habe ein Buch gelesen und „schenke“ es der Allgemeinheit. Ich klebe einen Sticker mit dem Modus Operandi in das Buch und lege es an irgendeinem öffentlichen Ort ab. Das Buch wartet nun auf seinen Finder, jener liest den Sticker im Buch und weiß daraufhin: „Aha, dieses Buch darf ich lesen, soll es dann aber an jemand anderes weitergeben und möchte doch bitte im Internet eintragen, wo ich es gefunden habe und ob es mir gefiel.“

ndWo sonst hätte ich nun das erste Buch besser in den Besitz der Allgemeinheit übereignen sollen als am Fuße des Redaktionshauses der merkwürdigen Kommunistenpostille „Neues Deutschland“? Auf einer Parkbank, um präzis‘ zu sein. Jetzt bin ich gespannt, ob demnächst eine Mail aufschlägt, Betreff: The book you have registered has been read oder so. Einen Kullerkeks würde ich mich freuen. Wenn nicht, ist’s aber auch nicht schlimm, denn – und ich glaube ich habe hier die zentrale Problematik des BookCrossens entdeckt – natürlich mochte ich das Buch nicht die Bohne, das ich weggab. Gute Bücher behält man eben. Es handelte sich bei dem in die rohe Natur überlassenen Werk um „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, den ersten Abschnitt von Bastian Sicks Pedanteriemarathon (über das ich bereits ablästerte). Hoffentlich nimmt sich das Werk keiner der Leser zu sehr zu Herzen. Das Buch war jedenfalls weg, als wir nach einer dreiviertel Stunde die Stelle erneut passierten, an der das Buch auf der verwitterten Bank wie ein hellblauer Fleck Himmel inmitten einer dunkelgrauen Gewitterwolkenwand gelegen hatte.

4 Kommentare

  1. Falls das Buch gefunden wurde und der Leser so nett ist es auf der Webseite einzutragen – das kann aber dauern, deswegen immer brav weitermachen, gelle, oder zu BC-Meetups gehen wenn man bestimme Bücher nicht unbedingt in die Wildnis entlassen möchte sondern eher kontrolliert – wenn der Leser das tut bekommst du ein Journal-Entry per Mail. 😉
    Wer sich knapp zwei Stunden Podcast zum Thema antun möchte kann übrigens auf mein Bookcrossing-Special zurückgreifen:
    http://www.christianspliess.de/?p=37. Ja, das KANN man herunterladen, ich würde sowas auch nicht mit dem Flashplayer auf der Homepage anhören wollen und die Kommentare berichtigen nochmal einige Fakten die ich erzählt habe. So muss das auch sein. 😉
    Ad Astra

  2. Total super Idee! Ich hör /les das erste Mal davon und werd’s die TAge auch mal in Angriff nehemn! Danke für die Weitergabe der Info!!
    Grüße, Step Around (Books)

  3. @ Prospero: Danke für die Links. Hab sie gleich mal in den Artikel aufgenommen.

    @ Step Around: Ja gerne, ich freu mich ja immer, wenn ich den einen oder anderen Impuls aussende. 🙂

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