Loose Change: abgemahnt & offline (?)

Gerhard Wisnewski weist darauf hin, dass die bis dato im Internet frei verfügbare Dokumentation Loose Change 9/11 über die Ungereimtheiten in den Ereignissen am 11. September 2001 momentan offline ist. Grund seien Urheberrechtsansprüche der französischen Brüder Naudet, aus deren Dokumentation über die New Yorker Feuerwehr einige Ausschnitte entnommen wurden. In letzterer wurde ein junger Feuerwehradjutant über mehrere Monate begleitet. Die Ereignisse am 11. September, in die dieser zufällig geriet, wurden ebenso zufällig sehr detailliert von den französischen Filmemachern dokumentiert.

Ich hatte über Loose Change bereits berichtet. Eine sehr sehenswerte Dokumentation, die nicht zuletzt aufgrund der jüngst veröffentlichten „Beweisbilder“ zum Flugzeugeinschlag ins Pentagon aktuell und unbequem ist.

Bei Google Video kann man sie dennoch weiter anschauen und auch die in den Filesharingnetzen verfügbaren Versionen werden natürlich nicht von heute auf jetzt offline sein. Ich rate zum Anschauen. Man muss nicht alles glauben – wenn jedoch nur in der Hälfte der präsentierten Fakten ein Fünkchen Wahrheit steckt (und man ist geneigt, das anzunehmen), ist 9/11 ein Skandal, den man nicht mehr mit dem Pauschalvorwurf „Verschwörungstheorie“ aburteilen kann.

3 Kommentare

  1. Die Macher sind für meine Begriffe mit einer zu eindeutigen Intention an die Sache herangegangen; einige „Fakten“ wurden nur präsentiert, damit sie das Gegenstück zu den offiziellen Pentagon-Bush-Medien-Verlautbarungen sein können. Populismus á la Michael Moore ist das, schön auf der Anti-Welle reitend. Oder anders gesagt: Hauptsache-dagegen-Mentalität. 😉
    Bringt so nur leider nichts, triefende Subjektivität nenn ich das.
    Die Wahrheit? Irgendwo dazwischen. Man muss sich nur trauen, das zu akzeptieren.

  2. TITLE: Find ich gar nicht.
    Der Film zeigt Ungereimtheiten und Fragen auf, die weder von der Regierung noch den etablierten Medien beantwortet wurden. Klar, man muss sollte nicht alles glauben, aber den Film nicht als Anstoß zu sehen, sich so ein paar Gedanlken zu machen, wäre genauso sträflich.

    Bitte leg bei dem Film andere Maßstäbe an: Es handelt sich um eine LowBudget-/Independent-Produktion. Die Fragen, die hier aufgeworfen wurden sind in diversen Foren gesammelt worden von Hinterblieben der Opfer. Diese haben imho das Recht, ein bisschen mehr zu erfahren als die Wahrheit der Regierung. Und dass diese Fragen einseitig sind, so what? Erhebt der Film etwa Anspruch auf Neutralität? Ich finde, das muss er auch gar nicht.

    Was mich die ganzen letzten Jahre wunderte ist der Populismus-Vorwurf gegenüber Michael Moore. Ich meine, der Mann hat doch etwas erreicht, oder nicht? Er hat in seinen Filmen konkrete Misstände benannt und dies hatte Wirkung. Dass die Diskreditierungskampagne gegen ihn selbst unsere liberal-progressiven Köpfe (inklusive der Feuilletons) erreicht, lässt mich befürchten dass der Einfluss der NeoCon-Hetzmedien auch in Deutschland größer ist, als uns allen bewusst ist.

  3. TITLE: Ich neige
    ja generell eher zur konstruktivistischen Sichtweise. Freilich, betrachtet man hier einzelne Sachverhalte, ist klar, dass es eine objektive Wahrheit geben muss. Und alternative Erklärungsversuche tun schlicht Not, wenn die offizielle Wahrheit als nicht ausreichend anerkannt werden kann.

    Der Film hat in meinen Augen zwei Ziele: Erstens, alternative Erklärungsansätze zu präsentieren (und erhebt dabei für mich nicht den Anspruch auf die einzige, die objektive Wahrheit) und zweitens, den Zuschauer darauf zu stoßen, dass es überhaupt Ungereimtheiten gibt. Also bestimmte Themen, die TV & Co einfach ausgelassen haben, zu Gunsten der 87tausendsten Wiederholung der Flugzeug-Einschläge. Macht mir nichts, wenn das populistisch (wie du es nennst) geschieht – mir wäre nie aufgefallen, dass das Penssylvania-Wrack nie aufgetaucht ist, dass das Pentagon-Flugzeug ein viel zu kleines Loch hinterlassen hat. Mir wäre im Angesicht (und trotz) der 9/11-Bilderflut nichtmal aufgefallen, dass es überhaupt kaum Bilder zu bestimmten (heiklen?) Aspekten gab.

    Ich glaube nicht, dass der Film Anti des Anti wegen ist, sondern unterstelle den Machern lautere Motive. Ich bin für Loose Change wegen der Fragen, die der Film stellt und die ich mir danach stelle, in der Reflektion. Ich hatte ihn vor ein paar Monaten gesehen und ein Bekannter von mir ebenfalls, aber unabhängig von mir. Als wir im Nachhinein darüber diskutierten stellten wir fest, dass wir in einzelnen Punkten verschiedener Ansicht, aber wir uns auf folgendes einigen konnten: Wenn nur zwei, drei der gestellten Fragen berechtigt sind, wäre das ein Riesenskandal, ferner ist es merkwürdig, warum die US-Regierung eine Geheimhaltungspolitik in dieser Form pflegt.

    Trackback zur Metaebene: Populismus kann auch gut sein. Er sollte seine Grenzen haben. Diese klar fassen, würde ich mir nicht zutrauen – da bin ich zu wenig Kommunikationswissenschaftler. (Volksverhetzung, Reproduktion von Rollenbildern und Klischees, sicherlich). Prinzipiell finde ich aber nichts dabei, Inhalte formal einfach (nicht: inhaltlich vereinfacht) darzustellen, bzw. mit Appetizern oder wie man das nennt, starken Bildern, Emotionen – wenn man viele Menschen erreichen will.

    Und dann kommen die Gegner der eigenen Rede ins Spiel, die einem diese einfache Form zum Vorwurf machen. Populismus als Begriff ist in aktuellen Diskursen leider ein ähnliches Abwürginstrument geworden wie „Gutmensch“, „Antisemitismus“ oder „Reformgegner“. Fast bin ich geneigt, festzustellen, dass – und das beziehe jetzt nicht auf dich – die Verwendung des Begriffs selbst schon populistisch ist.

    So long,
    m.

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