Manbearpig

I, ROBOT
Foto: baboon™ (cc)

Es geht voran mit der Menschheit! Im Reagenzglas gibt es erste Mensch-Kuh-Mashups und mit feinen Hirnschrittmachern wird gegen Depressionen vorgegangen:

Den Patienten wurden Elektroden in ein Areal implantiert, das für die Kontrolle von Stimmungen zuständig ist. Dazu wurden zwei Löcher in den Schädel mit lokaler Anästhesie gebohrt. Durch sie führte man mit der Hilfe der Kernspin-Tomographie die Elektroden ein und implantierte sie in den cingulären Cortex (Cg25). Die Enden der unter der Haut verlaufenden Kabel werden am Nacken mit den Kabeln des in die Brust implantierten programmierbaren Stimulators verbunden.

Supergut. Mit der Kraft der Dampfmaschine gegen die Volkskrankheit Depression. Damit sie auch morgen noch effizient arbeit können. Hirnschrittmacher… Die scheint so macher echt zu brauchen. Bin ja mal gespannt, wann hier die ersten Spammails eintrudeln, die mir solche Dinger inklusive OP anbieten für das Hirnareal, in dem der Orgasmus getriggert wird. Da bin ich doch ausnahmsweise mal einer Meinung mit der Kirche: Komplett gruselig und abartig, sowas. Nicht nur, dass durch solche genetischen oder maschinellen Crittereien der Mensch sich von sich selbst entfremdet, sich quasi von eigener Hand degeneriert — solche Entwicklungen (bin mir bewusst, dass sie nicht aufzuhalten sind) bergen auch genug Potential für eine Apartheid der Gepimpten und Gemoddeten. „Gattaca“ lässt sich ja auch abstrahieren.

See also: .markus‘ Text „Open Brain 2.0“ im Craplog, mit Ekelbild. *unterschreib*

4 Kommentare

  1. Noch werden Kabel unter die Haut verlegt, um kranken Menschen zu helfen. Wenig später gibt es den Hirnstimulator als Upgrade für den iPod. Er wird erschwinglich und muss nicht mehr verschrieben werden. Jeder nutzt ihn, wenn er sich mal traurig fühlt. Die Traurigkeit wird abgeschafft. Der Tod verliert seinen Schrecken, seine Relevanz. Es ist egal, ob jemand stirbt, es wird folglich egal, ob jemand lebt. Das Leben ist abgeschafft, weil keiner mehr traurig ist. Visionär!

  2. Nee, nee Frank, hier regt sich Widerstand in meinen Gedärmen.
    Der Crablog Artikel, schön und gut aber Du verfehlst hier den Apfel und triffst ins Auge.

    Gruselig hin oder her, kaum jemand mag sich gern im Hirn rumbasteln lassen, leuchtet ein. Aber Herz wechseln oder sich mit Elementarteilchen beschießen lassen gehört sicher auch nicht zu unseren Lieblingsbeschäftigungen,- wenn’s drauf ankommt, sicher Besser als die Alternativen.

    Hier geht es nicht um temporäre Verstimmungen , ausgelöst durch zu viel Cola und McDonalds Essen. Es geht nicht um die Wahl zwischen Elektroden oder Johanneskraut zur Verbesserung der Stimmung. Mit der Volkskrankheit Depression hat das gar nichts gemeinsam, außer dem Krankheitsnamen (Depression).

    Depression als patologisches Krankheitsbild ist vernichtend. In starker Ausprägung würde man sicher beide Beine gegen eine Heilung tauschen.
    Im Hirn kann so einiges schief laufen, wenn’s an der falschen Stelle klemmt hat die Depression nicht mehr viel mit der Umwelt zu tun, alles hausgemacht, völlig endogen.

    Man ahnt es vielleicht schon:
    Wenn’s drinnen klemmt, dann kann man von außen auch nichts wuppen.
    Schlimmstes Siechtum, leben in völliger Dunkelheit, im tiefsten Verließ, den dicksten Ketten im schlimmsten Mief, der schlimmste Fluch des untot Daseins.
    Diagnose gestellt.
    Heilung nicht möglich.

    Wirklich nachfühlen kann ich es nicht, glaube aber es könnte zu den schlimmsten Krankheiten auf Erden gehören.

    Hier wird tatsächlich mit Elektroschock Therapie (Krampftherapie) gearbeitet.
    Klingt hart.
    Ist es auch.
    Wenn man sieht wie sich so ein Körper unter Vollnarkose verkrampft, möchte man eingreifen und die Leute retten.

    Manchmal hilft es sogar.
    Dann heulen die Kranken hinterher und danken Gott, daß jemand auf die Idee gekommen ist sie an eine Steckdose zu hängen.
    Die sagen dann, daß sie das erste Mal seit Jahren an etwas anderes denken können als an Selbstmord.

    Genau diese Menschen geben die Indikation für das Verfahren, von dem Du geschrieben hast. An dieser Stelle sehe ich nicht den kleinsten Ansatz für Kritik oder Ekel.

    Ich meine da hast Du einfach was verwechselt.
    Beim Ruf der Krampftherapie verhält es sich ähnlich, je weniger man darüber weiß, desto schneller lehnt man sie ab und fängt an, an Horrorfilme zu denken.

    P.S.:Habt ihr vielleicht Lust am Samstag mit tanzen zu kommen?

  3. Es scheint mir, als würde hier jemand völlig unkritisch allen angeblichen wissenschaftlichen Theorien glauben schenken.

    Dass bei angeblich depressiven Menschen etwas im Gehirn im Gegensatz zu angeblich gesunden Menschen etwas verändert ist, mag stimmen, dafür gibt es ja nun wirklich Belege.
    Aber dass es nicht heilbar ist, wage ich stark zu bezweifeln, zumal ich ebenfalls bezweifle, dass es eine Krankheit ist.

    Auch wenn es derzeit unglaublich en vogue ist, alles aus neurobiologischer Sicht zu betrachen, sollte man sich diese angebliche Krankheit auch mal mit all ihren angeblichen Ursachen und Wirkungen aus sozialer und psychologischer Sicht anschauen.
    Es ist definitiv keine Lösung zuzulassen, dass die Gesellschaft verkümmert (wobei ich mich frage, wie es noch schlimmer werden kann) und darauf zu hoffen, für alles eine angebliche Wunderpille, die die Menschen mal eben für das angebliche System angeblich konform schaltet. Und genau das ist es hier doch.
    Wenn bei einem Menschen nur noch schlechte Stimmungen auftreten, dann hat das immer noch an erster Stelle Gründe, die der Umwelt dieses Menschen zu entnehmen sind, die körperlichen Folgen sind nur eine Reaktion darauf. Einen Menschen in einer solch miesen Situation zu lassen und ihn einfach auf Knopfdruck trotzdem angeblich glücklich machen zu wollen, ist kompletter Schwachsinn.

    So viel erstmal, angeblich!

  4. @elysium:

    zunächst: bei deiner bewertung der depression als schwerer krankheit gebe ich dir grundsätzlich recht; nur verfehlst du in deiner kritik die intention des artikels, wie ich sie verstanden habe: es ist doch keinesfalls abwegig, bei den derzeitigen verhältnissen anzunehmen, dass derartige „hirnschrittmacher“ eben im einsatz keinesfalls auf eigentlich betroffene beschränkt bleiben werden – ähnliches ist derzeit bereits bei den antidepressiva
    zu beobachten, die gezielt zur „selbstoptimierung“ eingesetzt werden.

    und zu deinen anmerkungen zur ekt verweise ich einfach auf meine eigenen – u.a. kannst du daraus entnehmen, dass der einsatz von ekt bei depressionen zumindest in der mir bekannten psychiatrischen praxis eine deutliche ausnahme darstellt.

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