Medien und Manipulation

Dank der Umstellung Berlins auf DVB-T und fehlendem Geld waren wir seinerzeit gezwungen, den Fernseher verstauben zu lassen und, später, wegzugeben. Erst dann begann ich, mich für Politik, abseits von Allgemeinplätzen und SPIEGEL-Propaganda zu interessieren. Wenn ich heute wo zu Besuch bin und ein Fernseher läuft, erkenne ich nachher, wie hypnotisch dieses Medium wirkt. Selbst den größten Scheiss, von Supernanny bis Bohlens Egowichse, tu ich mir an, weil’s kurzfristig unterhaltsam ist.

Es gibt so viele Möglichkeiten, diese Zeit besser zu nutzen.

Die TV-Macher sind sich dieses Effekts sicher bewusst und gestalten ihr Programm so, dass Inhalte stark vereinfacht dargestellt werden (wer fernsieht, will nicht denken). Eine Verzerrung der Realität findet statt, und die Medien wissen das auch für politische Zwecke zu missbrauchen.
Ein Beispiel: Bei den Ver.di-Streiks wurde jüngst in den Tagesthemen das Porträt einer Mutter skizziert, die aufgrund der Streiks ihr Kind nicht in den Kindergarten schicken konnte. Fast hätte sich Mutti extra einen (unproduktiven) freien Tag nehmen müssen, aber gottseidank war Omi ja da und hat sich um’s Töchterchen gekümmert. Motive für den Streik, die Art und Weise, wie sich Nullrunden oder Tariferhöhungen volkswirtschaftlich auswirken, die unter der Inflation liegen: Fehlanzeige. Stattdessen, ein emotionaler, einseitiger, subjektiver Teilausschnitt der Konsequenzen. Aber das ist eine Sprache, die jeder versteht.

Jetzt kommt’s: Vorhin habe ich auf InfoRadio (RBB-Nachrichtensender) ein Feature zu den CPE-Protesten in Frankreich und den damit einher gehenden Streiks gehört. Erzählt wurde von einer, namentlich genannten, jungen Mutter, die sich fast einen Tag frei nehmen musste, wenn sie ihr Kind nicht zur Oma hätte geben können.

Wer will mir erzählen, es stecke kein System dahinter?

Manipulation ist nicht bloßes Lügen. Es ist der Versuch, eine subjektive Ansicht, eine Meinung, als objektiv darzustellen. Das Instrumentarium ist vielfältig:
Auslassen bestimmter Teilaspekte eines Sachverhalts, Überbetonung anderer, suggestive Bilder, Untermauerung von Argumenten durch vermeintliche Experten, die Formulierung von Meinungen als rhetorische Frage, Statistiken (die häufig in beliebige Richtungen interpretiert werden können), emotionale Berichterstattung, das Präsentieren des „Gegners“ auf herabwürdigende Weise („Blaming“, „Bashing“), die Neudefinition positiv besetzter Begriffe (z.B. „sozial“, „Reform“), die negative Neudefinition von vom „Gegner“ besetzte Begriffen („Solidarität“, „Sozialstaat“), die Konstruktion eines „WIR“ (damit gleichzeitig: Konstruktion eines „DIE“), eigentlich kontroverse Ansichten unkommentiert als evident – also in sich logisch und selbsterklärend – hinzustellen (Beispiele: In Berlin-Kreuzberg sei die Integration gescheitert, nachzulesen im SPIEGEL oder in der FAZ; Wir stünden vor einer demographischen Katastrophe, nachzulesen überall), und so weiter.

Wer das so nicht sieht, sollte sich wachen Auges mal mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschäftigen, die gute Kontakte in die Journalismusschmieden pflegt. Aber ein reflektierter Blick in BILD oder SPIEGEL reicht auch.

Anlass: René im Spreeblick-Blog: Die Rückkehr des Wortes.


Kleines Update: Auch der marktradikale Alibi-Grüne und INSM-Botschafter Oswald Metzger nutzt in seiner Propaganda-Kolumne seinem Blog bei Focus.de die Kindergarten-Mutti-Tränendrüsen-Argumentationslinie gegen die Streiks. Ach, wat isser doch bürgernah, der Ossi („Ja, sind sie von Attac bezahlt?“). Nachtjall, ick hör Dir trapsen.

1 Kommentar

  1. gut gesagt, fersehen versetzt den Menschen in einer Art „Trance“ die nur kurzfristig unterhaltsam wirkt!

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