Mein erster Troll. Oder: Der Mob.

In den letzten Tagen hatte ich einen ganz besonders symphatischen Zeitgenossen im Blog zu Gast. Udo nannte sich dieser und glaubte, seine Meinung zu Murat Kurnaz unter einem älteren Blogeintrag zum besten geben zu müssen. Udo war über die Yahoo!-Suchbegriffe „kurnaz lügner“ in mein Blog gelangt, also offensichtlich auf der Suche nach Orten, an denen es zu trollen gilt. Von Frisuren war da die Rede, dass sich Kurnaz bloß produziere, um Gelder zu erhalten und dass er, Udo, ihn der Terrorkonspiration für schuldig halte. Und als ob dies nicht ausreichen würde, stolpere ich auch – ohne danach zu suchen – hier und da auf gebloggte „Meinungen“, die der Udos entsprechen. Würg, kotz, spei.

Jetzt hört mir mal gut zu, ihr selbsternannten Apostel der einzig wahren Wahrheit, nämlich die, die ihr euch in eurem stillen Kämmerlein zurechtonaniert. Wenn selbst die terrorhysterischen Geheimdienste der Vereinigten Staaten einem – Achtung! – Moslem Unschuldigkeit attestieren, dann wird’s wohl auch so sein.

guantanamo
… und dieser Bart erstmal … höhö …

Hier nochmal eine Zusammenfassung der Erkenntnisse, die man als gesichert nehmen kann: Ein Mann sitzt jahrelang unschuldig hinter Gittern und bekommt keinen fairen überhaupt keinen Prozess. Es handelt sich dabei nicht um die JVA Münster, sondern um Guantanamo, über dessen Haftbedingungen die Öffentlichkeit ja nun ansatzweise Bescheid weiß. Ab und zu wird dieser Mann „verhört“, und dabei werden mit Sicherheit keine Multiple Choice-Fragebögen ausgefüllt. Es stellt sich heraus, dass da jemand unschuldig inhaftiert ist. Die Chance zur Entlassung besteht, aber die Bundesregierung weigert sich, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten. Aus wahltaktischen Gründen. Deswegen sitzt dieser Mann noch vier Jährchen länger. Er kommt schlußendlich doch frei, beinahe zum gleichen Zeitpunkt wie ein junges Mädchen, das von einem anderen Geistesgestörten in Österreich festgehalten wurde. Letztere zieht das Mitleid und die Empörung der Massen auf sich, als sie von ihrem „Martyrium“ erzählt. Viele weinen. Den Mann aus dem Terrorknast hingegen nennen viele Medien nach wie vor „Bremer Taliban“ und „Terrorverdächtiger“.

Ihr wagt es also, euch über dessen Frisur lustig zu machen, ihm finanzielle Absichten zu unterstellen?

Scheißegal, ob die Vorwürfe stimmen, die Kurnaz erhebt. Jemand, der so eine zynische Scheiße absondert wie ihr Abschaum; der so offensichtlich unfähig ist, Mitleid zu empfinden; dem auch die Errungenschaften des Rechtsstaats (Gleichbehandlung vor dem Gesetz und das Recht auf einen fairen Prozess vor Verurteilung) offenbar egal sind – dem wünsche ich die Pest an den Hals. Das ist für mich Faschismus. Fickt euch in eurer selbstgefälligen Arroganz ins Knie. Fickt euch, einen Mann so abartig zu verurteilen, der aus einer Hölle jenseits eurer Vorstellungskraft kommt.

Aber nichtmal euch wünsche ich auch nur einen Tag in den Folterknästen von Guantanamo Bay.

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