Mindestlöhne: Handwerkszeug des Stalinismus

FDP-Chef Guido Westerwelle hat der großen Koalition vorgeworfen, mit der Einigung auf einen Mindestlohn für Briefzusteller Instrumente der DDR zu übernehmen. «Wenn wir die Löhne künftig vom Staat festsetzen lassen, wie es jetzt durch die Koaltion bei der Post geschieht, dann ist mir das zu viel DDR», sagte er der «Landeszeitung für die Lüneburger Heide». «Das ist Planwirtschaft.» (der Westen)

Muss man das kommentieren? Nö.

10 Kommentare

  1. Wer sagt denn das Planwirtschaft nicht auch seine guten Seiten hat?
    Planlos wäre natürlich einfacher und weniger arbeitsintensiv für die Politiker….

  2. Na dass die Planwirtschaft kein tragbares System in Sachen Flexibilität und Effizienz ist, dürfte sie zur Genüge bewiesen haben. Nur vergessen die Apologeten des freien Marktes gerne, dass die von ihnnen präferierte Ordnung auch immer Ausbeutung, Preisabsprachen, Kartelle und Monopole produziert und damit Dinge, die das Gegenteil von Freiheit sind. Westerwelle bedient sich hier des billigen Tricks, die panische Angst vieler Konservativer vor allem, was irgendwie links konnotiert ist, zu bedienen. Aber was soll er sonst auch machen? Es gibt m.E. nach wie vor kein gutes Argument gegen einen flächendeckenden Mindestlohn. Solche Konzepte funktionieren selbst in neoliberalen Musterländern. Grade war’s wieder in den Nachrichten: Der Konsum sinkt, die Händler hoffen auf’s Weihnachtsgeschäft. Kinderarmut steigt. Die Deutschen haben effizient weniger Kohle im Säckel. Und so weiter. Deutschlands wirtschaftliche Schwäche Nr. 1 ist die miese Binnennachfrage (der Aufschwung 06/07 ist ein Ergebnis des starken Exports), es gäbe kein effizienteres Mittel das anzugehen, als mit einem Mindestlohn, weil gerade das, was die Leute im Niedriglohnsektor verdienen, direkt in den Geldkreislauf zurückflösse.

  3. Wissenschaftler haben eben auch nur MEINUNGEN die sie besser untermauern können als andere aber das sogar in meiner Schule das ganze differenzierter Betrachtet wurde macht einen schon traurig. Naja womit wieder bewiesen ist:

    “Die Aufgabe der Journalisten ist es, die Wahrheit zu zerstören, gerade heraus zu lügen, zu verdrehen, zu verunglimpfen, vor den Füßen des Mammons zu kuschen und sein Land und seine Rasse um sein tägliches Brot zu verkaufen. Sie wissen es und ich weiß es.”
    John Swinton, Redaktionsleiter der NY-Times (1880)

  4. DDR? Planwirtschaft?

    Herr Westerwelle sollte mal in die USA gehen und denen erklären das sie Planwirtschaft betreiben und Instrumente der DDR dazu benutzen.

    Das tut nur noch weh!

  5. @ Bootie Bad Az: Interessanterweise ist das US-Wirtschaftssystem auf nationaler Ebene tatsächlich alles andere als frei zirkulierend. Ein gutes Beispiel sind die massiven Getreidesubventionen. Auf den freien Markt kommt das Zeuch erst, wenn es die US-Grenze überquert, die lateinamerikanischen Märkte überschwemmt (Stichwort Freihandel) und weil’s viel billiger ist die einheimischen Bauern ruiniert.

    Lesenswert dazu, falls Du’s noch nicht kennst: Profit over People von Noam Chomsky

  6. Wikipedia sagt zu Planwirtschaft:

    „Planwirtschaft beschreibt ein Wirtschaftssystem, bei dem nach Analyse der bestehenden und zu erwartenden Bedürfnisse der Wirtschaftseinheit innerhalb der Planungsperiode eine voraus geplante Bereitstellung der erforderlichen Wirtschaftsgüter zur Deckung der Bedürfnisse erfolgt. Damit steht die Planwirtschaft im Gegensatz zu Wirtschaftsarten, die sich auf der zufälligen oder durch die Mechanismen des Marktes regulierten Güterproduktion und -verteilung begründen. Planwirtschaftliche Elemente finden sich in vielen Wirtschaftsordnungen,

    insbesondere in der Zentralverwaltungswirtschaft, wobei beide Begriffe fälschlich oft als synonym verwendet werden.

    So wird Planwirtschaft für die Zentralverwaltungswirtschaft der ehemaligen UdSSR und anderer Staaten des Realsozialismus verwendet.

    Planwirtschaft beschränkt sich nicht nur auf Staaten; auch kleinere Wirtschafteinheiten wie Kommunen, Unternehmen und andere Gemeinschaften nutzen eine planwirtschaftliche Güterverteilung. Bereits in einfachen Subsistenzwirtschaften wird anhand des Nahrungsbedarfs während eines Erntezyklus die erforderliche Aussaat planwirtschaftlich festgelegt.“

    Ist also nicht alles Planwirtschaft in gewisser Weise? Komplett planloses Wirtschaften klappt nicht, alle (erfolgreichen) Unternehmen „planen“ normalerweise – mindestens – für die nähere Zeit.

  7. Also ich wirtschafte schon immer komplett planlos, und ich lebe noch.
    (SCNR)

    Um auch noch was zum Thema beizutragen: Ich meine mich zu erinnern, dass Westerwelle auch schon mal die gesetzliche Krankenversicherung als „Sozialismus“ charakterisiert hat. Diese Leute müssen aufpassen, dass sie sich mit sowas nicht fatale Eigentore schießen, denn die meisten Leute finden eine gesetzliche Krankenversicherung ziemlich gut, und aus dieser Sicht wäre das ja Werbung für den Sozialismus. Ähnlich wurde mal bei Fox der Michael-Moore-Film „Sicko“ kommentiert: „Ja, man kann natürlich sagen, Gesundheit ist ein Grundrecht. Aber dann kommen andere und sagen, Ernährung ist auch ein Grundrecht, und (Aus-)Bildung, und dann müsste ja auch das alles gratis sein…“

    Bei Youtube kommentierte jemand: Ja, und was will er damit nun sagen? Klingt doch super.

  8. Kann man aber.

    Aber, Herr Dr. Guido Westerwelle, wenn man den ganzen Tag arbeitet und sich doch nichts kaufen kann … ist das nicht noch ein Hauch mehr DDR?

    …schrob der Punk, und das fand ich wunderbar kurz, treffend, gut und richtig.

  9. Pingback: Der Unternehmer und der Mindestlohn | F!XMBR

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.