Munich

münchen dvd coverDas hier wollte ich nochmal festhalten: der Film „München“ ist richtig gut. Ich hatte unbegründetermaßen einiges befürchtet, aber Spielberg kann ja durchaus Geschichten erzählen. Wir haben’s hier mit einem Agentenfilm zu tun, der nicht ohne Tiefe erzählt wird.

Zur (fiktiven) Handlung: Die Entführung eines Teils des israelischen Olympiamannschaft ist der Grund für inoffizielle Rachaktionen des israelischen Geheimdiensts Mossad. Hierfür wird ein Team aus mehr oder weniger professionellen Agenten zusammengestellt, die fortan auf eigene Faust, also formal unabhängig, aber vom Mossad immer noch unterstützt, durch Europa reisen und führende Terroristen liquidieren.

Die zentrale Erkenntnis der Geschichte ist natürlich die der alten Gewaltspirale: Ganz gleich, wen der Mossad erschießt, es wächst ein immer noch radikaleres Pflänzchen nach. Auf der anderen Seite sieht’s genauso aus: So sehr die palästinensischen Entführer auf „ihre Lage“ aufmerksam machen wollen, sobald Gewalt ins Spiel kommt und Unschuldige sterben, ist Gegengewalt als Mittel zwar nachwievor moralisch illegitim, aber die Gründe sind nicht mehr ganz unnachvollziehbar. Die Bilder sind drastisch, aber nicht übertrieben, eine etwas gelbstichige, dunkle und verrauchte Farbästhetik kommt zur Geltung, die der 70er Jahre angemessen ist. Schön ist, dass meines Erachtens im Film keine direkte moralische Lesart vorgegeben ist; man wird aber animiert, sich diese selbst zu erarbeiten. Damit steht er für mich in einer Reihe mit den ebenfalls tollen Syriana und Lord of War. Im Gegensatz zu anderen Kritikern sehe ich in dem Film auch keine wie auch immer geartete Parteilichkeit der Handlung. Schön an dem Film auch ist, dass die Mossad-Truppe u.a. aus

besteht. Moritz Bleibtreu muss man übrigens nur wenige Minuten im Film ertragen.

Wer’s noch nicht getan hat, dem sei das Anschauen hiermit empfohlen.

4 Kommentare

  1. Jüngst überraschte mich mein Freund mit Munich für einen feinen Videoabend, ich war erst nicht sonderlich begeistert – wurde glücklicherweise positiv überrascht und kann deiner Kritik nur zustimmen. Besonders über Ciarán Hinds (Cäsar) habe ich mich sehr gefreut.
    Jedoch – wenn ich mir dieses plump-martialische Werbebildchen da oben so ansehe, kann ich weiterhin gut verstehen wieso ich dem Film abwertend gegenüberstand. Und da können noch so viele „Gewann Preis XY“-Beteuerungen drüberstehen an einem derart beworbenem Film würde ich immer flugs vorbei eilen.

  2. der film ist schon nicht schlecht, aber ich verstehe die kritik, die laut wurde, dass spielberg die geschichte zu einseitig auf die art „juden – good guys“ und „palästinenser – bad guys“ aufbaut. auch die kaltblütigkeit, die während des gesamten films an den tag gelegt wird, ist sehr unrealistisch.

    schön gemacht ist die story und die nebenverzweigungen, die das endprodukt ausmachen, die aber auch schon wieder typisch spielberg sind. es reicht meiner meinung nach auf keinsten an „syriana“ heran und „lord of war“ ist zu genial. aber wie gesagt: es gibt ganz klar schlechtere filme, die charaktere sind sorgfältig ausgewählt, die atmosphäre stimmt. popcorn-kino, mehr aber (leider) nicht.

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