Musik nur noch für daheim?

Oje, jetzt gibt’s diese tollen MP3-Player schon seit einiger Zeit – und jetzt darf ich, V for Verbraucher, sie nicht mehr betanken. Das Aushebeln von Kopierschützen ist jetzt nämlich nicht mehr Bagatellbulette, sondern ein Verbrechen höheren Ranges.

Was nu?

  • Verzweifeln?
  • Statt „Mit dem Mofa nach England“ mal mit dem Laptop nach Frankreich – Parkbank in Paris, den Tramper-Rucksack mit dem Gros sämtlicher erworbenen kopiergeschützten CDs gebuckelt und im rechtlich unfragwürdigen Milieu nach und nach in MP3 umwandeln? Wird ja auch gerade Frühling, ich seh da eine Marktlücke für die Tourismusindustrie!
  • CDs versehentlich so unsachgemäß lagern, dass sie mit herkömmlichen Mitteln ehwieso nicht mehr abspielbar sind. Ja, wieso denn das?

Zumindest für die letzten beiden genannten Taktiken gibt es da eine Möglichkeit. Zuerst sollte man wissen, dass Kopierschutzmaßnahmen für CDs reichlich unausgefuchst sind. Das Ding ist, es gibt noch Player von vor 20 Jahren, einer Zeit, in der an Kopierschütze noch längst nicht zu denken war. Damals gab’s zwar schon Auf-MC- und Radiomitschnittpiraterie, aber komischerweise hat die Industrie damals das enorme kriminelle Potential von Musikliebhabern noch gründlich unterschätzt. CDs müssen also auch auf alten Playern laufen, die mit Kopierschützen nicht umgehen können.

Es gibt höchstens rudimentäre Behinderungen, eine kopiergeschützte CD auszulesen und gegebenenfalls umzuwandeln. Das erste sind kleine Programme, die sich im Datenteil einer CD befinden können, und bei Installation das ordnungsgemäße Auslesen der Scheibe blockieren. Lustig: Oft sind diese Programme nur in Windows-Versionen auf den CDs vorhanden. Nicht zuletzt dank des riesigen Medienskandals um Sonys XCP-Rootkit, bei dem es sich eigentlich um genau so einen kleinen „Blockierer“ handelte, der sich aber zum Scheunentor für Viren entpuppte, ist vielen Verbrauchern bewusst, dass sich solche kleinen Satansbraten von Progrämmchen besser gar nicht erst von selbst installieren. Was soll ich sagen – die CD-Autostartfunktion abschalten mit, z.B., XP-Antispy sollte man sowieso.

Das andere ist ein manipulierter TOC. TOC heißt Table of Content, also Inhaltsverzeichnis. Darin stehen Informationen über Länge, Start und Ende der Tracks sowie Titelinformationen. CD-Player lesen den TOC überwiegend nicht aus, viele (aber nicht alle) Autoradios und Laufwerke schon.
Die Industrie kam auf die Idee, TOCs so „umzuschreiben“, dass sie fehlerhafte Informationen enthalten. Mit dem Ergebnis, dass – wie erwünscht – die CDs in Laufwerken nicht mehr abgespielt werden können. Doch: Denkste! Einige CD-/DVD-Laufwerke lesen ihn einfach nicht aus. Dieses Feature ist legal, darf aber nicht beworben werden. Linux schert sich sowieso einen Dreck um den TOC, Macs genauso. Aber auch unter Windows gibt es eine Möglichkeit.

Das Programm Exact Audio Copy ist dafür gedacht, defekte – also zerkratzte CDs – so weit wie möglich zu „retten“ und in ein Audioformat nach Wahl umzuwandeln. Dazu kann ein beliebiger Encoder verwendet werden, der extern eingebunden werden muss. Für MP3 z.B. ist der Lame-Codec empfehlenswert. Zur Routine gehört, neben dem mehrfachen und verlangsamten Auslesen von fehlerhaften Stellen auf der CD, auch den TOC zu überlesen.
EAC ist nicht gerade einfach zu installieren und zu konfigurieren, aber dafür gibt es auch umfangreiche Tutorials online. Und: einmal installiert, ist das Tool wahrhaft mächtig. Mit einer Online-Verbindung kann man sich sogar die lästige Eingabe von CD- und Tracktiteln ersparen, da sich das Programm die Informationen eigenständig aus der freedb-Datenbank holt.

Der Gesetzgeber gibt nicht an, ob ein fehlerhafter TOC tatsächlich einen wirksamen Kopierschutz darstellt, da er ja nicht auf sämtlichen Betriebssystemen und auch nicht in allen Laufwerken wirksam ist. So ist das Auslesen und Umwandeln einer CD mit EAC (ein Programm, dessen Hauptzweck Datenrettung ist) meiner Meinung nach immer noch eine rechtlichen Grauzone. Das sollte man ausnutzen.

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