Neues von jenseits des Weißwurst-Äquators: der Stammtisch-Schorsch und seine CSU

Weißwurst und Bier

Das kann doch nicht angehen, dass man die Schwarzen lobt und dann keine Gegenbeispiele anführt. In Bayern regiert leider immer noch der renitente kleine Bruder CSU. In der geht’s immer hoch her, kein Wunder bei der Mitgliederstruktur. Wer uns Nichtbayern dort schon alles auffiel: Westentaschennapoleons wie Effjott Strauß, ein Ede Stoiber, der mit Akten ins Bett geht und nun für Demokratieabbau verantwortlich ist, Markus Söder, ein Opportunist, der auch keine Widerlichkeit auslässt, sich beim Stammtisch anzubiedern, die geschasste „Krachlederne“ Gabi Pauli, als Frau die auch mal widerspricht in der CSU ja sowieso Punk, und natürlich Günther „An jeder Ecke ein Terrorist und in Computerspielen sowieso“ Beckstein. Eine CSU, die jahrzehntelang allein regierte, braucht dieses breites Spektrum an Persönlichkeiten natürlich zu Demokratiesimulationszwecken. Wäre ja schlimm, wenn alle in der Partei an einem Strang zögen, da könnte man ja auf die Idee kommen, man habe es mit einer Einparteiendiktatur wie bei den verhassten Sozialisten zu tun. Nein, natürlich ist das nicht vergleichbar. In Bayern gibt es ja nun wirklich keinen sozialen Druck, die „richtige“ Partei zu wählen. Beziehungsweise kaum.

Für die Granden der CSU muss es ein Vabanquespiel sein, einerseits die stramm rechten Politikvorstellungen zu bedienen, die ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung offenbar hegt — andererseits aber über die Grenzen Bayerns hinaus zu demonstrieren, dass man selbstverständlich mit beiden Beinen auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehe (auch wenn man mit dem Grundgesetz so seine Probleme hatte und es bis heute nicht ratifizierte). Wegen dieses ambivalenten Verhältnisses zur Basis und zur Bundespolitik finde ich, dass das Lachen der Abgeordneten als Reaktion auf die folgende Rede auf dem letzten CSU-Parteitag, bei der die Maske ein wenig fiel, auch eine aufgesetzt-nervöse Konnotation hat: Obwohl solche Äußerungen dem Denken vieler unserer Wähler entspricht, könnte es nach außen durchaus peinlich wirken. Also besser kichern und vorgeben, dies sei irgendwie Comedy. Aber vielleicht sehe ja nur ich das so.


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Falls jemand den Akzent nicht versteht, eine Kurzzusammenfassung: Bayern ist die CSU und andersrum. Der Freistaat wird von Freimaurern, den „roten“ Medien sowie Nicht- und Falschgläubigen unterwandert, keiner schert sich um den Mittelstand. Deswegen sollte man mehr auf die Stammtische hören, denn da wird die Politik gemacht. Und auf Edmund Stoiber. Am besten wäre es, wenn sich Bayern von der Bundesrepublik abspaltete.

Diese in meinen Augen zwischen Entrückung und leichtem Wahnsinn wirkende Rede stammt von Georg Pfister aus dem Bamberger Kreistag, der wie es scheint bereits 2005 ein Redeverbot für Grünen- und SPD-Abgeordnete und die Wiedereinführung des Volksgerichtshofes (Stichwort: Todesurteile gegen die Geschwister Scholl, Klaus Bonhoeffer, Stauffenberg) gefordert hatte.

Okay. (dieses Okay ist exakt so auszusprechen wie Kevin Spacey es in „American Beauty“ tut, als er Mena Suvari kennenlernt)

Bild: *Noema* (cc)

6 Kommentare

  1. Ich habe diese Rede live bei Phoenix gehört und mich köstlich amüsiert. Das ist die CSU Oberfrankens, live sozusagen. Ehrlich: da gibt es noch mehr so Typen in Bayern und besonders in Oberfranken.

  2. Nachdem ich nun schon über 20 Jahre in Bayern wohne erstaunt mich doch immer wieder jede Art von Beweis dass in Bayern die Uhren anders gehen: 370 Jahre alt und seit 745 Jahren CSU-Mitglied, Respekt!

  3. Viele vergessen ja, dass in Bayern auch ca. 35% Nicht-CSU-, Nicht-FW- und Nicht-FDP-Wähler gibt. Aber die gehen einfach unter.

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