Oh listenreiches Internet! Wie machst du mich 1. seufzen und 2. frohlocken…

Liste
Foto: Swiv (cc)

Es wird ja gemunkelt, in dieses Sozialdingsdabums-Verlinkungs-Seiten wie digg und reddit und yigg und Mister Wong hätte man die meisten Chancen „nach oben“ zu kommen, wenn man

  1. technische Inhalte bzw. Kuriosita
  2. kurz und knackig formuliert
  3. in einer klaren Struktur

einreicht. Ich weiß nicht warum (Lüge), aber unsere Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsspannen werden immer ‚tighter‘ — So etwas thematisch Ausschweifenderes mit elaboriertem Beiwerk an zieselierten Wendungen und prallen Nebensätzen, das liest doch keiner mehr. Ich merk das ja an mir: Geht’s darum, etwas zu lesen was länger ist als, sagen wir, das Gemächt von Kai Diekmann, muss ich schon mit verschränkten Armen und der zusammengerollten Zeitung in der Hand knurrend hinter mir selbst stehen und Sanktionen androhen, damit ich mir das antu‘. Schlimm, schlimm.

Deswegen sind bei digg und doff ähnlichen Aggregatoren Listen so beliebt. Jawoll. Listen sind der Schundroman der „Generation @“. Oder der Generation 2.0? Hm, aus lächerlichen Generationsmentalitätszuweisungen, die meiner Altersklasse schon angedichtet wurden, ließe sich eine prima Liste machen.

Nehmen wir mal digg. Dort findet man ständig erhebliche Mengen am Stoff für den Infotainment-Junk-Junkie, zum Beispiel

Jetzt gerade auf der Startseite werden solch spektakulär arrangierte Tollheiten wie die Top 5 shocking game moments oder die Table Tennis Top 10 shots „gefeatured“. Müll, wie man ihn sich langweiliger kaum vorstellen könnte, hochgejazzt von hunderten, gelesen von hunderttausenden Fließtext-Legasthenikern.

Aber — und jetzt kommt der Clou dieses Postings (und leider werden an diesem Punkt schon 50% der Leser abgesprungen sein) — genausowenig wie alles Glänzende Gold ist, ist alles, äh, jetzt fällt mir keine Umkehrschlussmetapher ohne Fäkalsprache ein. Belassen wir’s dabei. Worauf ich hinauswollte:

BildDas List Universe unter listverse.com ist eine tolle, leider englischsprachige, Seite, die nicht umsonst in meiner Blogroll steht. Ich habe ja schon einmal auf die Liste der bizarren Bärte hingewiesen, aber man kann auch sonst Stunden mit dem Herumwühlen dort zubringen. Und das habe ich auch schon gemacht, nämlich zuletzt gestern Abend, als ich nur mal kurz reinschauen wollte und erneut für Stunden vorm Monitor versackt bin. Ich werde jetzt keine Liste aus meinen Lieblingslisten von denen kompilieren, dafür bin ich zu faul mir zu schade. Nur ein paar Anspieltips.


Wirklich abgefahren ist aber die gestern veröffentliche Liste „Die besten 10 Arten, ‚unter dem Radar‘ zu fliegen“. Im Grunde geht es darum, mit einigen Tricks ein selbstbestimmtes Leben zu führen, unbehelligt von staatlichen Autoritäten. Neben Standardweisheiten wie „Nur bar bezahlen“ und „E-Mails verschlüsseln“, kommen da auch Tips zum Vorschein wie, sich für 75.000 Euro den Diplomatenstatus in einem südafrikanischen Land zu kaufen und fortan Immunität zu genießen oder der, dass man sich Passdokumente mit falschen Personalien für untergegangene Staaten wie Rhodesien legal fälschen lassen kann. Hammer!

Wie gesagt: listverse.com. Tolle Seite, aber Zeit mitbringen.

8 Kommentare

  1. Wird Zeit für eine Toplisten-Seite über Toplisten!

    Und danke für den Kastratenlink.

  2. Hm, guck ich mir bei Gelegenheit (Langeweile) mal genauer an. Was mich von dem Social-Zeug bisher einzig begeistern kann ist StumbleUpon – diese Vereinsmeierei 2.0 aka `Communities´ muss ich ja nicht mitmachen.

  3. Die 5 shocking game moments sind im Grunde keine schlechte Idee, gibt’s halt schon 1000-mal und das sind eh immer die üblichen verdächtigen.

    Den Kastraten fand ich auch wirklich creepy. Bei SpOn haben sie doch neulich was über die älteste Tonaufnahme überhaupt gebracht. Das ist auch fies, so ein Kind zu hören, dessen Ururenkel wahrscheinlich schon tot sind. Und dann noch dieses kratzige Rauschen, dagegen stinken Japanhorrorschmonzetten ganz schön ab.

  4. @ Simon: Gerne. Bewegend irgendwie und jagt einem trotzdem einen Schauer über den Rücken, oder?

    @ sv: Gelegenheit macht Langeweile. 😀 StumbleUpon ist, zumindest auf den ersten Blick, eine 1:1-Kopie von digg und so, find‘ ich.

  5. @ Sebastian: Musste deinen Kommentar schon wieder aus dem Spam holen.

    Die Liste mit den 5 Top Videospielmomenten ist halt von msnbc. Sowas würde ich, selbst wenn ich diggte, nicht diggen, alleine dafür, dass es Microsoft-Content ist. Davon ab ist die Liste aber auch so öd‘.

  6. Ein zweiter und dritter Blick auf StumbleUpon lohnt auf jeden Fall. Es wundert mich, daß der „Web-Discovery-Dienst“ zumindest in Deutschland eher unbekannt ist. Ich bin da auch nur zufällig drüber gestolpert. Der Grundgedanke dabei ist, etwas im Web zu entdecken, was wirklich interessant ist, ohne danach zu suchen. Die Software merkt sich, was mir gefällt und was nicht und passt ihre Vorschläge mit der Zeit an meine Interessen und Vorlieben an. Lange Rede kurzer Sinn: ich kann´s empfehlen 🙂

  7. Brahaha, ich lach mich scheckig… Habe selbst ca. 20 Hefte („Bücher“) mit Listen vollgeschrieben, als ich in dem Listenmachen-Alter war. Popkultur, wie machst du mich 1. kotzen und 2. fremdschämen im Rückblick für mich selbst …

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