Ostx

ostkreuz
Foto: Die Spaziergängerin auf A von grapf

Wunderschön finde ich das Blog Ostkreuz Guide. Die Fotos schaffen es sehr gut, die Morbidität des Ortes einzufangen, diesen Resthauch Eau de Ost, den ich vor vielen Jahren – vor der Ver-Mitt-ung der Umgebung – noch in seiner vollen Pracht zu erschnuppern imstand war. Ernsthaft – wenn’s Winter draußen ist, die Schwaden der Kohleöfen die Umgebung einnebeln und das vertraute Türenschließgeräusch der S-Bahn ertönt, kann ich mich für einen kurzen Moment in meine gräulich vernebelte Erinnerung zurückversetzt fühlen. Ich war damals im Kindergartenalter, weswegen mir das „Feeling“ ehrlicherweise nicht mehr derart präsent ist, dass ich mich erinnern könnte wie etwas genau aussah. Aber die mit bestimmten Sinneswahrnehmungen assoziierten Erinnerungsfetzen bleiben und der Bahnhof Ostkreuz ist ein „Trigger“ dafür. Diese Form der DDRinnerung hat seine Vorteile: Ich bin kaum anfällig für „Ostalgie“, das Super Illu-Abo bleibt unbestellt. Möglicherweise ändert sich das jedoch, wenn der alte Bahnhof Ostkreuz abgerissen bzw. umgebaut wird. Gebe Gott, dass dort nicht so ein klötzernes Ungetüm wie an der Papestraße am Südkreuz entsteht. Wird es aber bestimmt, denn wie ich unsere architektonischen Entscheider kenne, fehlt ihnen der längerfristige Blick, der besagt, dass Glasarchitektur nicht nur dereinst aus der Mode kommen wird, weil alle Gebäude so aussehen, sondern auch dass es zu Reinigen unpraktisch ist, instabil und mit zunehmender Abstumpfung der gläsernen Fassade auch immer unansehlicher. Zumal Taubendreck auf Glas von zwei Seiten sichtbar ist. Oh tempora, oh mores…

Äh, ja die Fotos. Gern gesehener Gast auf denen: der unheimlich phallische Wasserturm um die Ecke. Ey komm, könntest Du das Ding irgendwie anders assoziieren?