Ostx

ostkreuz
Foto: Die Spaziergängerin auf A von grapf

Wunderschön finde ich das Blog Ostkreuz Guide. Die Fotos schaffen es sehr gut, die Morbidität des Ortes einzufangen, diesen Resthauch Eau de Ost, den ich vor vielen Jahren – vor der Ver-Mitt-ung der Umgebung – noch in seiner vollen Pracht zu erschnuppern imstand war. Ernsthaft – wenn’s Winter draußen ist, die Schwaden der Kohleöfen die Umgebung einnebeln und das vertraute Türenschließgeräusch der S-Bahn ertönt, kann ich mich für einen kurzen Moment in meine gräulich vernebelte Erinnerung zurückversetzt fühlen. Ich war damals im Kindergartenalter, weswegen mir das „Feeling“ ehrlicherweise nicht mehr derart präsent ist, dass ich mich erinnern könnte wie etwas genau aussah. Aber die mit bestimmten Sinneswahrnehmungen assoziierten Erinnerungsfetzen bleiben und der Bahnhof Ostkreuz ist ein „Trigger“ dafür. Diese Form der DDRinnerung hat seine Vorteile: Ich bin kaum anfällig für „Ostalgie“, das Super Illu-Abo bleibt unbestellt. Möglicherweise ändert sich das jedoch, wenn der alte Bahnhof Ostkreuz abgerissen bzw. umgebaut wird. Gebe Gott, dass dort nicht so ein klötzernes Ungetüm wie an der Papestraße am Südkreuz entsteht. Wird es aber bestimmt, denn wie ich unsere architektonischen Entscheider kenne, fehlt ihnen der längerfristige Blick, der besagt, dass Glasarchitektur nicht nur dereinst aus der Mode kommen wird, weil alle Gebäude so aussehen, sondern auch dass es zu Reinigen unpraktisch ist, instabil und mit zunehmender Abstumpfung der gläsernen Fassade auch immer unansehlicher. Zumal Taubendreck auf Glas von zwei Seiten sichtbar ist. Oh tempora, oh mores…

Äh, ja die Fotos. Gern gesehener Gast auf denen: der unheimlich phallische Wasserturm um die Ecke. Ey komm, könntest Du das Ding irgendwie anders assoziieren?

5 Kommentare

  1. es gibt auch noch das ostkreuzblog. die berichten ja ganz genau vom umbau, wenn auch eher selten. aber da gab es schon den entwurf vom neuen ostkreuz. und klar sieht er aus wie das südkreuz. glas und stahl und fertig. wie soll es denn im jahr 2007 auch anders gehen? ich werd mein geliebtes ostkreuz auch vermissen. 3 1/2 jahre kennen sehen wir uns täglich. ich werde es vermissen.

  2. Die Form des Wasserturms reflektiert in der Form des Bassins natürlich seine Entstehungszeit: die preußische Pickelhaube war zur Kaiserzeit ein vertrauter Anblick.
    Die Assoziation zu phallisch spiegelt dementsprechend unsere freizügige Epoche wider.

  3. Ich bin mir fast sicher, dass aus dem Ostkreuz ein fetter Hightech-Bahnhof wird, der dann so gar nicht ins vorhandene Stadtbild passt. Meines Wissens ist das Ostkreuz ja auch der höchst frequentierte Bahnhof Berlins. Das muss sich dann ja leider auch irgendwie widerspiegeln… 🙁

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