meist manchmal, selten oft

“Simons Cat (real)” nennt der Ersteller dieses Videos sein Werk [via Jeriko bei twitter], wobei er sich natürlich auf die herzigen “Simon’s Cat”-Videos bezieht. Und ja, solch frechdachsiges Verhalten kennen wohl die meisten Katzenbesitzer Mitbewohner von Katzen. Bei uns variiert’s jedoch. Kater Wubi nervt im Grunde wenig zu Schlafenszeiten. Malo fordert meist in den frühen Morgenstunden bei Spontanbesuchen lautstark maunzend ihr Futter ein, welches sie nach den obligatorischen zweieinhalb Bissen meist wieder in Ruhe lässt. Kater Muck ist hingegen ab morgens um sechse immer da und legt sich gerne auf Frauchens Kopfkissen, mitunter sogar auf Frauchens Kopf — chronische Nackenstarre ist die grausame Folge. Bei all diesen liebenswerten Ärgernissen ist uns jedoch ein Leben ohne die Viecher nicht mehr vorstellbar. Des Spagettimonsters Segen regne auf sie herab. Übrigens: mit Spaghetti gefüllte, bedeckelte Kochtöpfe sind seit neuestem kein Hindernis mehr für unsere verfressenen Viecher. Demnächst dürfte wohl auch die Kühlschranktür geknackt sein.

Lanu von der BooCompany hat ein Preisausschreiben ins Leben gerufen. Wer ihr den besten Grund darlegt, warum Fernsehen tödlich sein kann, gewinnt ein pinkes T-Shirt, welches die Fernsehsendung “Dexter” bewirbt. Da meine Liebste und ich Freunde dieses schmackhaften Bissens Fernsehunterhaltung sind und ich finde, dass dieses Leibchen ihr gut zu Körper stünde, nehme ich auch teil. Meine Einreichung ist jedoch kein Text, sondern ein Comic. Der mag reichlich trashig rüberkommen. Ich muss mich dafür entschuldigen, aber jene Glanzzeiten, in denen ich diese Form der Unterhaltung stapelweise kreierte, sind etwa seit dem Physikunterricht der 13. Klasse vorbei.

Nichtsdestotrotz, hier ist mein Wettbewerbsbeitrag. Achtung, Blood & Gore! Mann mit Hut in: Fernsehen tötet (Klick für groß).

Mann mit Hut in: Fernsehen tötet

[Update:] Ja wie tight ist das denn? Ich habe gewonnen!

If you see something, say something
Bild: ekai (cc)

Es ist eklatant, mit welchem Feuereifer medial immer nach den neuesten terroristischen Bedrohungen gesucht wird, während Fällen, in denen sich der Terrorverdacht als unbegründet herausstellt, weit weniger Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im Falle eines gefassten Verwirrten wird jeder Stein umgedreht und komplettestens berichtet, bis die Gefahr in der wir uns befanden möglichst greifbar, gleichsam möglichst weit entfernt, nämlich von uns unbeeinflussbar, dargestellt ist. Erinnert sich einer an die Sauerländer Terroristen und die Kofferbomber im Jahr 2007? Natürlich erinnert ihr euch, denn so etwas bleibt haften.

Ich bin weit davon entfernt, zu unterstellen, dass “die” Medien dabei als Erfüllungsgehilfe des Staates fungieren, um Hysterie und Angst zu schüren, die neue Einschränkungen der Bürgerrechte erst möglich machen. Davon auszugehen, dass es sich bei der hundertzehnprozentigen Terrorberichterstattung um ein abgekartetes Spiel handelt, entworfen bei konspirativen Treffen von Programmchefs und Chefredakteuren in irgendwelchen Hinterzimmern, ist mir dann doch eine Spur zu verschwörungstheoretisch.

Es ist wohl sinnvoller anzunehmen, dass das ganze ein systeminhärenter Selbstläufer ist. Terror ist Panik ist Sensation ist Quote. Whatever, es kommt auf’s gleiche raus: Berichte, wonach die Terrorgefahr eben doch nicht so gefährlich war, in denen vielleicht gar Fälle beschrieben werden, wo die omnipräsente Hysterie zu Kollateralschäden in Form von Aktionen gegen gänzlich Unschuldige führte, werden in der medialen Öffentlichkeit weit weniger thematisiert, ich würde sogar sagen: totgeschwiegen. Ein Beispiel sind die zahlreichen §129a-Verfahren gegen Leute, denen die Mitgliedschaft in der linksradikalen “militanten gruppe” nachgesagt wurde. Dabei wurden zum Teil über Jahre hinweg Menschen observiert und abgehört, unter absurden Indizien festgenommen. Die Verfahren wurden in jüngster Zeit sang- und klanglos eingestellt, berichtet wurde darüber wenig. Auch eine vielbeachtete Polizeiaktion gegen zwei Somalier, die im Verdacht standen, in ein Terrorcamp nach Pakistan reisen zu wollen, entpuppt sich, weit weniger öffentlichkeitswirksam, als auf fehlinterpretierten Indizien beruhender politischer Aktionismus.

Im letzten Jahr hat mich auch der Fall von Kathrin und Omar auf die Palme gebracht, die ihre Flitterwochen in der Lüneburger Heide verbringen wollten. Ein Sondereinsatzkommando stürmte aus dem Nichts heraus ihre Ferienwohnung, ausschließlich weil einem Tippgeber der Polizei ihr “fremdländisches” Aussehen, die beiden sind Muslime, verdächtig vorkam. Die Polizei rechtfertigte sich im Nachhinein eher schlecht als recht, eine Entschuldigung gab es keine. Neben offensichtlichen Schwindeleien seitens der Polizei wurde den beiden sogar vorgeworfen, dass sie den Fall per Internet, daraus resultierend auch per Presse, an die Öffentlichkeit brachten.

Das ganze als Provinzposse abzutun wäre fahrlässig, denn die Ereignisse zeigen, dass die Hysterisierung der Öffentlichkeit auch vor staatlichen Institutionen wie der Polizei nicht haltmacht — einer Instanz, von der man mehr als bei vielen anderen Sensibilität und Augenmaß erwarten sollte. Mal abgesehen von vielen Blogs, die den Fall aufgriffen, war in den traditionellen Printmedien, außer der taz und Lokalblättchen, darüber nichts zu lesen.

Omar hat jetzt die Ereignisse seit Oktober letzten Jahres, als der “Zugriff” stattfand, zusammengefasst. Wie sich Justiz und Polizei dabei winden ist mal wieder haarsträubend. Ich wünsche Kathrin und Omar auf diesem Weg Zuversicht und Durchhaltevermögen auf dem Weg durch die Instanzen. Es wäre fair und hätte Signalcharakter, wenn die örtliche Polizei ihre Fehler eingestehen würde.

Schokobrunnen

Zwischen Inkontinenzslip und Möhrenzerhäcksler fand sich im der gestrigen Tageszeitung beiliegenden Drogeriemarktprospekt das Angebot eines Schokoladenbrunnens. Frage: Was ist das? Wozu braucht man es? Was besagt die “Funktionsanzeige”? Und welche “Deko” meinen die? Ich will ja googeln, aber ich trau mich nicht so recht.

Vintage Car PhoneJunge, Junge — 17000000 Kundendaten sind T-Mobile “entwischt”. Das sind sechs Nullen hinter der Siebzehn. Ich finde es ehrlich gesagt befremdlich, dass die Telekom bereits versichert, dass die Daten nicht gekauft worden wären, obwohl sie noch nicht einmal den zuständigen Datendieb erwischt haben. Man könnte langsam eine Tageszeitung eröffnen, die ausschließlich mit Datenpannen-Berichterstattung befüllt wird[1]. Das jüngste Datenloch bei der Telekom etwa erschüttert mal wieder alle. Alle! ALLE!!!1 Ganz besonders die Granden in der großen Koalition, die publikumswirksam ausgerechnet als Gralshüter des Datenschutzes wahrgenommen werden wollen:

(SPD-Innenausschuss-Vorsitzender) Edathy forderte ebenfalls eine “Meldepflicht für Unternehmen” bei Datenmissbrauch und plädierte auch dafür, “Kundendaten in Unternehmen nur noch verschlüsselt zu speichern und eine automatische Protokollierung jedes Datenzugriffs vorzuschreiben”.

Moment mal, eine Meldepflicht für solche Fälle gibts noch nicht? Ach, dann weiß also auch der Verbraucher nicht, wenn die eigenen Adressdaten in den Händen zwielichtiger Gestalten sind? Ganz genau.

Ein zweiter Aspekt mit Änderungsbedarf sei die fehlende Benachrichtigungspflicht. Nach geltender Rechtslage müssten die Betroffenen nicht unbedingt benachrichtigt werden, wenn ihre Daten gestohlen würden.

Edathys Forderung danach, dass Kundendaten verschlüsselt werden müssen, ist sicher richtig, aber eher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Natürlich würde es ein gewisses Mehr an Sicherheit gegenüber solchen Kräften bringen, die von externer Stelle an die Daten gelangen wollen (lies: Hacker), aber bei einem Unternehmen, das vertrauliche Daten öffentlich zugänglich und unverschlüsselt speichert, ist eh Hopfen und Malz verloren (vgl.: Beate Uhse-Gate, PricewaterhouseCoopers-Gate). Da hilft kein Gesetz, keine Strafe, das wird’s geben, so lange man SQL und PHP an der Volkshochschule lernen kann. Ein Unternehmensinterner mit ausreichenden Befugnissen — und ich nehme stark an, dass ein solcher für das T-Leak verantwortlich ist — jedoch kann auch auf verschlüsselte Daten zugreifen. Und das dürften einige sein, wenn man sich vor Augen hält, dass bei Telekommunikationsanbietern jeder Call Center-Mitarbeiter Zugriff auf sämtliche Benutzerdaten, sogar auf Rechnungsdaten und Kontoverbindung, haben dürfte. In vielen englischsprachigen Ländern wird die Kundenbetreuung bereits ins Ausland ausgelagert. Hierbei ist Kontrolle zwangsläufig noch weniger möglich, mal ganz abgesehen davon, dass deren rechtlicher Status auch eher eine Grauzone sein dürfte. Kurzum: Man muss sich meines Erachtens nicht wundern, wenn Telco-Kundendaten in dunkle Kanäle geraten.

Nicht falsch verstehen, ein Zugriff in bestimmten Grenzen für die Mitarbeiter von Telekom & Co ist nützlich, etwa um Rechnungsangelegenheiten zu besprechen. Jedoch greift hier die gute alte Regel “Der beste Datenschutz ist der, Daten nicht zu erheben” nicht, denn die Telcos brauchen nunmal diese Daten. Die einzige Art, wie potentiellen Missbrauchsfällen zumindest im Ansatz begegnet werden kann, ist den Zugriff auf sensible Daten weitestmöglich einzuschränken und genau zu protokollieren, wer wann worauf zugegriffen hat. Trotzdem bleibt das Risiko von Datendiebstählen groß, ich mutmaße mal, dass die jüngsten Fälle sich in Zukunft häufiger in ähnlichen und größeren Ausmaßen wiederholen werden.

Was mich auf die Palme bringt ist, wenn sich jene Politiker jetzt in puncto Datenschutz profilieren wollen, die Onlinedurchsuchungen, Vorratsdatenspeicherung, Lauschangriff und das weite Feld der Maßnahmen durchwinken, die vor einigen Jahren undenkbar waren, heute aber als wichtige Mittel im Kampf gegen einen diffusen Begriff von Terror durchgewunken werden. Wasser predigen, Schnaps kippen! Ich warte ja nur darauf, dass irgendein parlamentarischer Naseweis öffentlich erklärt, man könne Datenmissbrauchsfälle dank der Vorratsdatenspeicherung zukünftig viel besser verfolgen.

Ach übrigens…

Freiheit statt Angst-Flyer

Bild “Car Telephone”: Brian Josefowicz (cc)

  1. Wer Gefallen an dieser Vorstellung findet und ausreichend Frustrationsresistenz besitzt, kann sich ja mal den englischsprachigen Datenpannenaggregator PogoWasRight anschauen [zurück]

Heute kommt uns die Lebensmittelfotografie der 50er Jahre ja eher etwas weird vor. Ganz klar, vor fünfeinviertel Dekaden gab es noch keine digitale Bildbearbeitung — wenn man im Kochbuch das Foto eines Schnitzels zeigte, dann war die Panade dieses Schnitzels eben noch nicht von dieser realitätsfernen Goldbräune, wie sie heute auf jeder Industrie-Cordon Bleu-Packung zu sehen, aber in der Realität nie zu erbraten ist. Ich wage zu behaupten, dass das alleinige Bild eines Nahrungsmittels in den wenigsten Fällen Hunger oder Appetit wecken kann. Wirkliches kulinarisches Verlangen erweckt erst die Kombination aus einem leeren Magen, und einem verführerischen Geruch. Das Bild ist gar nicht so wichtig, es sollte höchstens unaufdringlich sein und mit netten Garnierungen versehen. Okay, bei Schokoriegeln kommt noch das Marketing hinzu. Jedenfalls ist eine Dose Ravioli eher banal, ein Porzellanteller Ravioli mit nachgeröteter Soße und geschmackvoll am Tellerrand drapiertem Zitronenscheibchen und/oder einem Zweig Petersilie macht etwas mehr her. Hunger kriegt man davon vielleicht nicht, aber ein bereits vorher existentes Loch[1] im Bauch wird dank postmoderner Illustration auch nicht durch plötzlich auftretende Übelkeit beseitigt.

Halten wir also fest: Lebensmittelfotos sind ein wenig wie Celine Dion. Ein unverfälschtes Foto, egal ob jetzt von der Hungerlatte oder der Speckschwarte, würde bei dem Scheiß-Zeitgeist wohl niemanden so vom Hocker reißen, dass er das Produkt, ob CD oder Schwarte, kauft. Aber es gibt ja Photoshop und damit die Möglichkeit, alles aussehen zu lassen, als ob es aus Plastik sei. Ja, auch Celine Dion. Oder Filme, deren DVD-Cover Scarlett Johansson aus Plastik nachbilden. Na gut, Johansson sieht auch in echt aus wie Plastik, aber dieses bemerkenswerte Cover (das dritte von oben) modelliert sie aus Lehm. Sowas kaufen die Leute, da wissen sie, was sie haben: Nicht die abtörnende Realität, sondern seidige Glätte, intensive Farben und hohe Kontraste. Oder Lehm. Kann irgendein Leser meiner Darstellung noch folgen? Ich glaube nicht. Ich wollte ja eigentlich nur schön auf die ehrenwerte Aktion des Künstlerkollektivs PUNDO 3000 verweisen, die die Packungsmotive von Lebensmitteln mit ihren realen Pendants vergleichen [via digital tools]. Ich empfehle, zum Betrachten der Fotos Celine Dion zu hören. Schauder.

PUNDO 3000: Exquisa Snack-Vergleich
Noch harmlos: Der Exquisa Snack, dazu “All By Myself”

  1. Die Metaphysiker unter uns dürfen gerne im Kommentarbereich ausdiskutieren, ob ein Loch überhaupt existieren kann — schließlich ist ein Loch ja nicht etwas sondern das Fehlen von etwas. Ich selbst nehme das nicht so genau und finde, dass es Löcher durchaus gibt und sie können klasse aussehen. [zurück]

NCC-1701-DIn Star Trek, dessen (beste) zweite Serie S. und ich gerade wieder schauen, existiert ein Gesellschaftsmodell, dass nicht durch ökonomische Logik bestimmt ist. Es ist nicht der Zwang, ohne Leistung nicht weiterexistieren zu können, der den Menschen antreibt, Arbeit zu verrichten; es ist nicht das Verlangen, eine immer abstrakter werdende Entität wie Geld auf dem Rücken der Ausbeutung und ideologischen Verhohnepiepelung anderer zu akkumulieren, der das Individuum antreibt, nach oben zu kommen. Keiner muss, nachdem man sich auf der Erde einige Jahrhunderte lang die Köppe eingeschlagen hat, auf unserem blauen Planeten mehr Hunger leiden. Die Versorgung übernehmen Replikatoren, die aus — ich nehme mal ganz stark an, klimafreundlich gewonnener — Energie Essen erschaffen. Natürlich wird auch noch mit echtem Gemüse gekocht, aber nötig ist es nicht mehr. Dem möglicherweise dem Menschen in der Tat innewohnenden Bedürfnis nach Selbstoptimierung, Wettbewerb und Eigenverantwortung wird entsprochen, indem geistiger Fortschritt die Leitmaxime geworden sein wird: Jeder ist seines Glückes Schmied und man schmiedet besser, wenn man weiß, dass man im Notfall aufgefangen wird. Der Mensch zieht ins All, macht andere Planeten bewohnbar, er strebt nach Wissen, er erforscht seine Welt und zerstört sie nicht. Das ist, was Selbstverwirklichung im 24. Jahrhundert bedeutet. Klar gibt es äußere Bedrohungen (Wahlweise die Klingonen, Romulaner, Borg, das Dominion), aber so etwas schweißt zusammen.

Vielleicht ist diese Form des Zusammenlebens, die Orientierung an gesamtgesellschaftlichen Fortschritt und Wissenserweiterung, eine reale Option für die Zukunft, nach der es sich zu streben lohnt? Klar, Nahrungsmittelreplikatoren sind utopisch. Aber wenn wir eins und eins zusammenzählen, reicht das Essen global schon jetzt aus, um alle zu ernähren.

Dieser kurze Gedankengang ist als Antwort an Martina gedacht, die unter .markus’ wirklich hochnotlesenswertem Beitrag “Kapitale Fehler” (ernsthaft: bitte lesen!) die Frage stellte, welche Gesellschaftsmodelle neben den zwei im letzten Jahrhundert dominierenden Wirtschaftsordnungen überhaupt noch denkbar seien.

Mein Bloguntertitel “Erkenntnislobbyismus und Quatsch” kommt mir mittlerweile etwas ausgelutscht vor, da muss ich demnächst mal dran feilen. Vielleicht ändere ich ihn in “Wenn ich mal Zeit und Bock habe, veröffentliche ich hier was”, “Lediglich ein Eintrag von fünf angefangenen wird publisht” oder “Nur noch online aus Nostalgie und Prokra Trödelbock”. “Erkenntnislobbyismus” und “Quatsch” decken ja auch kaum das ab, was ich hier zukünftig vermehrt einzupflegen gedenke: Nämlich Haushaltstipps! So etwas gibt es meines Wissens noch kaum in der deutschen Blogosphäre. Gemeint sind damit phantastische Aphorismen wie “Die Axt in der Küche erspart das Buttermesser”, “Wer brät, tranchiert nicht” oder “In der Not trinkt der Bauer Essigwasser”. Aber auch bebilderte Anleitungen werden auf citronengras.de zukünftig Platz finden, dabei natürlich stets im künstlerischen und/oder politischen Kontext. Im Prinzip also alles beim Alten, nur mit einem Tick, einem Schuss, einem Quentchen Hauswirtschaftslehre. Einen ersten Einblick in das neue Konzept gewähre ich nun.

«Tanztee mit Bier-Eis» weiterlesen

Soldat 1Soldat 1/2Soldat 2

Tja, da sterben nun schon zwei Söhne des Landes ehrenhaft im Gefecht und — was ist? Man hat kein Lichtbild des heldenhaften Kämpfers, das patriotisch genug aussähe, um es der Öffentlichkeit daheim zum Betrauern darzulegen. Es fehlt die Fahne! Und wie sieht denn die Uniform aus? Gut, dass es Lieutnant Photoshop gibt. Der schneidet flugs den Kopf des einen im Irak gefallenen aus und montiert es auf dem Körper des anderen. Oder beide Köpfe auf den Körper eines ganz anderen. Weiß man nicht, steckt man nicht drin. Semper Fi! [via]

Ahmad BatebiIm Schweizer “Magazin” gibt es ein sehr lesenswertes Interview mit dem iranischen Dissidenten Ahmad Batebi, welcher derzeit in den USA weilt. Das wühlt auf, vor allem wenn Batebi aus der Zeit seiner Haft erzählt, und verdeutlicht ziemlich gut, dass der Blick des Westens auf das Land am persischen Golf schief ist.

Wie gross ist die Geduld der iranischen Bevölkerung? Wie entfremdet sind die Massen vom Regime?

Der Iran ist nicht einfach zu verstehen. Dass die Bevölkerung nicht hinter der Regierung steht, weiss man. Millionen von Iranern verfolgen am Fernsehen die Sendungen von Voice of America in iranischer Sprache. Die Regierung unternimmt, was sie kann, um den Kontakt zur Aussenwelt über das Internet zu zensurieren. Mit wenig Erfolg. Aber gleichzeitig sind die Iraner ausgesprochen patriotisch. Im Fall eines Angriffs würden sie für ihr Land kämpfen. Deshalb weiss der Westen nicht recht, wie er mit dem Land umgehen soll.

Wie ist die Stimmung im Land?

Es gibt einen sichtbaren Iran, und gleichzeitig gibt es ein Land, das für den Rest der Welt kaum zu erschliessen ist. Die Bilder betender Menschen in den Moscheen, die man in den Reportagen sieht, sind ein journalistisches Klischee und nicht repräsentativ für die iranische Gesellschaft. Seltsamerweise decken sich hier die Interessen der Mullahs mit denen der ausländischen Journalisten: Beide sind darauf aus, einen fundamentalistischen Gottesstaat zu zeigen. Aber was die Regierung dem Rest der Welt vorführen will, hat wenig mit dem zu tun, was die Menschen in ihrem Alltag bewegt. Denn in diesen oberflächlichen Bildern kommt nicht zum Ausdruck, dass sich die Islamische Republik auf etwa sieben Prozent der Bevölkerung abstützt. Diese sieben Prozent werden von der Regierung bezahlt, sie erhalten Wohnungen, sie machen die Geschäfte, sie können ins Ausland reisen. Es gäbe aber auch andere Bilder.

Der Iran wird gleichzeitig beherrscht von einer elitären fundamental-islamischen Kaste und einer immer stärker werdenden Opposition, die wegen der brutalen Unterdrückung durch das Regime mehrheitlich in den Köpfen der Menschen stattfindet. Diese Opposition beinhaltet sowohl die Werte, die sich der Westen auf die Fahne schreibt (Ideale, die von der Realität viel zu oft nicht erfüllt werden) als auch die Option eines aufgeklärten, fortschrittlichen Islam. Nicht Bomben auf Teheran sind es, mit der man das Land befreien kann, sondern die Stärkung der iranischen Zivilgesellschaft.

Es ist sicher nicht einfach, den Iran und seine Gesellschaft zu verstehen. Wer es versuchen will, dem empfehle ich das hervorragende Buch “Wir sind der Iran” von Nasreen Alavi und die wundervolle Comicverfilmung “Persepolis” von Marjane Satrapi.