Ich bin nach wie vor gegen Studiengebühren, weil ich nicht glaube, dass sie zu einer Verbesserung an den Hochschulen führen. […] Gebühren kommen aus dem angelsächsischen System, das sich mit der deutschen Situation nicht vergleichen lässt. Bildung ist eine der Aufgaben, aus denen der Staat sich nicht zurückziehen kann. […] Es gibt in Deutschland überhaupt keine Mehrheiten dafür.
Na, wer hat das gesagt?
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Wenn ich durch den Edeka flaniere, um Lebensmittelvorräte aufzustocken, bleibt mein Blick häufig am Zeitschriftenregal hängen. Neulich war Objekt meiner lüsternen Sehgeräte die “konkret”. Auf der Titelseite angepriesen wurde ein Kommentar von Kay Sokolowsky mit dem Titel “Fitnazis”. Ich wagte ein Blick in das Heft, das ich sonst eher, nun ja, rechts liegenlasse und las mir den Artikel durch. Was soll ich sagen? “konkret”, ja genau – die konkret, greift mit durchaus scharfen Worten die jüngste Ausstülpung kulturellen Rassismus’ auf, wirft — meines Erachtens gerechtfertigt — Broder, Ulfkotte, Wilders, PI und deren Satelliten wie die wohlbekannte “Grüne Pest” in einen Topf und kritisiert das, was bei diesen Leuten auch kritisiert gehört: Eine sich selbst Islamkritik schimpfende Folie altbekannter antisemitischer Denk- und Agitationsmuster. Ich war sprachlos, zumindest für kurz. Dass der Autor nicht ganz recht hat, wenn er behauptet, dass sich der kürzlich durch eine “Die Idee war gut, doch die Welt noch nicht bereit”-Äußerung in Bezug auf den NS hervorgetan habende Broder nicht von PI distanziert hätte (das hat er getan, wenn auch sehr halbherzig), sei ihm verziehen. Es weckt ein bisserl Hoffnung, wenn selbst die Antideutsche den braunen Ton so langsam hört. Der Artikel steht im aktuellen Heft 05/2008, aber leider nicht online zur Verfügung.
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Foto: doctor_paradox (cc)
Der geschätzte red.cloud hat aus dem fernen Tansania eine mit Optionen und Idealen gespickte Replik auf das jüngste Artefakt meiner halbjährlich wiederkehrenden Blogdepression verfasst. Lesenswert.

Bild: Franco Foilini (cc)
Der von Olaf Scholz pre-releaste Armutsbericht beschäftigt die Gemüter. Und auch wenn noch niemand nix Genaues weiß, wird jetzt schon an allen Fronten relativiert. Am allermeisten von den, ja wie sag ich das jetzt am besten, Leuten, die vermutlich noch nie im Leben wirklich rumknapsen musste: Das wirtschaftsfreundliche Umfeld. Josef Joffe verweist in der “Zeit”, samt Sidekick auf die ach so Arbeitsplätze vernichtenden Mindestlöhne, auf die Neue Zürcher Zeitung. Jene argumentiert unter der Headline “Deutschland redet sich arm” auf der gleichen Linie wie die Arbeitgeber-Agitprop-Veranstaltung INSM: Deutschland verteile hocheffizient um, die Armutsbemessungsgrenze sei aufrund des Einkommensmedians hoch wie kaum irgendwo anders, die Zahlen integrierten den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten beiden Jahre nicht, parteipolitischer Populismus sei das, und so weiter. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt schließlich insistiert auf die Feststellung, dass es in kaum einem Land weniger Armut als in Deutschland gebe. Jaja, der Herr Hundt… Der Herr Hundt.
Mit Statistiken kann viel Schindluder getrieben werden. Ganz zu schweigen davon, dass es selbst unter Sozialwissenschaftlern keine einheitliche Definition von Armut gibt. Man kann das Problem aber nicht einfach mit dem Hineinwerfen einiger selektiver Zahlen in die öffentliche Diskussion wegmarginalisieren. Es gibt eben auch gefühlte Armut. Wer hart arbeitet und trotzdem Sozialleistungen beantragt (was zudem viele aus Stolz nicht machen), der fühlt sich arm, auch wenn er über dem Existenzminimum lebt. Hartz IV ist ja nun zum Stigma geworden. Wer Sozialtransfers bezieht, der arbeite eben nicht hart genug, der strenge sich nicht genug an und ist neidisch auf alle, die besser dran sind, röhrt’s im Walde. Armut trotz Arbeit? Achselzucken der Priveligierten, uns geht’s ja gut, oder noch besser: Ich hab auch wenig Geld und komm trotzdem damit klar! That’s eben Capitalism. Sozialneid nach unten nenne ich das. Wenn die Angestellte im Friseurladen nebenan sich darüber beklagt, dass sie mit Hartz IV mehr hätte und sich über dessen Höhe beklagt (steht ja so auch in der “Bild“), aber nicht auf die Idee kommt, dass vielleicht auch ihr Lohn menschenunwürdig gering ist. Die keinen blassen Schimmer haben, welcher existenzbedrohenden Willkür man als Hartz IV-Empfänger ausgesetzt ist. Wenn der der Name der Arbeitsmarktreform gleichbedeutend mit dem Bild vom asozialen Sozialschmarotzer geworden ist. Ganz zu schweigen von Politikern, die öffentlichkeitswirksam immer neue Wege suchen, den Empfängern von sozialen Hilfeleistungen auch den letzten Rest an Würde zu nehmen: 0-Euro-Jobs, Wer nicht arbeitet soll auch nichts essen, die Menüvorschläge des Thilo Sarrazin, um nur einige zu nennen. Hartz IV ist Stigma, ist eben auch Ausdruck des sozialen Ausschlusses.
Zurück zum Problemfeld Statistiken. Mal abgesehen davon, dass jemandem, der Mitte des Monats nicht weiß, wie er sich den Rest des Monats ernähren soll, die genannten Zahlen von Hundt, INSM, IZA und Co wenig nützen, so wird auch mit dem Zahlenmaterial sehr viel herumgepanscht, in falsche Kontexte gesetzt, selektiv herausgegriffen. Tatasächlich profitieren vom wirtschaftlichen Aufschwung die wenigsten: Die Familien- und Kinderarmut vergrößert sich dramatisch, während das politische Entgegenwirken schöngerechnet wird. Deutschland ist nachwievor ein Land, in dem zum allergrößten Teil die soziale Herkunft darüber entscheidet, welche Bildungschancen ein Kind besitzt. Und auch die Arbeitslosenzahlen sollte man nur mit großer Vorsicht genießen.
Ein dringender Linktip zum Schluß: Der Spiegelfechter beleuchtet ausführlich und sachkundig die (sich stark ähnelnden) Argumente der Armuts-Abwiegler: Die INSM spint die Armut weg. Lesenswert!

(Ausriss: tagesschau.de)
Okay, vielleicht ist es doch unpassend.

Bild: hungry_i (cc)
Der eine oder anderere mag sich wundern, wo denn die gesellschaftskritischen und Tagespolitik behandelnden Themen auf diesem Blog geblieben sind. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Muße, derartiges zu behandeln, immer seltener finde. Anstatt meinem diesbezüglichen Ärger Luft zu machen, der stets eine adäquate Triebfeder für die Textproduktion war, schlucke ich ihn dieser Tage herunter. Resignation ist was furchtbares, aber die großen Schweinereien sind für mich nunmehr längst zum Alltag geworden. Die Leute lesen weiter “Bild”, wählen weiter CSPDU, fühlen sich weiter gut, wenn sie auf Hartz IV-Empfängern rumhacken, glauben weiter, Ausländer würden dieses unsere herrliche Land in ein Kalifat transformieren wollen. Alles driftet auseinander. Kannste dir die Finger fusselig schreiben, dass man Faschisten nicht an der Glatze, sondern an ihrem Menschenbild erkennt, es ändert sich nix. Man diskutiert stattdessen Nebelkerzen wie das Dekollete des Kanzlers, Rauchverbote, Managergehälter (deren Höhe eine Frechheit ist, unbenommen, aber auch nur eine unter vielen — zudem herrscht über das Thema weitestgehend Konsens, Politiker halten trotzdem in jedes Mikrofon plattwalzende Stammtischreferate, während sie sich insgeheim schon auf die nächste Diätenerhöhung freuen) oder die Menschenrechtssituation in China (um die es unbenommen nicht gut bestellt ist — aber vielleicht sollten wir erst einmal vor der eigenen Türe kehren, bevor wir den Kanzler dafür loben, wie großartig er sich auf dem diplomatischen Parkett der Weltpolitik bewegt, weil er es schafft in China Menschenrechte “anzusprechen” und trotzdem mit Milliardendeals in der Tasche heimzufliegen).
Du brauchst ein dickes Fell, um den ganzen Scheiß zu ertragen. In dem Sinne bewundere ich auch redunzl, der ihn regelmäßig in wunderbar sarkastische Kleinodien verpackt. Ich bewundere fefe, dessen wertvoller Newsticker jeden Tag in seiner unverwechselbaren Nerditude die Sachen verlinkt, die man sonst nirgendwo liest. Oder zwei Tage später in jeder Tageszeitung. Jochen, mit dem ich zwar nicht immer übereinstimme, der aber seinen Frust so ungekämmt, drastisch und aufrichtig verpackt, wie er ihn empfindet (und ich ihn oft genug auf vergleichbare Weise empfinde), dafür — wie zuletzt beim schmierigen Sebastian Edathy oder in der Causa Ulfkotte — enormen juristischen Gegenwind erhält. Alleine das ist mehr wert als jedes Apple-BFanblog dieser Welt. Oder Dietmar, der sich jeden Tag mit einer kaum fassbaren Standhaftigkeit (ich weiß selber, wie schwer das ist) durch die braunen Blogs wühlt, die allerbraunsten Dinge herauskramt und ins rechte Licht rückt.
Ich habe in letzter Zeit viel zu oft keine Lust mehr auf derlei, so scheint’s mir zumindest gerade. Anstatt mein Blog mit sicherlich wichtigem, aber potentiell schlechte Laune verursachendem Inhalt zu befüllen, vergrabe ich mein Gesicht lieber in das flauschig-weiche Fell eines meiner Mitbewohner mit den langen Schnurrhaaren, genieße den dräuenden Sommer und bin insgeheim froh, nicht in der Nähe eines AKWs oder in einem Krisengebiet zu wohnen, noch nicht auf Hartz IV angewiesen zu sein und bis jetzt auch noch nicht beim Filesharing erwischt worden zu sein. Das ist keine Entschuldigung, ich weiß, und es soll auch keine sein. Aber ich habe den Eindruck, dass sich alles wiederholt und die Leute — was man auch tut — einfach nicht klüger werden. “Nur weil man sich so dran gewöhnt hat ist es nicht normal, nur weil man es nicht besser kennt, ist es nicht, noch lange nicht, egal” (Kettcar – Deiche). Tja…
Katzenjammer? Vielleicht. Übrigens, beinahe vergessen in der obigen Liste: F!XMBR, deren strikte Anti-Kommerzhaltung sicher nicht jedermanns Sache ist, die aber — wie ich schonmal vor längerer Zeit schrieb — das Herz am rechten Fleck haben. Und wenn ich schon selber nix über die neuesten Auslassungen des Bundestags-Arbeitskreises “Arbeitslager oder gleich hinrichten? — Lösungssuche im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit” schreibe, möchte ich doch wenigstens auf den sehr guten Artikel von Chris zum Thema verweisen: Workfare – Die Zwangsarbeit des 21. Jahrhunderts – Bald auch bei uns. Nein, ich halte den Vergleich der neuesten bzw. wiederaufgekochten Vorschläge von Glos und $wirtschaftsinstitut mit Zwangsarbeit nicht für übertrieben. Godwin’s Law my ass. Es ist schändlich, zum Zweck des Frisierens von Arbeitsmarktstatistiken Menschen unentgeltlich knechten zu lassen, mit der dem Grundgesetz widersprechenden Androhung, sie bei Verweigerung verhungern zu lassen und dabei nebenbei den Abbau regulärer Arbeit zu fördern (Jaja, natürlich passiert das nie! Siehe Zivildienst, siehe 1-Euro-Jobs), Arbeit als solches zu entwerten. Inspirierend sind unter dem Artikel auch die Kommentare von “blankeneserules”, die/der behauptet, dass wir uns volkswirtschaftlich weniger Arbeit leisten könnten. Dazu müsste man freilich erst einmal dem globalen und längst obsoleten Konzept nationalstaatlicher Konkurrenz entfleuchen. Und das wird eine schöne Utopie bleiben, so lange solche Karren auf unseren schönen Autobahnen fahren[]:


Bild: ZenOptic (cc)
Es gibt genug Handfestes, wofür man das islamohostile Weblog “Politically Incorrect” kritisieren kann, aber hin und wieder sei auch ein wenig Häme erlaubt, wenn ein in gewisser Weise[] nur menschliches, aber nichtsdestominder eklig-peinliches[] Maleur passiert.
Einer der Redakteure hat jüngst nämlich versehentlich etwas mehr von dem Schweinkram preisgegeben, der sich, neben dem offensichtlichen, täglich herausgeblökten Schweinkram, in seinem Browser abspielt. Man fährt offenbar auf hintenrum mit jungen Dingern ab. Wortspiele mit der Farbe Braun drängen sich auf, aber ich will’s dabei belassen.
Die ganze Geschichte (und eine Dokumentation des hilflosen Zurückruderns) gibt’s bei politischkorrekt.info.

Foto: Wikipedia / © promifotos.de
Vor nicht allzu langer Zeit machte ich mir einen Spaß und konzentrierte meine gesammelte Abneigung gegen die Kinder des Uwe Ochsenknecht und ihre aktuellen Versuche, Karriere im Musikbiz zu machen, in einen Craplog-Artikel. Meine Kritik war ätzend, aber leider nicht ausreichend konstruktiv, wie mir später klarwurde. Bloß: Wie kann man aus der Not eine Tugend machen und den selbstgerechten Größenwahn von Jugendlichen, denen vermutlich nie im Leben jemand gesagt hat, dass die markierte Kühnheit in der Selbstdarstellung albern und geschmackliche Fremdpein verursachend wirkt, konstruktiv verarbeiten? Die einen repetieren die Scham und schreiben wirklich schlimme Fanmärchen, neben denen das betrachtete Objekt, die Ochsenknechtschaft selbst, geradezu seriös wirkt. Die anderen versuchen sich an halbwegs lustigen Parodien, stupsen die Jungens somit sachte auf die defizitäre Qualität der ihnen angediehen wordenen Werke. Bloß bleibt fraglich, ob die Jungens davon jemals Kenntnis erhalten. Als “Star” neigt man ja zum Tunnelblick, tut zudem jede Kritik als Neidgeflenne ab.
«Die Zukunft der Rindfleischproduktion» weiterlesen
Zeit für Geständnisse: Vor langer, langer Zeit, ich war so etwa 9, war auch einmal der Chefbefüllungsbeauftragte dieses kleinen Onlinejournals dem deutschen Schlager zugetan. Es lag daran, dass in Bochum der Radiosender WDR 4, bekannt als Ultrakurzfönwellensender mit Wohlfühlgarantie, auf einer einfach zu merkenden Frequenz lag: Hundert. Ich stellte mir das immer auf meinem Radiowecker ein als die Musik, mit der ich den Tag begann. Diese Melodeien von Bands wie Fernando Express, dem guten Matze Reim oder dem nunmehr toten Ibo verfolgten mich dann den ganzen Tag, man hatte einfach immer was zum Summen. Über die Jahrzehnte hinweg gar blieben einige Takte und Worte in meinen Synapsen hängen und tauchen heute unvermittelt wieder auf, so eingängig waren diese Lieder. Irgendwann wechselte ich jedoch auf die “Ruhrwelle Bochum”, auf der eher die englischen Versionen ähnlicher Lieder gespielt wurden und mein Schlagerfantum war vorüber.
Möglicherweise liegt es daran, dass sich auch die dunkle Seite der musikalischen Sozialisation über mich ergossen hat, dass ich später durchaus mit Volksmusik- und Schlagerverhohnepiepelungen etwas anfangen konnte, welche zwar irgendwo ironisch brachen, heute aber dennoch beinahe genauso peinlich sind. Mir gefiel die Technoversion des Milka-Mannes mit dem “It’s cool man” (meine erste CD), ich mochte auch die Eurodance-Abräumer K2 mit dem heute schon sehr bizarr wirkenden Video zu “Der Berg ruft”. Später fieberte ich bei Nussecken und Himbeereis mit “Meister” Guildo Horn beim Grand Prix und war sogar in Wattenscheidt auf einem seiner Konzerte.
So jetzt wisst ihr alles. Warum dieser Seelenstriptease in geschmackshistorischer Hinsicht? Ich will bloß, das ihr nachvollziehen könnt, warum ich den breakenden Schlageryuppie Alexander Marcus lustig finde und vermutlich den Rest des Abends mit einem debilen Grinsen im Gesicht “Papaya, Papaya, Coconut Banana” vor mich hinträllern werde.
Seine anderen Hits, “1, 2, 3″ und “Ciao Ciao Bella” sind, nebenbei, gleichsam sehenswert.
[via Bosch bei Twitter]