…über deren Angehörige man am besten nicht hinter deren Rücken mit dem althergebrachten Kneipiers-Sinnspruch “Der ist sich wohl selbst sein bester Kunde” herzieht, zumindest nicht, ohne Unverständnis oder gar Empörung zu ernten.

Falls jemand von euch keine Lust hat, sich heute mit Hut und Bollerwagen zum Volldepp zu machen oder eine Frau ist, kann und sollte sie/er Portal spielen. Jetzt auch auf dem Mac, nur mal so nebenbei.
Ist es ernsthaft vonnöten, dass Du deine Produkte beispielsweise „Dirt Devil Multizyklon-Staubsauger Infinity VS 8 Turbo M5036-4“ nennst? Früher gebarst Du Dinge wie den „Audi 80“. Klang zwar weniger eindrucksvoll, hat sich aber trotzdem verkauft.
Als der Berliner Rundfunk direkt nach “Life is Life” noch den anderen fussballstadionkompatiblen Gassenhauer, nämlich “We will rock you”, in die Welt schmoss, war man kurz geneigt zu vergessen, dass die Playlist vom Computer-gestützen Zufallsverfahren aus einem Pool von etwa einhundertfünfzig Tracks generiert ward. Die Chance für diese Kombination hatte eins zu einhundertneunundvierzig gestanden. Konnte das noch ein Zufall sein?
Egal. Ich wusste übrigens gar nicht, dass Prinzessin Stephanie von Monaco neben dem irgendwie ja dann doch coolen Irresistible noch Lieder hatte. Hatte sie aber, nämlich viele. Die gucken wir uns hier auf den Abend gerade auf YouTube an (“Mach mal Young ones everyone an, mann!”), und eins ist scheeler als das an. Die Kommentare meiner Liebsten (“Ich habe keinen Respekt mehr vor dem Adel”) heben diese Qual allerdings in den erträglichen bis albern-zotigen Bereich. Völlig umkommentiert kann man das Video zu “Flash”, sozusagen das Flash-Video, der monegassischen Kurfürstin betrachten, um sich währenddessen das eine oder andere Schmunzeln wegen der Frisuren, des merkwürdigen Texts, der Band, der kabellosen Instrumente, der komischen Musketier-Zwischenbilder usw. nicht verkneifen zu können/wollen:
Ein sehr schlimmes Detail am Rande sei hier noch verewigkeitet. Genau sowas, wie das was da in dem Video herumscharwenzelt, kommt kleidungstechnisch gerade wieder in Mode. Mark my words: Ab Herbst sieht man in Berlin-Mitte Schulterpolster.
Der Italiener hat’s gut, der kann seinen Patriotismus bereits beim Essen kultivieren. Die typisch italienische Mahlkombi Tomaten-Mozarella-Basilikum verströmt nämlich bereits qua Farbwahl südländisches Flair, denn diese Eintünchung entspricht natürlich der italienischen Landesfahne. Ebenso ist’s beim Spanier, der, ein bisschen Fantasie vorausgesetz, eine rot-gelbe Paella in sich hineinschiebt. Als US-Amerikaner hat man prinzipiell Zugriff auf jede Farbe, wenn man isst, und man isst ja viel als US-Bürger, wenn man deren Leumund Kredibilität zuspricht. Ein Menü sich vorzustellen aus roten Marshmallows, Mayonnaise und – äh, – blauer Fanta liegt nicht so weit, wie mancher Transatlantiker im Politikressort großer deutscher Wochenpublikationen behaupten täte. Nun frage ich aber: In welchem typisch deutschen Gericht finden sich die Landesfarben wieder, auf dass man dem Wir-sind-wieder-wer, das da in ein paar Wochen garantiert im Feuilleton kolportiert wird, auch lukullisch Rechnung tragen kann? Verbrannte Bratwurst mit Ketchup und Senf, schlage ich vor. Guten Appetit, Schland.
Ich finde das zwar nicht, aber der Makler durchaus, der uns die gerade bezogene Wohnung angetragen hat, wie er uns in einem bizarren OffTopic-Moment versicherte: Männer sind keine Männer mehr! Sondern Memmen. Übersetzt: Wo früher der Conan-Schlüpper das männlich-prachtvolle Gemächt kaum im Zaum zu halten vermochte, packt der metrosexuelle Mann von heute seine nicht vorhandenen Testikel in mehrfach stoßdämpfende Pampers mit DryWeave-Oberfläche, um ja nicht in Verdacht zu kommen, man besitze einen nur geringfügig höheren Härtegrad als angespülte Ostseequallen.
Ich halte das für übertrieben. Neulich habe ich einen 200-Kilogramm-Schrank aus dem 19. Jahrhundert fast allein, naja, zu zweit, durch zwei Treppenhäuser gehievt (nicht mein Umzug), ich traue mich mittlerweile auch mit Schlag zu bohren und wenn wir einkaufen sind, trage ich zumeist nicht nur den Wasserkasten, sondern auch noch alle anderen Getränke. Heißt: Ich fühle mich in manchen Situationen schon als Mann im klassischen, vulgo: prähistorischen, Sinne. Gleichzeitig habe ich durchaus meine Probleme mit klassischen Rollenverteilungsmustern, insbesondere wenn sie quasinatürlich legitimiert werden. Auf der einen Seite finde ich den emotionsverleugnenden Hellersdorf-Reflexmachismo zum Kotzen, auf der anderen den Achtzigerjahre-Raubtierfeminismus nach Art einer Alice Schwarzer ziemlich albern. Nur, wo positioniert man sich in der Genderfrage glaubensmäßig, mit Mitte, Ende zwanzig, als nach dem Selbstverständnis liberal Aufgeklärter — eine Identität, deren Zusammenzimmerung Jahrzehnte gedauert hat? Es ist ein Dilemma, Entrinnungstaktiken rar gesät und ich habe noch keine richtige Antwort.
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Behandeln eure Pfandautomaten bzw. die eurer Supermärkte Club Mate-Flaschen auch grundsätzlich wie Bier bzw. deren Behältnisse? Das heißt, mit einem Wert von 8 Cent statt 15 Cent, so wie für Limonaden üblich? Zumindest im Edeka, REWE und Kaiser’s verhält sich’s dergestalt, und es liegt nahe, das dies mit den durchaus sehr ähnlich geformten Flaschen zusammenhängt. Ich bin ja meist zu faul, extra die Pfandklingel zu drücken und einen Kaiser’s-Mann zu rufen. Nein – faul trifft’s nicht ganz. Ich stelle mir dann immer vor, wie der denkt: Ach schon wieder so ein Hirni, bestimmt aus der Internetbranche, der mich hier extra von meinen noch einzuräumenden 14 Kartons Tütensuppen wegruft, weil er persönlich bedient werden will und nicht mal auf 7 Cent Pfanddifferenz verzichten kann. Vor Äonen (so um den 11. September 2001 rum) war ich auch mal Angestellter eines Supermarktes, Herr über den Pfandautomaten zudem, und kann mich da noch ein Stückweit hineinversetzen. Die denken ja wirklich so. Der Kunde ist für die ja ein Stück Vieh. Deswegen lass ich das mit der persönlichen Abgabe der Club Mate-Flaschen und werf die in den Automaten. Aber das läppert sich, auf’s Jahr gerechnet komme ich bei, realistischer Wert, durchschnittlich einer Club Mate am Tag auf einen Fehlbetrag von € 25,55, in Schaltjahren sogar weitere 7 Cent mehr. Wer kompensiert einen für sowas? Dahinter ein Komplott oder eine Verschwörung zu vermuten, maße ich mir aber nicht an. Das Geld fließt ja auch einem guten Zweck zu: Der deutschen Wirtschaft. Ohne die würden wir bekanntlich noch in Höhlen wohnen. Da kann man auch mal tiefer in die Tasche greifen für, beziehungsweise in den Pfandautomaten.
Nun also Wedding. Ich würde gerne etwas über die Umgebung schreiben können, aber dazu habe ich bis jetzt zu wenig davon gesehen. Klischees gibt’s ja viele, von einer Gegend mit marodierenden Talibanpubertierenden bis hin zur Brutstätte der Rotfrontarbeiterschaft, aber tatsächlich scheint es mir auf den ersteinhalbten Blick recht normal hier. Gut, in der U-Bahn ein Junkie oder vor dem Supermarkt-Pfandflaschenautomaten ein Häufchen Elend sind schon erblickbar, aber auch die alte Heimat Friedrichshain hatte so ihre Ecken, wo Autos brannten oder Abiturienten sich in Rage soffen. Lustig war, als wir neulich – es war schon fast Nacht – auf dem Balkon standen und eine Jugendtruppe, es waren wohl auch welche mit ausländischen Eltern dabei, auf der anderen Straßenseite in einem Hauseingang die etwa fünf Köpfe zusammensteckten. Wir mutmaßten im Scherz: Planen die Delikte die Drogen, Gewalt, einen Raubmord gar involvierten? Schließlich schauten Sie empor, drückten auf alle Klingelknöpfe und rannte johlend fort. Tja, so ist das, in unserem Bezirk, in den sich laut bürgerlich-alarmistischen Medienberichten keine Polizeistreifen mehr hineintrauen. Das ist natürlich geschwindelt, hier sieht man hin und wieder Polizisten, wenn auch nicht so oft wie im Friedrichshain (weil hier seltener Autos brennen, s.o.).


