meist manchmal, selten oft

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Schon seit einiger Zeit frage ich mich, woher das Idiom “eingefleischter Fan” stammt, denn etwas einzufleischen ist nun wirklich ein merkwürdiges Bild. Der Lösung näher gekommen bin ich nun: Auf einem US-amerikanischen Barbecue-Fanblog wird das Geheimnis des Einfleischens erklärt. Um genau zu sein, und das ist der Gipfel der fettgetränkten Lässigkeit, wird hier Fleisch eingefleischt. Und zwar doppelt, also quasi eingefleischtes Einfleischfleisch. Es ist so abartig. Ladies and Gents: die Bacon Explosion! [natürlich dem Wurstblog entnommen]

Die folgende Geschichte schrieb ich gestern Abend für ein informelles Literaturprojekt. Sie besitzt eine derb-fäkale Note. Ich bitte um Verzeihung und die Zartbesaiteten unter meinen Lesern darum, wegzulesen.

„Macht dann Dreizehn Fümmunneunzich.“

Sie war jetzt in einer Phase angelangt, in der sich alles in ihrem Unterleib verkrampfte. Trotz des enormen Drangs, sich der in ihr angestauten Exkremente endlich zu entledigen, brachte Frau Wesolowski es noch fertig, zu kassieren. Nun gut, dies war im Grunde nichts Bemerkenswertes, da sie das Kassieren im Traum beherrschte – und das im wahrsten Wortsinne. Ware um Ware über den Scanner ziehen, Summe ansagen, das Geld annehmen, eintippen und Rückgeld herausgeben (im Falle von Kartenzahlung stattdessen das obligat genuschelte „Pin eingeben, mit Grün bitte bestätigen“), einen schönen Tag wünschen – es war ein Automatismus, den man sich nach dreiundzwanzig Jahren Tätigkeit als Kassiererin nun mal angeeignet hat. Eine Art zu Handeln, die sich so tief in ihre Instinkte eingefräst hatte, dass Frau Wesolowski die Abfolge dieses Kreislaufs selbst dann ohne zu zögern hätte hervorbeten können, wenn man sie nachts um halb drei aus einer REM-Tiefschlafphase geweckt hätte.

„Fuffzehn, macht ein Euro fünf zurück.“

Nein, Kassieren – das konnte sie. Aber so dringend auf die Toilette zu müssen, ohne dass auch nur im Mindesten eine Chance bestanden hätte, diesem Bedürfnis innerhalb der nächsten Dreiviertelstunde nachzukommen, das war einfach zuviel. Frau Wesolowski war dabei nicht nervös, jedenfalls nicht mehr. Als es angefangen hatte zu drücken und sie die bis zum Gondelkopf am hinteren Ende des Getränkegangs reichende Schlange hinter dem aktuellen Kunden sah, das war vor etwa einer Stunde, da lief es ihr noch eiskalt den Rücken herunter und eine vage Ahnung von Verzweiflung hatte sie beschlichen. Mittlerweile nahm sie die auf- und abebbenden Gezeiten aus Drücken und Ziehen, Schmerz und Krampf, beinahe gleichgültig wahr, wie ein Mörder, der sich angesichts des unzweifelhaft begangenen Verbrechens im Angesicht des Strangs in sein Schicksal fügt. Aus dem wilden Wollen war ein resigniertes Nicht-Können geworden. Stattdessen machte sie sich Gedanken, wer denn nun eigentlich die Schuld an dem Schlamassel trug.

„Kundenkarte, Pfandbon? Sammeln Sie Treueherzen?“

War es die Schuld des latent wichtigtuerischen Marktleiters Herrn Diepenbrock aus Westdeutschland, der gänzlich unbedarft ihrer Kollegin Gitti eine Urlaubswoche genehmigt hatte, obwohl er doch wusste, dass ihre andere Kollegin Marleen zuverlässig zum Eintreten der Grippesaison stets für mindestens eine Woche ausfiel, so dass sie nun allein mit dem Chef und zwei minderjährigen Aushilfskräften den Laden schmiss, die zu nichts anderem als dem Stapeln von Getränkekisten zu gebrauchen waren? War es die Schuld der großen Regierungskoalition, die mit einem Handstreich die Ladenöffnungszeiten ausgeweitet hatte, ohne auch nur den entferntesten Gedanken an die berufliche Realität einer gewöhnlichen Supermarktkassiererin zu verschwenden? Moment – das könnte auch die vorherige Regierung gewesen sein, Frau Wesolowski war sich plötzlich nicht mehr sicher.
War es die Schuld der dauerjunggebliebenen Investoren, die unbedingt fünfzig Meter schräg gegenüber ihres Supermarktes ein Haus ockergelb anmalen und dort eine Jugendherberge eröffnen mussten, so dass Sie sich mehrmals täglich mit pubertierenden Nichtdeutschen abgeben musste, die sich nicht nur grundsätzlich in Schulklassengröße mit Getränken für den Abend eindeckten, sondern dies auch noch stets in unangemessen erhöhter Lautstärke kommentieren mussten?
War es die Schuld von Egon Krenz? Schließlich hatte er damals ohne Rücksprache mit dem ZK der SED öffentlich geäußert, dass die Grenzen nun geöffnet seien. Wer weiß, möglicherweise wäre dies, wenn der 9. November 1989 nur sachte anders verlaufen wäre, immer noch eine DDR-Kaufhalle der HO-Kette, in der man einer ohnehin kaum von übermäßigen Servicebemühungen verwöhnten Kundschaft durchaus einmal fünf Minuten zusätzliche Wartezeit für ein nur allzu menschliches Bedürfnis zumuten konnte.
Ist es die Schuld des Vaters? Er war es gewesen, der vor etwas mehr als dreißig Jahren darauf bestanden hatte, dass seine Tochter Rosi einen ehrbaren Beruf erlernte, anstatt dieses brotlosen Unfugs mit Oboen und Panflöten.

Ach, es bringt doch einfach nichts, dachte Frau Wesolowski und ließ den Blick schweifen. Die Schlange ertreckte sich immer noch bis weit hinter die Waldmeisterbrause. Wider besseren Wissens nahm sie einen Schluck aus der Seltersflasche, die der Marktleiter ordnungsgemäß abgezeichnet hatte, natürlich quittiert mit der üblichen und selten variierten Phrase „Niemand nimmt an, dass hier jemand von der Belegschaft Waren entwendet. Aber es ist immer gut, auf Nummer Sicher zu gehen.“ Der zweite Satz ekelte sie besonders an.

„Die sind für Sie.“

Der aktuelle Kunde hielt einen Strauß Primeln in der Hand. Nicht hier gekauft, dachte Frau Wesolowski unwillkürlich, ohne die Situation auch nur im Ansatz zu erfassen.
Sie schwieg.
„Hier. Für… für sie.“ Der Mann streckte ihr die Primeln entgegen. Sie kannte ihn, wenn auch noch nicht so gut, dass sie eines der Produkte benennen könnte, die er regelmäßig in den Einkaufswagen zu legen pflegte. Er trug ein Jacket aus hellbraunem Leder, darunter einen schwarzen Rollkragenpullover. Er war mindestens zwanzig Jahre jünger als sie und hatte gut gepflegte Fingernägel, wie sie ohne besonders darauf zu achten bemerkte.
Normalerweise hielt Frau Wesolowski auch Taktiken für Situationen parat, die vom regulären Kassieren abwichen. Etwa, wenn Sie die Eingabenummer für ein neues exotisches Obst noch nicht kannte, ein larmoyanter Kunde sich über das in seinen Augen zu gering herausgegebene Rückgeld beschwerte oder sie von einem Alkoholisierten gebeten wurde, den Spirituosenschrank zu öffnen. Das hier jedoch war anders.
„Für… Wieso hab ich das denn verdient?“ Auch das noch, sie geriet ins Stammeln.

„Es ist, weil… Ich finde, Sie sind immer so freundlich. Ich wollte fragen, ob Sie mal etwas mit mir…“ Er unterbrach den Satz, der Mann war sichtlich aufgeregt. Das übliche Stimmengewirr in der Schlange hinter ihm war über mehrere Meter hinweg verstummt. Irritation lag im Raum wie das dick aufgetragene Billigdeodorant eines vierzehnjährigen Jugendherbergskunden. Frau Wesolowski spürte, wie sie rot wurde und keine passende Antwort fand.

Und dann geschah es. Einer besonders heftigen Blähung nicht unähnlich spürte Frau Wesolowski, wie sie die Kontrolle über ihren Schließmuskel verlor.

marxwirtschaft

Aus einer heute erschienenen gefälschten Ausgabe der “Zeit”, die man auf der ebenfalls gefälschten Seite die-zeit.net herunterladen kann. Und wer steckt dahinter? Die pfiffigen Globalisierungskritiker von Attac. Typisch. [via UPLOAD]

Eine der besten Fernsehserien dieser Tage ist Battlestar Galactica. Das mag daran liegen, dass die Sendung kein lascher Aufguss der 70er-Jahre-Sendung ist, sondern ein in sich geschlossenes Werk, welches ein durchaus nicht unrealistisches Science Fiction-Szenario mit einem Hauch Mystik, einem angenehmen geringen Pathosgrad, durchweg ambivalenten Charakteren und der Kraft von Parabeln auf die Gesellschaft unserer Zeit und Welt verknüpft. Und natürlich sind da ein Haufen hervorragender Darsteller, von denen Edward James Olmos als Admiral Adama nochmal eine Klasse für sich darstellt. [/Hymne]

Olmos ist das, was man plakativ eine “sozial engagierte” Figur des Zeitgeschehens nennen mag. Allerdings weniger im Sinne von Bono-Smug, der Mann saß u.A. einst drei Wochen im Knast, weil er gegen eine US-Militäraktion protestiert hatte. In einem Treffen mit Repräsentanten der Vereinten Nationen erläuterte er kürzlich sein Verständnis des Begriffs “Rasse”, und das kann man sich schon mal anhören. [via Sixtus @ Twitter]


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Doom 1 Disketten

In einem Artikel auf Gulli.com tue ich meinen Unmut über Don Alphonsos Schmähkritik gegen Videospiele und Videospieler kund. Mal wieder ein Artikel, den keiner liest, weil er viel zu lang ist. Würde mich freuen, wenn der eine oder andere am Thema Interessierte einen Blick darauf wirft.

(Man verzeihe mir die opportunistische Beugung grammatischer Grundregeln in der Überschrift, aber für einen schlechten Wortwitz muss man auch mal Opfer bringen.)

Bild: VoxPelli (cc)

Heute musste ich einen Text übersetzen, in dem auf ein Produkt der Firma Microsoft verwiesen wurde. Da fiel mir auf: He, in der zu übersetzenden Fassung steht ja gar nicht Microsoft, sondern Mircosoft, also mit vertauschtem “r” und “c”. Ich bin ja nu nicht der Typ, der sich in solchen Fällen die Flüstertüte schnappt, auf den Balkon stellt (fünfter Stock) und runterbrüllt: “Ein Armutszeugnis!”. Kann mir schon vorstellen, dass man das oft falsch schreibt. Ich selbst habe ja große Probleme mit dem Wort “Beispiel”, oft kommt da im Eifer des Geplänkels “Besipiel” oder “Besispiel” raus. Aber das nur am Rande. Jedenfalls zwackte mir da die Neugier am Hintern und ich recherchierte ein wenig. Wäre es möglich, dass Microsoft den “Mircosoft”-Fehler selbst macht? Und es ist. In der Supportdatenbank allein findet Google 142 Einträge für den Buchstabendreher.[1] Das Fehlerteufelchen ist lustigerweise ein wahrhaft globalisiertes.

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Und was sagt uns das? Eigentlich überhaupt nix. Solche Fehler passieren und die Leute bei Microsoft kochen eben auch nur mit Wasser. Ich find’s niedlich.

  1. Auf der gesamten Microsoft-Seite zu suchen ist witzlos, weil man da auch allerhand Ergebnisse aus der Community-Sektion findet, da ist der Schaden natürlich fremdverschuldet. [zurück]

Screenshot:The Graveyard

The Graveyard ist kein Spiel. Klar, es gibt Steuerungsoptionen, Grafikeinstellungen und ein Ziel, zumindest halbwegs. Allerdings besteht das Ziel lediglich darin, den Avatar, nennen wir sie Oma Emma aus Övelgönne, an einem schwarzweißen Herbsttag zur Parkbank an der Friedhofskapelle und wieder zurück mäandern zu lassen. Die für Mac und PC herunterladbare Trial-Version enthält im Prinzip das gesamte Spiel, nur kann man in der 5 $ kostenden Vollversion zusätzlich jederzeit sterben.

S. findet’s albern und ich überlege, was mir das Programm sagen will. Auf eine Art rührt mich das “Spiel” an, auf der anderen Seite (oder vielleicht gerade deswegen) habe ich aufgrund der unfassbar behäbigen Gehgeschwindigkeit den Drang, zu fluchen und ragezuquitten[1] und fühle mich daran erinnert, wie es ist, vor 15:00 Uhr in unserem Edeka einkaufen zu gehen. Ich habe also meine Assoziationen (weswegen ich The Graveyard als Kunst sehen würde), aber die sind unangenehmer Art. Vielleicht ist dieses bizarre Programm in der Konzeptkunstecke moderner Galerien besser aufgehoben als auf meinem Computer.

(Gefunden im Blog “This Wasteland”, das zwar noch klebrig vom Fruchtwasser ist, aber bereits jetzt einen Platz in meinem Herzen erobert hat)

  1. “Ragequit” ist ein Begriff aus dem Onlineshooter-Jargon, der in etwa bedeutet: Aus Gründen aufgestauter Frustration den Server und/oder das Spiel ohne Federlesens zu verlassen [zurück]
  • Die Biermarke „Beck’s“
  • Windows Vista
  • Sahnehäuchen auf der Tomatensuppe
  • Mononatriumglutamat
  • unser politisches System

Entschuldigung, dass ich jetzt über einen Monat nichts geschrieben habe, aber ich hatte keine Lust.

[via]

Manuel 1

Manuel 2

Manuel 3

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