Der Pfennigmann

Eine etwas merkwürdige Geschichte aus meinem Archiv, die ich nicht als Kapitalismuskritik verstanden wissen will, sondern als klassischen Entwicklungsroman. Viel Freude damit.

Prrrrple Hair

Ich bin Einkäufer. “Das bin ich auch!”, mögen Sie jetzt vielleicht sagen, aber ich meine etwas anderes als Ihre wöchentlich stattfindenden Konsumschlachteplatten im Diskont um die Ecke. Ich bin Chefeinkäufer der regionalen Filialen einer Pfennigmarktkette. Sie wissen schon… Diese Geschäfte, in denen überwiegend Ramsch für wenig Geld feilgeboten wird. Sachen die keiner wirklich braucht aus Läden, in denen die Kassierinnen gleichzeitig die Putzfrau ist und deren Verkaufsräume nach einer Mischung aus billigem Holz und den Lösungsmitteldämpfen chinesischen Plastiks riechen. “Radikal reduzierte Restposten” steht bei uns an den Schaufenstern, “Wir sind die Allerbilligsten!” und “Jetzt: der Schnäppchenholocaust”. Na gut, das letzte habe ich erfunden, wird’s aber sicher irgendwann geben.

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Immer informiert mit der Sexualstraftäter-App fürs iPhone

iPhone App: Nearby Offenders

Vor etwas mehr als einem Jahr schrieb ich:

Stell dir vor, du holst deinen Laberziegel aus der Tasche, die synergische Mischung aus GPS, Google Maps und RottenNeighbor zeigt dir an, dass in dem Haus da drüben unzweideutig ein Sexualstraftäter haust, du öffnest die eingebaute Social Networking-Funktion und planst komfortabel (Multitouch, UMTS, angepasster Handybrowser) mit anderen besorgten Bürgern einen Spontanpogrom in anderthalb Stunden, um die Welt mal wieder ein kleines bisschen besser zu machen.

Kommt, sowas. Ganz sicher.

Nun gibt es eine Sex-Offender-iPhone-App, mit Umgebungskarte und rot markierten Ortsmarkern überall dort wo Sexualstraftäter wohnen. Und was kann die?[1]

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  1. von mir übersetzt [zurück]

Schimmliges Brot schmälert das Vergnügen

Es hat schon seinen Grund, dass Brot in meinem Magen keinen Platz hat. Denn Brot ist der nahende Tod, die Stulle bleibt mir gestohlen. Wer Butterbrote arglos vertilgt hat wohl noch nie ein Pausenbrot in der Tupperdose ungegessen über die Sommerferien im Schulranzen vergessen. Im folgenden schildert Max Goldt mit seiner Band Foyer des Arts die mittelbaren Konsequenzen von Brot im weiteren Sinne. Analysieren und kurz und knapp zusammenfassen! (via Tim bei Twitter)

Top 3: Die merkwürdigsten Wörter der deutschen Sprache

Allerböschung
Bild “Allerböschung”: Pusteblume (cc)

Die Menschen lieben Listen. Ich habe schon länger (eine Woche) keine mehr gemacht, also los. Heute geht es um etwas, womit wir alle gelegentlich zu tun haben: Wörter. Genauer gesagt, die komischen darunter. Hier meine drei Lieblings-WTF-Wörter, die man manchmal liest oder in den Mund nimmt und sich wundert.

Platz 3: Böschung. In letzter Zeit wegen Schlammes wieder in den Medien und meinem Kopf. Böschung klingt doch als Wort komisch, oder empfinde lediglich ich das so? Spaßeshalber kombinierte ich neulich dieses Wort mit meinem Lieblingswort (Wipfel) und fragte mich, ob es Böschungswipfel gibt. Google sagt nein, aber das heißt ja nichts. Böschungsexperten[1] vor!

Platz 2: Versoftung. Übernahme von Aspekten einer Jugendsubkultur in den Mainstream? Der anhaltende Erfolg gefrorener Salmonellencreme? Nein — Versoftung nennt sich die Programmierung eines Videospiels, dessen Handlung und Charaktere auf einem anderem Medium (Buch, Film, Plastikmüll) basieren. Im Prinzip eine Verfilmung, nur halt in Software. Heutzutage wird ja alles versoftet, meist schlecht.

Platz 1: Eingefleischt. Hier schon mehrmals aufgetaucht. Ich habe ja nichts gegen starke Bilder und bin auch kein Fleischverächter, aber mir Anhänger eines Ballsportvereins mit “Belag” rundherum vorzustellen (Werder in Mortadella? Hertha-Würstchen im Darm?), ist mir dann doch zu ekelig.

Bevor ich jetzt in die Böschung hüpfe und mich gegen die dräuende Versoftung heimlich einfleische, mal eine Frage in die Runde: Welche obskuren Verbalfiguren sind euch so aufgefallen? Die Kommentarsektion empfängt euch mit einem warmen Umarmen.

  1. Höhö: In Böschungsexperte steckt “Sex”, in “Rechtsextremismus” übrigens auch [zurück]

Var ligger närmaste sjukhus?

IKEA Berlin

Weil wir nach 5 Jahren in dieser Bude immer noch keinen Couchtisch hatten und die Dinger bei den Schweden so unfassbar günstig sind, dass man geradezu zwangsweise annehmen muss, dass die Sofenbeisteller von vierjährigen rumänischen Kindern in zwei mal zwei Quadratmeter-Baracken unter perpetuierter Lösungsmittelbeschallung geschreinert wurden, was man in manchen Momenten aber einfach mal verdrängen muss, denn man hat ja selber nicht so viel Geld, haben wir uns am letzten Sonnabend zu IKEA begeben, wo mir nach dem obligaten Hackballspachteln und dem sinnhaft verknüpften Klobesuch auffiel, dass im Waschbeckenraum (nennt man das so?) an der Wand ein Kondomautomat, kurz Kondomat, hing, was ich mit dem familienfreundlichen Image, das sich die Möbelhauskette so penetrant-smuggig auf die Flagge schreibt, gar nicht mal komplett inkompatibel assoziiere, also nicht weiter wild, wurde ich bei genauerer Betrachtung Gewahr, dass neben den drei Sorten Präservativen dort auch ein ominöser “Rubbel Ring” und eine Reisevagina (“TravelPussy”) für je 3 € zu erstehen waren, und ich sagte im Stillen zu mir selbst: WTF! und außerdem: Möbelhaus, im Interesse der Kinder — DER KINDER! — wähle deine Sanitärraumbestückungshandelspartner zukünftig bedachter.

Ikea: Pariser, Travel Pussy und Rubbel Ring

Der Piratenpartei-Diskurs in der deutschen Blogosphäre

Piratenpartei Logofindet mit folgendem Freud’schen Vertipper von Jeriko seinen Höhepunkt:

Seit heute wird aber ein Mitglied der Piratenpartei, dass sich in der Vergangenheit mehrmals kritisch zum Holocaust geäußert hat, unter der Prämisse der absoluten Meinungsfreiheit verteidigt.

Ansonsten finde ich die Diskussion überzogen. Warum? In einer Menschenansammlung von 30 Leuten findet sich mit gegen 1 tendierender Wahrscheinlichkeit ein Idiot. Und wer Dinge von sich gibt wie

Solange der Holocaust als gesetzlich vorgeschriebene Tatsache existiert, sehe ich keine Möglichkeit, diesen neutral zu beschreiben. Zur Erinnerung an vergangene Zeiten. Es gab auch mal andere Doktrinen, z. B. die “Tatsache”, dass die Erde eine Scheibe sei. Diese Doktrin unterscheidet sich von der Holocaust-Doktrin im wesentlichen durch folgende Punkte: 1.) Heute existiert diese Doktrin nicht mehr, daraus folgend konnte 2.) offen darüber diskutiert werden, und Nachforschungen angestellt werden, und daraus folgt 3.) dass festgestellt wurde, dass diese Doktrin schlicht falsch war. Soviel zum Thema Neutralität.

ist ganz offensichtlich ein Idiot. Weiterlesen →