meist manchmal, selten oft

Heute musste ich einen Text übersetzen, in dem auf ein Produkt der Firma Microsoft verwiesen wurde. Da fiel mir auf: He, in der zu übersetzenden Fassung steht ja gar nicht Microsoft, sondern Mircosoft, also mit vertauschtem “r” und “c”. Ich bin ja nu nicht der Typ, der sich in solchen Fällen die Flüstertüte schnappt, auf den Balkon stellt (fünfter Stock) und runterbrüllt: “Ein Armutszeugnis!”. Kann mir schon vorstellen, dass man das oft falsch schreibt. Ich selbst habe ja große Probleme mit dem Wort “Beispiel”, oft kommt da im Eifer des Geplänkels “Besipiel” oder “Besispiel” raus. Aber das nur am Rande. Jedenfalls zwackte mir da die Neugier am Hintern und ich recherchierte ein wenig. Wäre es möglich, dass Microsoft den “Mircosoft”-Fehler selbst macht? Und es ist. In der Supportdatenbank allein findet Google 142 Einträge für den Buchstabendreher.[1] Das Fehlerteufelchen ist lustigerweise ein wahrhaft globalisiertes.

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Und was sagt uns das? Eigentlich überhaupt nix. Solche Fehler passieren und die Leute bei Microsoft kochen eben auch nur mit Wasser. Ich find’s niedlich.

  1. Auf der gesamten Microsoft-Seite zu suchen ist witzlos, weil man da auch allerhand Ergebnisse aus der Community-Sektion findet, da ist der Schaden natürlich fremdverschuldet. [zurück]

Screenshot:The Graveyard

The Graveyard ist kein Spiel. Klar, es gibt Steuerungsoptionen, Grafikeinstellungen und ein Ziel, zumindest halbwegs. Allerdings besteht das Ziel lediglich darin, den Avatar, nennen wir sie Oma Emma aus Övelgönne, an einem schwarzweißen Herbsttag zur Parkbank an der Friedhofskapelle und wieder zurück mäandern zu lassen. Die für Mac und PC herunterladbare Trial-Version enthält im Prinzip das gesamte Spiel, nur kann man in der 5 $ kostenden Vollversion zusätzlich jederzeit sterben.

S. findet’s albern und ich überlege, was mir das Programm sagen will. Auf eine Art rührt mich das “Spiel” an, auf der anderen Seite (oder vielleicht gerade deswegen) habe ich aufgrund der unfassbar behäbigen Gehgeschwindigkeit den Drang, zu fluchen und ragezuquitten[1] und fühle mich daran erinnert, wie es ist, vor 15:00 Uhr in unserem Edeka einkaufen zu gehen. Ich habe also meine Assoziationen (weswegen ich The Graveyard als Kunst sehen würde), aber die sind unangenehmer Art. Vielleicht ist dieses bizarre Programm in der Konzeptkunstecke moderner Galerien besser aufgehoben als auf meinem Computer.

(Gefunden im Blog “This Wasteland”, das zwar noch klebrig vom Fruchtwasser ist, aber bereits jetzt einen Platz in meinem Herzen erobert hat)

  1. “Ragequit” ist ein Begriff aus dem Onlineshooter-Jargon, der in etwa bedeutet: Aus Gründen aufgestauter Frustration den Server und/oder das Spiel ohne Federlesens zu verlassen [zurück]
  • Die Biermarke „Beck’s“
  • Windows Vista
  • Sahnehäuchen auf der Tomatensuppe
  • Mononatriumglutamat
  • unser politisches System

Entschuldigung, dass ich jetzt über einen Monat nichts geschrieben habe, aber ich hatte keine Lust.

[via]

Manuel 1

Manuel 2

Manuel 3

[x]

Jens weist in einem exzellenten Artikel darauf hin, dass man momentan nicht allzu viel glauben kann, was die Presse über den Angriff Israels auf Gaza berichtet. Es gibt kaum Reporter, die von der Lage vor Ort berichten können und von beiden Seiten wird manipuliert, wo es möglich ist — insbesondere online.

Gaza: Child runs away

Insofern sind auch diese Bilder mit Vorsicht zu genießen, Fotos von weinenden Kindern und sterbenden Kriegsopfern sind natürlich sehr suggestiv. Dennoch dürften sie das Leiden der Zivilbevölkerung ausschnitthaft ganz gut wiedergeben. Ein “sauberer Krieg” ist das jedenfalls nicht, den gibt es einfach nicht. [via]

Logo: 25C3Ich war am Ende des ausklingenden Jahres auf dem 25C3, unakronymisiert 25. Chaos Communication Congress, noch etwas genauer: der jährlichen Zusammenkunft des Chaos Computer Clubs. Und anders als meine Kolumne bei Gulli auf dem ersten Blick implizieren mag, war’s tatsächlich ein Erlebnis — inspirierend, spaßig (nicht zuletzt dank der Gesellschaft von Martin, Sebastian, Simon, Ruben und Lars), voll und lehrreich. Ohne meine Leser mit für sie langweiligen Anekdoten bespaßen zu wollen, möchte ich doch folgende Merkwürdigkeit zum Besten geben: Am ersten Tag war die Nummer, die ich an der Garderobe für die Abgabe meiner Jacke erhielt, die 501. So weit, so egal. Am zweiten Tag jedoch erhielt ich die selbe Nummer, erneut die 501! Bei einem Kongress mit mehr als 4000 Besuchern schon verwunderlich, gell? Ich dachte mir: Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Morgen gibt’s die Nummer bestimmt nicht nochmal. Und ich sollte Recht behalten: Am dritten Tage wies man mir die 150 zu. Die gleichen Ziffern! Just coincidence? Kann das bitte mal jemand stochastisch auswerten?

Ich habe sicher nicht alle guten Vorträge mitbekommen, meine eigenen Favoriten habe ich aber gleichsam bei Gulli festgehalten. Im Gedächtnis bleiben wird mir sicher Martin Haases Vortrag “Neusprech im Überwachungsstaat”. Der Redner wies dort aus linguistischer Perspektive sehr amüsant auf Parallelen zwischen Orwells “Newspeak” und heutigen Politikerjargon hin. Und weil ich ein netter Kerl bin, habe ich das Video der Veranstaltung mal bei Google Video hochgeladen. Sehr lohnenswerte 70 Minuten, das Anschauen in angenehm temperierten Räumen mit wohlgesonnenen Kumpanen bei geistigen Getränken wird angeraten (Qualitätsfetischler laden sich den Torrent herunter).

Weihnachtshaus
Bild (grusel): drp (cc)

Muss sein: Ich wünsche meinen Mitmenschen und allen Lesern dieses Blogs geruhsame Weihnachtsfeiertage, Besinnung, Einkehr und ordentlich Knödel oder was auch immer es bei euch zu Essen gibt. Wir hören beim Baumschmücken übrigens neben klassischer “E”-Untermalung auch immer “Weihnachten bei den Van den Bergs” von Helge Schneider. Macht doch mit:


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Taxifahren
Bild: tigoe (cc)

Wenn man in einem Taxi sitzt, hat man wenig Einfluss darauf, wie der Zeitraum in der Fahrgastzelle akustisch bepinselt wird. Als Kunde weiß man ja nicht, ob der Taxifahrer einer dieser berüchtigten “Berliner Originale” ist, welcher etwa den Vorschlag, den Radiosender zu wechseln gleich als Angriff auf seine Souveränität wertet und loswettert (“Ick hab hier Hausrecht!”). Die Folgen eines eingeschnappten Fahrdienstleisters könnten furchtbar sein: Ist der Fahrer erzürnt, fährt er besonders langsam oder einen Umweg über mindestens zwei unnötige Stadtteile (“Is’ grade Berufsverkehr, den umfahr ick besser”) und nachher zahlt man dann noch entsprechend mehr und das ist dann extra bitter.

So fuhren wir zwar schnell und auf direktem Wege, aber vom Krakeelen brünftiger Puter und dem Geröhre trächtiger Bachen begleitet — im Radio lief der auf “RnB”-Musik spezialisierte Berliner Sender Kiss FM — von Friedrichshain nach Neukölln. Der noch junge Tag war verhangen, es nieselte, außer der per Ultrakurzwelle übermittelten grotesken Laute vernahm man nur das leise Kricken und Kracken des Taxifunks und die Empörungsbekundungen unseres kleinen Katers (unbekannt, ob sie nun dem Radioprogramm oder dem Ziel der Fahrt galten: einer Tierarztpraxis unseres Vertrauens).

Die Stunde war voll und auf “Kiss” kamen die Mary J. Blige unterbrechenden Wetter- und Verkehrsmeldungen, selbst noch unterbrochen von Nachrichten. Mit wenig Soul in der Stimme las eine Dame die Ereignisse des Tages vor.

In der letzten Sitzung des Bundesrats vor der Winterpause wurden heute noch einige Gesetze beschlossen, darunter auch das sogenannte BKA-Gesetz. Es sieht unter Anderem vor, dass Online-Durchsuchungen nur mit richterlicher Genehmigung angeordnet werden dürfen.

Falsch, stupid. Das Gesetz sieht zuerst mal vor, dass es Online-Untersuchungen überhaupt geben darf. Mal genauer hinschauen: Die Regierung bringt einen Misthaufen von einem üblen, grundgesetzwidrigen Gesetzespaket in die öffentliche Diskussion und schließlich ins Parlament ein. Und wie kanzelt man den Widerstand gegen die vor langer Zeit mal “Bundestrojaner” genannte neuerliche Invasion der Privatsphäre ab? Vermittlungsausschüsse, “Zurückrudern” genannte Lippenbekenntnisse. Der Staat geht zehn Schritte vor in Richtung des totalitären Überwachungsstaates und mit dem ach so tollen Richtervorbehalt wieder einen Schritt zurück, aber was in der Wahrnehmung der mit diesem Gesetz bedachten Masse klebenbleibt (nicht pauschal, aber in der Tendenz), ist nur der Schritt zurück. Die richterliche Überprüfung ist nichts weiter als Volksberuhigung und das weiß ein PR-geschulter Politiker auch, er kalkuliert damit. In der vorweihnachtlichen Zeit, die für die meisten Menschen eher Stress als Besinnung darstellt, ist es zudem noch einfacher so ein abartiges Gesetz an der Aufmerksamkeit der Bürger vorbei einzuführen.

Im nächsten Jahr sind Wahlen. Wie hoch wird der Prozentsatz der Wahlberechtigten sein, der an der Urne steht und sich des BKA-Gesetzes, der Vorratsdatenspeicherung, biometrischer Reisepässe, der §129a-Prozessfarcen, der Telefonüberwachungen und all der anderen Stachel im Fleisch der eigenen Privatsphäre erinnert?

Die Nachrichten waren vorbei und wir an unserem Ziel angelangt. Endlich. Es regnete nicht mehr, aber der Himmel war immer noch grau.

johannes_heestersEines verstehe ich nun aber immer noch nicht, lieber “Jopi” und liebe Sendeanstalten: Warum es so schlimm sein soll, vor ein paar SS-Männern Operettenhits zu trällern und warum sich einer gegen eine solche Behauptung juristisch wehrt.

Nein, das ist natürlich nix Tolles, sondern für sich genommen bereits brechreizern. Aber man muss das in den rechten Kontext setzen: Verglichen mit der Tatsache, dass man überhaupt ein KZ besichtigt, ist ein Auftritt in selbigem doch beinahe vernachlässigbar. Ohne die Gesangsbespaßung von Hitlers Schergen hätte Heesters Sightseeingtour am “Tag der offenen Tür” (Zitat aus JHs Memoiren) in Dachau nicht einmal einen rechtfertigenden Zweck gehabt — für mein Verständnis wäre dies noch eine Spur makaberer.

Aber egal, denn: Wer weiß, wie die Zeit damals war – für einen Gigolo. Würg.